Diskussion

 

Leipzig: Bürgerhaushalt 2009 gestartet

Absofort können die Bürgerinnen und Bürger in Leipzig sich an der Haushaltsplanung für den Haushalt 2009 beteiligen. Die AG Bürgerhaushalt der Leipziger Agenda 21 hat die Durchführung eines Beteiligungsverfahrens angeregt, das bereits lange vor der Veröffentlichung eines neuen Planentwurfes im Herbst beginnen soll und den Bürgerinnen und Bürger bis zum 15. Juni 2008 die Möglichkeit gibt, Vorschläge einzureichen. Vorschläge können auch online mithilfe eines Haushaltsrechners eingereicht werden.

Der Leipziger Bürgerhaushalt weißt damit zwei Besonderheiten auf: Zum Einen wird er nicht von der Verwaltung der Stadt Leipzig initiiert, sondern von der Leipziger Lokalen Agenda. Der Bürgerhaushalt stellt somit eine zivilgesellschaftliche Initiative dar. Verbunden ist damit die Frage, inwieweit sich dieser Umstand postiv oder negativ auf die Relevanz des Verfahrens für das politisch-administrative Haushaltsplanungsverfahren auswirkt, wieviel Bedeutung also Politik und Verwaltung dem Verfahren und damit den Vorschlägen der Bürgerinnen und Bürger beimessen. So wird das Verfahren nicht auf den Seiten der Stadt Leipzig angekündigt, was auf eine eher geringe Bedeutung des Verfahrens für die Verwaltung hinweisen könnte.

Allerdings ist ein Verwertungsprozess vorgesehen, an dem Verwaltung und Politik beteiligt sind: Dazu ist auf den Seiten der Lokalen Agenda Leipzig zu lesen:

Die Vorschläge werden anschließend in einem Arbeitskreis unter Mitwirkung der AG Bürgerhaushalt sowie Mitgliedern des Stadtrates und Mitarbeitern der Stadtverwaltung systematisiert, redaktionell überarbeitet und für eine öffentliche Abstimmung vorbereitet. Im Sommer soll dann dazu ein öffentliches Abstimmungsverfahren stattfinden, um die Zustimmung zu den einzelnen Vorschlägen zu ermitteln. Ergebnisse werden in zwei Schritten an die Verwaltung und den Stadtrat übergeben:
1. Bereits vor der Abstimmung werden alle Vorschläge an die Verwaltung übergeben, damit sie bei der Aufstellung des Haushaltsplan durch die Fachämter berücksichtigt werden können.
2. Nach der Befragung werden die Abstimmungsergebnisse bereits vor der Veröffentlichung des Haushaltsplanentwurfes für 2009 den Fraktionen des Stadtrates zugänglich gemacht und können somit rechzeitig für die Erarbeitung von Änderungsanträgen durch die Fraktionen verwendet werden.

Zum Anderen wird als Beteiligungsmedium ein Haushaltsrechner angeboten, der – hier auf der Basis des aktuellen Haushaltes 2008 – die Möglichkeit bietet, einen eigenen Haushalt vorzuschlagen, indem Ein‑ oder Ausgaben zu einzelnen Ressorts verändert werden können. Zusätzlich ist es möglich, eine so veränderte Gewichtung schriftlich zu begründen. Bei unveränderbaren Haushaltspositionen können zwar nicht Zahlen aber Kommentare abgegeben werden. Damit steht das Zahlenwerk und die Auseinandersetzung mit Zahlen für die Teilnehmenden im Vordergrund und die Auseinandersetzung mit einer eher anspruchsvolleren Benutzeroberfläche. Spannend ist daher die Frage, ob dieser Ansatz im Vergleich zu anderen eher Dialog-orientierten Ansätzen (Diskussion und Bewertung von Vorschlägen im Internet und in Vor-Ort-Veranstaltungen) methodisch ein höherschwelliges Angebot darstellt.

Vergleiche auch eine aktuelle Meldung aus der Leipziger Internet Zeitung: „Ab sofort wieder gefragt: Vorschläge für den Leipziger Haushaltsplan 2009“

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„Die Bürger sind bereit zu sparen“ – Interview mit dem Politiker Rolf Knöfel aus Bergheim

Die Stadt Bergheim führte in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger am Haushaltsplanungsverfahren durch. Anlässlich der Bürgerbeteiligung zum Doppelhaushalt 2008⁄2009 sprachen wir mit Herrn Knöfel, dem Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Bergheim. Die Fragen stellte Oliver Märker.

Sehr geehrter Herr Knöfel,
warum beteiligt die Stadt Bergheim die Bürgerinnen und Bürger an der Haushaltsplanung? Warum haben sich Politik und Verwaltung für dieses Beteiligungsverfahren entschieden?

Wir haben die Bürgerbeteiligung an der Haushaltsplanung eingeführt, weil wir die Bürgerinnen und Bürger über die schwierige finanzielle Situation in unserer Kommune in Kenntnis setzen wollen. Wir möchten, dass auch die Bürger über die finanzielle Situation in ihrer Kommune Bescheid wissen und nicht nur ihre gewählten Vertreter. Mit der Einführung der Bürgerbeteiligung haben wir auf das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger gesetzt, da aufgrund der finanziellen Situation andere Schwerpunkte bei den freiwilligen Ausgaben – und um die geht es ja hauptsächlich – gesetzt werden müssen als dies in Zeiten einer guten Kassenlage der Fall war. Darüber hinaus wollen wir mit der Durchführung eines Bürgerhaushaltes gemeinsam mit dem Bürger herausfinden, wo bei den freiwilligen Ausgaben diese Schwerpunkte gesetzt werden sollten. Letztlich geht es uns darum, in einem gemeinsamen Abwägungsprozess mit der Bürgerschaft hier den richtigen Weg zu finden.

Was haben Sie als Politiker davon – was verspricht sich die Politik?

Für Politiker ist es nicht immer leicht, herauszufinden, wo die Bürger bereit sind, Verzicht zu üben und an welcher Stelle sie nicht dazu bereit sind. Schon bei der ersten Bürgerbeteiligung zum Doppelhaushalt 2005⁄2006 haben wir die Erfahrung gemacht, wie wichtig dieses Instrument für die Politik sein kann, um hier mehr Klarheit zu bekommen. Schon damals haben wir erkennen können, dass der Bürger Schwerpunkte setzt, die wir so als Politiker zunächst so nicht gesehen haben.
Bei manchen Punkten waren wir regelrecht überrascht, wie zum Beispiel bei der Parkraumbewirtschaftung: So haben wir Politiker von manchen Interessensgruppen suggeriert bekommen, dass die Bürgerschaft unter den Parkgebühren sehr leiden würden. Während der Beteiligung kam aber heraus, dass die Bürgerinnen und Bürger durchaus Verständnis dafür haben, dass in Zeiten schmaler Kassen die Bewirtschaftung der Parkplätze eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Und dass damit in einigen Fällen auch Probleme wie Dauerparken reduziert werden können. Hier sah der Bürger das also viel differenzierter als wir vermuteten.
Andererseits ist es aber auch wichtig, in den eigenen Schwerpunktsetzungen und Vorstellungen bestärkt zu werden: So lagen wir beispielsweise richtig in der Idee, Jugend, Familie und Bildung zu fördern, hier also möglichst viel Geld zu investieren. So gesehen wurde uns dieser Akzent über den Bürgerhaushalt bestätigt und hat sich deshalb als ein sehr hilfreiches Instrument erwiesen.

Kritiker des Verfahrens werfen der Politik vor, dass sie sich nur die „Rosinen picken“ würden – was antworten Sie auf diese Kritik?

Wenn wir nur die Ergebnisse herausnehmen würden, die uns gefallen, dann müsste man sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Ich kann für meine Fraktion jedoch sagen, dass wir uns in den vielen Sitzungen und Klausuren sehr intensiv mit den Ergebnissen auseinander setzen. Und da geht es nicht nur darum, eigene Ideen und Zielvorstellungen wiederzufinden, sondern gerade auch darum, unser Programm mit dem Meinungsbild und den Anregungen der Bürgerschaft abzugleichen und soweit erfüllbar an den Stellen Korrekturen durchzuführen, die in unserer Wahrnehmung nicht erkannt wurden, also genau da, wo wir Dinge anders einschätzten oder noch nicht bedacht und berücksichtigt haben. Wir nehmen die Bürgerbeteiligung ernst – „Rosinenpickerei“ wäre in der Tat nicht gut, in der Sache falsch und ein schlechtes Zeichen an die Bürger.

Wir beurteilen Sie den Verlauf des aktuellen Beteiligungsverfahrens zum Haushalt 2008⁄2009?

Bei der ersten Beteiligung zum Doppelhaushalt 2005⁄2006 haben wir die Bürgerinnen und Bürger mithilfe eines Fragebogens und eines abendlichen Bürgerforums beteiligt. Aufgrund der der guten Erfahrungen haben wir diese Instrumente beibehalten und versucht das Verfahren durch die Einführung des Internets als zusätzliche Beteiligungsmöglichkeit weiter zu optimieren und abzurunden. Und wie wir gesehen haben, hat der Einsatz des Internets noch einmal einen großen Schub in das Verfahren hereingebracht. Die Hinzunahme des Internets war insofern von Bedeutung, weil dadurch noch mehr ein repräsentativer Charakter in das Verfahren gekommen ist. Das Verfahren ist zwar immer noch nicht repräsentativ, aber die Zunahme der Beteiligung gibt uns Politiker noch mehr Sicherheit in unserer Beschäftigung mit den Bürgervorschlägen. Alle drei Elemente, also der Fragbogen, das Internet und das abendliche Bürgerforum haben zu einer größeren Ausgeglichenheit geführt. Im Prinzip können wir uns in der CDU-Fraktion eine Haushaltsberatung ohne Bürgerbeteiligung und schon gar nicht ohne das Instrument „Internet“ mehr vorstellen.

Wie schätzen Sie die Qualität der Ergebnisse ein?

Uns liegt jetzt ein sehr umfängliches Ausarbeitung mit den Ergebnissen des Verfahrens vor. Klar ist, dass wir Politiker uns nicht mit allen dokumentierten Feinheiten und Details auseinandersetzen können. Dazu fehlt dann doch die Zeit. Aber: Wir suchen nach den grundsätzlichen Schwerpunkten und fragen uns: „Was hat uns der Bürger zusagen, mit welchen Themen hat er sich befasst?“ Und dazu ist die Ergebnisdokumentation sehr hilfreich und nützlich.

Wie gehen Sie bei der Auswertung vor?

Wie bereits erwähnt, vergleichen wird die Ergebnisse mit unseren Zielsetzungen, korrigieren an den Stellen wo wir etwas noch nicht bedacht haben oder sogar anderer Auffassung waren, und passen dies vor dem Hintergrund der Machbarkeit an. So sind wir in der Lage, den Bürger mitzunehmen und seine Anregungen Wirklichkeit werden zu lassen. Hierzu müssen wir uns angucken, wie die Ideen umgesetzt können, welche Auswirkungen mit einer Umsetzung jeweils verbunden sind. Aber wie gesagt: Die Bürger sind bereit zu sparen. Der Bürger ist bereit, auch auf Dinge zu verzichten, wie zum Beispiel auf die kurzfristige Ausstattung von Sportplätzen mit Kunstrasen. Dies sehen die Vereine unserer Stadt als Interessengruppe naturgemäß anders. Aber gerade hier wird deutlich, dass die breite Bürgerschaft eine differenziertere Meinung hat. Dies soll nicht heißen, dass der Kunstrasen auf Sportplätzen mittel‑ bzw. langfristig gesehen keine Berechtigung hat. Hierzu müssen jedoch tiefer gehende Untersuchungen erfolgen, die letztlich zu dem Ergebnis führen müssen, dass sich die verhältnismäßig hohen Investitionen auch rechnen. Die Sichtung der Ergebnisse zeigt: Nicht nur die „Wünscher“ kamen zu Wort, sondern auch die, die erkannt haben, dass nicht alles machbar ist, dass auch schöne Dinge, wie zum Beispiel der o. g. Kunstrasen, aufgrund der finanziellen Situation nicht oder vorerst nicht umgesetzt werden können.

Wir fassen in unseren Haushaltsklausuren alle Beratungsergebnisse zusammen, arbeiten diese in den Haushaltsentwurf ein, und nehmen einen Abgleich mit unseren Vorstellungen und unseren sachlichen und politischen Zielen vor. Besonders schwer betroffen sind naturgemäß die freiwilligen Ausgaben. Die freiwilligen Ausgaben sind uns besonders wichtig. Hier gilt es, die geringen Spielräume (zum Beispiel Sport, Jugend, Bildung, ältere Menschen) optimal, sinnvoll und sachdienlich zu nutzen. Vor diesem Hintergrund fragen wir uns: Wo setzen wir die Schwerpunkte? Und gerade für diese Akzentuierung ist der Bürgerhaushalt nützlich; denn wir sind immerhin eine aus 22 Stadträten und 43 sachkundigen Bürgern bestehende Fraktion, und da fällt die Meinungsbildung nicht immer leicht, sodass jede zusätzliche Orientierung hilfreich ist.

Wie werden Sie den Bürgerinnen und Bürgern eine Rückmeldung geben?

Für die CDU-Fraktion kann ich sagen, dass wir uns in einem Pressegespräch auf die Verwendung der Bürgervorschläge eingehen werden. Wir werden dort Rede und Antwort stehen – die Presse fragt da schon, das können Sie sich vorstellen. Auch die Bürgermeisterin wird sich an die Öffentlichkeit wenden, um über die Ergebnisverwertung zu berichten. Die Verwaltung wird auch einen Bericht erstellen.

Wie wird es weiter gehen?

Erkenntnisse aus dem aktuellen Verfahren müssen wir zur methodischen Weiterentwicklung des Verfahrens nutzen. Die Rolle des Internets wird sicherlich auch in den nächsten Verfahren von großer Bedeutung sein. Hier hat sich gezeigt, dass es richtig ist, Neuerungen und Erfahrungen aus anderen Städten aufzunehmen und zu berücksichtigen. Für meine Fraktion kann ich sicher sagen, dass wir eine Weiterführung des Verfahrens befürworten. Aber ich denke auch, dass alle anderen Fraktionen eine Weiterführung wollen. So war es ein sehr gutes Zeichen, dass die Gelder, die zur Durchführung der diesjährigen Beteiligung notwendig waren, einschließlich der Erweiterung des Verfahrens durch die Hinzunahme des Internets, einstimmig bereitgestellt wurden.

Was würden Sie Politikern einer anderen Stadt sagen, in der die Öffentlichkeit bislang nicht an der Haushaltsplanung beteiligt wird, um sie von dem Verfahren zu überzeugen?

Im Grunde genommen würde ich all die Dinge sagen, die ich Ihnen eben auch gesagt habe. Vielleicht würde ich es noch auf folgende Kernaussage zuspitzen: Nur mit einer Beteiligung können wir Volksvertreter sicher sein, dass wir Gedanken und Vorschläge aus der Bürgerschaft auch aufgenommen haben, und dort wo sie umsetzbar waren, das auch getan haben. Und ich würde sagen: In der Regel sind viele Gedanken umsetzbar, denn die meisten Bürger bringen vernünftige Vorschläge ein. Es sind eben nicht die „ewigen Nörgler“, sondern gerade, die, die sich verantwortungsbewusst in der Diskussion verhalten.
Man darf allerdings einen Fehler nicht machen: Man muss die Bürgerbeteiligung ernst nehmen und darf sie auf keinen Fall nur als Alibi nutzen, um nachher doch nur das umzusetzen, was man eh schon vorhatte. Wichtig ist der Mut zur Offenheit. Der Bürgerhaushalt darf nicht als Makulatur behandelt werden. Man muss das ganze Verfahren ernst nehmen. Wir müssen gewissenhaft hin schauen und uns fragen: „Was will der Bürger uns sagen?“

Kurzum: für die Zukunft kann ich mir nicht vorstellen, ohne die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger einen Haushalt zu beraten und zu verabschieden.

Sehr geehrter Herr Knöfel,
wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Bürger Bund Bonn: Nicht Resignation – Mut zum Dialog ist nötig

Pressemitteilung des BBB, Freie Wählervereinigung in Bonn vom 8. April 2008

Bürgerhaushalt

BBB: Nicht Resignation – Mut zum Dialog ist nötig

Für den BBB ist der Bonner Bürgerhaushalt ein wichtiges Instrument, Bürgerinnen und Bürger an das Thema „kommunaler Haushalt“ heranzuführen. Mit Bedauern nimmt der BBB zur Kenntnis, dass zumindest über die Option nachgedacht wird, das Projekt einzustellen. Dr. Hans-Ulrich Lang, Sprecher des BBB im Rat: „Die Verwaltung hat es bisher nicht geschafft, den Bürgern Sinn und Zweck der Veranstaltung nahezubringen. Sie hat zwar informiert, aber nicht mobilisiert. Resignation ist der falsche Weg, das Konzept sollte überdacht und mit echten Beteiligungselementen für die Bürger ergänzt werden.“ Tatsächlich hatte man bei den Veranstaltungen häufig den Eindruck, es handele sich um Verkaufsveranstaltungen für eine augenscheinlich erfolgreiche Finanzpolitik der Stadt, bei der kritisches Nachfragen der Bürgerschaft eher unerwünscht war. Wer das einmal erlebt hat, geht beim nächsten Mal nicht mehr hin.

Nach Ansicht des BBB sollte die Stadt auch in den nächsten Jahren über den Haushalt informieren. Statt der bisherigen vier Veranstaltungen könnte man eine zentrale Bürgerversammlung im Stadthaus durchführen und die Infobroschüre weniger aufwändig gestalten, sie aber dafür allen Haushalten zur Verfügung stellen. Johannes Schott, Bezirksverordneter des BBB: „Natürlich sollte man sehen, ob Kosten gesenkt werden können. Es wäre aber falsch, die Veranstaltungen ersatzlos zu streichen. Eine umfassende Bürgerinformation gehört zur gelebten Demokratie und die gibt es nun mal nicht zum Nulltarif.“

Der BBB regt an, künftig den Haushaltsplanentwurf komplett auf die Website der Stadt Bonn einzustellen. Es sollten internetgestützte Beteiligungselemente für die Bürgerinnen und Bürger entwickelt werden, um so einen echten Dialog zu gewährleisten. Dann, davon ist der BBB überzeugt, wird auch das Interesse wachsen.

Pressemitteilung Bürger Bund Bonn, 8. April 2008 [PDF]

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Dokumentation: 5. Netzwerktreffen „Bürger‑ und Beteiligungshaushalt“

Am 4. Dezember 2007 fand das 5. bundesweite Netzwerktreffen Bürgerhaushalt statt, das durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt veranstaltet wurde. Die Dokumentation des Netzwerktreffens „Bürger‑ und Beteiligungshaushalt“ liegt nun vor.

Dokumentation zum Download [PDF | 6,57 MB]

Aus dem Vorwort von Ulrich Nitschke, Leiter der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt:

„[…] die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt hat mit dem Thema Bürgerhaushalt, das vor gut 10 Jahren erstmals in Deutschland diskutiert wurde, einen wichtigen kommunalen Impuls aus Porto Alegre (Brasilien) aufgenommen. Zu Beginn ist dieser Impuls nicht gewürdigt, sondern eher belächelt worden. Den Vorbehalten ist die Neugier gefolgt. Während im ersten Moment nur der unterschiedliche politische Kontext gesehen wurde, blicken die Kommunen nun mehr auf die Chancen des Verfahrens.

Das hier dokumentierte 5. Netzwerktreffen zeigt die Kontinuität, mit der Kommunen an diesem Thema arbeiten. So ist die Vorreiterkommune Rheinstetten von Anfang an im Netzwerk mit dabei. Musterprojekten, wie sie in Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bertelsmann-Stiftung stattgefunden haben, folgten bundesweit etliche Kommunen, beraten und angeregt vom Bürgerhaushalts Netzwerk und der Servicestelle. Die im Prozess steckenden Chancen werden mittlerweile weltweit als solche gesehen. Beispielhaft wurde die Verwaltung in Christchurch (Neuseeland) mit ihrem Bürgerhaushalt als eine der modernsten der Welt ausgezeichnet. In England, Frankreich und Italien und auch in Ländern wie Indien und Südafrika wird mittlerweile auf das erfolgreiche Verfahren zur Gestaltung des Haushaltes gesetzt. Wenn sich die Servicestelle heute mit der Vorlage der Dokumentation mit seinen Partner – vor dem Hintergrund der Mittelverwendung – kritischen Fragen zu „Sinn und Zweck“ des Themas für die Entwicklungszusammenarbeit stellen muss, so wird gerade aus diesem entstehenden weltweiten Netz ein besonderes Nutzen des internationaler Zusammenarbeit der Kommunen sichtbar und möglich.

Jüngstes positives Beispiel für Bürgerhaushaltsprojekte in Deutschland ist der in dieser Dokumentation präsentierte erfolgreiche Start in der Millionenstadt Köln. Ausgehend vom „egovernment und e-participation“ zeigen sich hier die Potentiale, die in der Thematik stecken. Zur optimalen Nutzung dieser Potentiale möchte die Servicestelle in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) beitragen. Mit der Bundeszentrale für politische Bildung hat die Servicestelle einen starken Partner gefunden, welcher Zugang zu den Gruppen hat, die nicht zum klassischen Klientel der Entwicklungspolitik und kommunalen Agenda 21 gehören. Gemeinsam mit der Bundeszentrale haben wir die Internetplattform www.buergerhaushalt.de auf den Weg gebracht. Gemeinsam mit Ihnen möchten wir diese weiter entwickeln und optimieren. Auch dazu findet sich in der Dokumentation ein Beitrag. Gemeinsam mit Ihnen haben wir aber auch den Bedarf erkannt, einzelne Bevölkerungsgruppen stärker einzubeziehen. Hierzu gehören insbesondere Kinder und Jugendliche, die in Hinblick auf eine generationengerechte Haushaltspolitik von besonderer Rolle und Bedeutung sind.

Wir hoffen, Ihnen mit der Dokumentation dieses Erfahrungsaustausches, der Internetplattform und unserem Beratungs‑ und Vermittlungsservice weiterhin Unterstützung bei der zukunftsfähigen Gestaltung Ihrer Kommune geben zu können. Weitere Ergebnisse des 5. Netzwerktreffens in Bonn finden Sie hier [….]“

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Gender Mainstreaming im 1. Kölner Bürgerhaushalt

Das FrauenForum der Lokalen Agenda 21 (KölnAgenda) befasst sich seit vielen Jahren mit geschlechtersensibler Stadtentwicklung. Vertreterinnen der Gruppe haben an der Entwicklung des ‚Leitbildes 2020’ mitgewirkt. 2004 hat das Forum eine Studie zum Thema ‚Bürgerinnen und Bürger im Spiegel kommunaler Haushaltspolitik’ vorgelegt (Download). Eine Vertreterin des FrauenForums und anderer Kölner Frauenorganisationen ist Mitglied im Beirat für den Kölner Bürgerhaushalt. Schon im Vorfeld des Bürgerhaushalts ist in Kölner Frauengruppen dafür geworben worden, dass Frauen ihre Beteiligungschancen erkennen und wahrnehmen. Besonders viele Vorschläge betrafen das Themenfeld ‚Sport’. Um das Interesse der Kölner Bürgerinnen wach zu halten und zu intensivieren, hat das FrauenForum ein vorläufiges Resümee des 1. Bürgerhaushalts gezogen.

Der Bürgerhaushalt – Schnittstelle zwischen der Stadt und ihren BürgerInnen

Der Bürgerhaushalt ist eine wichtige Schnittstelle zwischen der Stadt und ihrer Bevölkerung. Er verfolgt mehrere Ziele, die für wirtschaftliche Prosperität, Wohlfahrt und sozialen Zusammenhalt eines Gemeinwesens gleichermaßen Bedeutung besitzen:

–> Bürgerinnen und Bürger befassen sich mit Stadtplanung und Stadtentwicklung. Sie formulieren Vorschläge und erörtern die Möglichkeiten ihrer Realisierung. Sie erkennen, dass bei begrenzten Mitteln nicht alle Wünsche zum Zuge kommen (können).

–> Für Politik und Verwaltung besitzt das Verfahren den Charakter einer mehrschichtigen Bevölkerungsbefragung. Es verschafft Einblicke in Bedarfslagen und Bedürfnisse ebenso wie in besondere Problemlagen.
–> Partizipation bringt Anliegen zum Vorschein, die in repräsentativen Strukturen oft zu wenig Aufmerksamkeit finden. Die Ausgestaltung des Bürgerhaushalts macht allen BürgerInnen einsichtig, dass ihr Votum ernst genommen wird.

–> Der Bürgerhaushalt als Instrument kommunaler Haushaltspolitik schärft die Zielgenauigkeit des Mitteleinsatzes. Er unterstützt die ‚Kundenorientierung’ kommunaler Dienstleistungen. Gleichzeitig ist er ein Schritt zur Aktivierung von Eigeninitiative und Selbstorganisation, die für die Zielerreichung unerlässlich sind.

Die ‚Bestenlisten’ im 1. Kölner Bürgerhaushalt 2008

Zur Entscheidungsfindung im Rat hat die Verwaltung für die drei Themenbereiche des 1. Kölner Bürgerhaushalts sog. Bestenlisten erstellt. Vorschläge, die einen besonders hohen Zuspruch erhalten haben, wurden dabei durch thematisch gleichgerichtete Einträge ergänzt. In der Rangfolge von 1–100 erhielten diese eine entsprechend nachgeordnete Nummerierung.

Mit den Themen Erhaltung der Schwimmbäder im Bereich Sport, Godorfer Hafen im Bereich Grünflächen haben die BürgerInnen mit großer Mehrheit gegen bereits gefällte Ratsentscheidungen votiert. Weiter gehende Reaktionen der Stadtpolitik bleiben zu erwarten. (Bereits im Dezember 2007 wurde – vor allem im Hinblick auf das Schulschwimmen – der Beschluss zur Schließung der Bäder in Nippes, Rodenkirchen und Weiden revidiert.) Die Vorschläge im Themenfeld Straßen, Wege, Plätze sind vielfältiger als in den beiden anderen Bereichen. Schwerpunkte zeigen sich für den Ausbau der Radwege, Sicherheit und Sauberkeit, Straßenbau und ÖPNV.

Zielgruppen‑ und Gender-Fragen

Vor allem im Bereich Sport manifestiert sich ein hohes Bewusstsein der Teilnehmenden für die besonderen Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen. Immer wieder wird betont, wie wichtig es ist, vor allem die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Aber auch andere Nutzergruppen von Sportstätten treten in Erscheinung: Ältere, MigrantInnen, BezieherInnen niedriger Einkommen, Vereine, InteressentInnen für verschiedene Sportarten. Höchst spärlich sind Hinweise auf unterschiedliche Bedürfnisse und Nutzungsgewohnheiten von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Hinweis eines Sportvereins auf steigende Anforderungen durch die große Nachfrage im Bereich des Mädchenfußballs.

Das Thema Gender Mainstreaming

Es ist erstaunlich, dass die Vorschläge im Themenbereich Sport das wachsende Engagement von Frauen sowohl im Breiten‑ als auch im Leistungssport nicht deutlicher zum Ausdruck bringen. Gerade im Sport wird oft beklagt, dass vorhandene Ressourcen (Nutzungsrechte an Sportstätten und Geräten, Trainingszeiten) von Gruppen beansprucht werden, die der größeren Teilhabe von Frauen mit Skepsis begegnen.

Dachorganisationen wie der Deutsche Sportbund, die Sportbünde der Bundesländer, der Deutsche Alpenverein u.a. sehen im Festhalten an traditionellen Strukturen einen Verlust an Entwicklungschancen nicht nur der Vereine, sondern der Kommunen und ihrer Bevölkerung. Unter Stichworten wie Diversity, Geschlechtergerechtigkeit, Gender Mainstreaming fordern sie dazu auf, vorhandene Potenziale zu erkennen, zu fördern und zu nutzen. Dazu gehört auch, neue Felder sportlicher Betätigung wie z.B. den Gesundheitssport zu erschließen und bedürfnis‑ und zielgruppengerecht auszugestalten.

Im Einklang mit den Empfehlungen überregionaler Verbände haben Mitglieder des FrauenForums der KölnAgenda in den Bereich Sport eine größere Anzahl von Vorschlägen eingebracht, die sich mit Geschlechtergerechtigkeit befassen. Sieben dieser Eingaben wurden in die Liste der 100 Besten übernommen. Sie schlagen die Brücke zu einem Haushalt, der Geschlechtergerechtigkeit als Zielperspektive begreift und durch eine gleichgewichtige Teilhabe von Männern und Frauen die Lebensqualität in der Stadt intensivieren will.

Die Teilnehmenden – Geschlecht, Lebenslage, Interessen

Die Auswertung der Angaben, die Teilnehmende zu ihrer Person gemacht haben, ist noch im Gange. Manche Fragen werden sich nicht präzise beantworten lassen, weil eine Online-Befragung viele Unwägbarkeiten enthält.

Der Rückgriff auf die Bevölkerungsumfrage im Vorfeld des Bürgerhaushalts gibt zusätzliche Aufschlüsse. Die Beteiligung der Frauen (w 53 %, ⅿ 47 %) entsprach mindestens ihrem Anteil an der Stadtbevölkerung. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass Frauen und Männer nicht immer dieselben Erwartungen haben, wenn es um städtische Dienstleistungen geht. Die Frauen plädierten dafür, sich im Bürgerhaushalt über die Themen Kulturelle Angebote, Volkshochschulen/Büchereien und Kindertagesstätten auseinander zu setzen. Dagegen engagierten sich Männer überproportional für die Bereiche Sport sowie Straßen/Wege/Plätze. Das Thema Schulen und die Entwicklung, Nutzung und Pflege der städtischen Grünflächen war Frauen und Männern gleichermaßen wichtig.

Unter dem Motto ‚Deine Stadt – Dein Geld’ hat der 1. Kölner Bürgerhaushalt einen Widerhall hervorgerufen, der alle Erwartungen übertraf. Die Reaktion der KölnerInnen hat gezeigt, dass der 1. Bürgerhaushalt nicht nur haushälterischen Sachverstand mobilisiert hat, sondern als Einladung zur aktiven Beteiligung an der Stadtgestaltung verstanden worden ist.

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