Kommunen

 

Jena: Bürgerhaushalt im Jahr 2007 eingeführt

Im Jahre 2007 konnten sich die Jenaer Bürgerinnen und Bürger erstmals an der Haushaltsplanung (für den Haushalt 2008) beteiligen. Zur Information wurde ein so genannter „Lesbarer Haushalt“ (weitere Beispiele anderer Städte – siehe Rubrik „Material„) die „Haushaltsbroschüre der Stadt Jena 2007“ für die Bürgerinnen und Bürger erstellt.

Die Konsultation der Jenaer Bürgerinnen und Bürger erfolgte einmal mittels eines Fragebogens, der an 3200 zufällig ausgewählte Haushalte versandt wurde. Darüber hinaus wurde der Fragebogen zeitgleich in der Presse veröffentlicht und im Internet online zur Beteiligung freigeschaltet. Folgende Fragen wurden gestellt:

 – Wie fühlen Sie sich durch die Haushaltsbroschüre 2007 der Stadt Jena informiert?
 – Welche Themen sollten in der nächsten Haushaltsbroschüre im Jahr 2008 aufgegriffen werden?
 – In welchen Bereichen kann die Stadt Jena Ihrer Meinung nach sparen?
 – Welche zusätzlichen Leistungen sollte die Stadt Jena für die Bürgerinnen und Bürger erbringen?
 – Haben Sie Fragen zum Haushalt, die wir Ihnen z.B. in Bürgerveranstaltungen beantworten können?
 – Haben Sie bereits an Bürgerinformationsveranstaltungen oder an Stadtratssitzungen teilgenommen?
 – Nutzen Sie das städtische Internetangebot unter www.jena.de?

Nach Abschluss der Befragung wurde eine Auswertung durchgeführt: Insgesamt wurden 372 Fragebögen zurück gesandt, weitere 14 Bögen wurden im Internet ausgefüllt und ein einziger Bürger nutzte den in der Presse gedruckten Fragebogen. Die Auswertung der Befragung wurde von der Fachhochschule Jena vorgenommen und ist als Bericht online verfügbar [PDF].

Zum anderen wurden drei Bürgerversammlungen mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen (“Verschuldung und Schuldenabbau“, „Familienpolitik, Kinder‑ und Jugendarbeit“ und „Stadtentwicklung“) durchgeführt, in denen die Ziele und Maßnahmen des Bürgerhaushalts in Jena, der aktuelle Stand der laufenden Haushaltsplanung (2008) und in einem Fachvortrag der jeweilige Dezernent (zum Themenschwerpunkt) seine Zielstellungen vor dem Hintergrund der Haushaltsplanung erläutert. Am Ende der Bürgerversammlung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, mithilfe eines Stimmzetelles ihre Prioritäten zu benennen.

Die Ergebnisse der Bürgerversammlungen (“Stimmzettelveranstaltungen“) werden ebenfalls im Internetauftritt zum Bürgerhaushalt (http://www.jena.de/buergerhaushalt) dokumentiert. Die Ergebnisse zeigen (auch), dass die Veranstaltungen nur von wenigen Bürgerinnen und Bürgern besucht wurden, was daraus schließen lässt, dass die Stadt Jena womöglich zu wenig Ressourcen für die Mobilisierung der Bürgerinnen und Bürgern (u.a. durch Öffentlichkeitsarbeit) eingesetzt hat.
Positiv ist jedoch, dass alle Ergebnisse im Internet dokumentiert werden und an verschiedenen Stellen zugesagt wird, dass sie in die Beratungsprozesse der Haushaltsplanung einfließen werden.

Auch im Jahr 2008 ist eine Bürgerbeteiligung zum Haushalt 2009 geplant.

Eine weitere – kurzfristig realisierte – Bürgerbeteiligung wird zur Verwendung ungeplanter Mehreinnahmen des Vorjahres 2007 durchgeführt: vgl. Beitrag „Liebe Bürgerinnen und Bürger – Wohin mit dem Überschuss?“ und Artikel der jenanews.de „Bürgerhaushalt 2008: Verwendung der Mehreinnahmen des Vorjahres

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Berliner Kurier: 254000 Bürger werden zu Finanzministern

In der Online-Ausgabe des Berliner Kuriers berichtet R. GORNY über den Bürgerhaushalt in Berlin Lichtenberg, der zum 4. mal durchgeführt wird:
„Lichtenberg – Sie müssen nicht Sarrazin heißen, kein Parteibuch haben und noch nicht einmal ein Wirtschaftsstudium vorweisen können. In Lichtenberg können ab 21. Juni alle 254 000 Einwohner zum Finanzminister werden. Zum vierten Mal stellt der Bezirk dann einen Bürgerhaushalt auf. 35 Millionen Euro stehen diesmal dafür zur Verfügung. Erstmals können die Lichtenberger dabei auch über die Verteilung von Investitionsmitteln entscheiden. […]“

Hier geht es zum Artikel des Berliner Kuriers >>>

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Spandau in Karte aufgenommen

Wir haben den Berliner Bezirk Spandau (ca. 224.000) in unsere Karte aufgenommen und den Status „E“ (= Bürgerhaushalt wird eingeführt) verliehen.

In Spandau wurden die ersten Schritte Richtung Bürgerhaushalt zum Doppelhaushalt 2008⁄2009 unternommen. So hatten laut dem Bericht des Bezirksamtes Spandau „Bürgerhaushalt Spandau – Bericht 2007“ [PDF 2.2 MB] im Jahr 2007 erstmalig

„… die Spandauerinnen und Spandauer die Möglichkeit, sich aktiv an der Finanzplanung des Bezirks zu beteiligen. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung gem. § 41 Bezirksverwaltungsgesetz waren der Entwurf des Haushaltsplans sowie ergänzende Informationen rund um die Finanzen des Bezirks im Internet unter www.spandau.de und an acht öffentlichen Stellen (drei Standorte des Bürgeramtes, Haushaltsamt, Hauptbibliothek Spandau und drei Seniorenfreizeitstätten) einzusehen. Vom 9. Juli bis zum 14. August 2007 konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge zur Verwendung der bezirklichen Gelder einreichen.“

Dieser erste Schritt wurde also sehr nah an dem formal vorgeschriebenen Beteiligungsmodus durchgeführt. Die geringe Zahl von 17 aktiv Teilnehmenden zeigt, dass so nicht viele Bürger/innen zur Teilnahme motiviert werden konnten, wobei wahrscheinlich hinzukommt, dass keine oder zu wenig Werbung für diese Beteiligungsmöglichkeit gemacht wurde. Positiv ist allerdings, dass auf die Bürger-Fragen und –vorschläge in dem Bericht zum „Bürgerhaushalt“ 2007 ausführlich eingegangen wird, sodass bei einer Ausweitung der Beteiligungsmöglichkeiten erwarten werden kann, dass auch die Rechenschaftsphase gut umgesetzt wird.

Für das Jahr 2009 (für den Doppelhaushalt 2010⁄2011) ist eine Ausweitung der Bürgerbeteiligung in Richtung Bürgerhaushalt geplant. Dazu heißt es ebenfalls in dem gleichen Bericht:

„Die Bezirksverordnetenversammlung Spandau hat mit Beschluss vom 31. Januar 2007 das Bezirksamt beauftragt, zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Fraktionen und Gruppen der Bezirksverordnetenversammlung ein Konzept zu erarbeiten, wie die Spandauer Bürgerinnen und Bürger bei der Aufstellung des Haushaltsplans beteiligt werden können. Diesem Auftrag entsprechend hat sich eine ‚Arbeitsgruppe Bürgerhaushalt‘ unter der Leitung von Bezirksstadträtin Kleineidam konstituiert, die sich bereits in mehreren Arbeitssitzungen mit dem Auftrag befasst hat. Dabei wurde unter anderem beschlossen, dass bei der nächsten Aufstellung des Bezirkshaushaltsplans, also für die Jahre 2010⁄2011, die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung ausgeweitet werden sollen. Im Rahmen von Regionalversammlungen sollen Sie dann die Möglichkeit bekommen, den Haushaltsplanentwurf zu diskutieren und Ihre Vorschläge zur Verteilung der Mittel einzubringen. Einzelheiten hierzu erfahren Sie rechtzeitig aus der Presse, im Internet sowie in Broschüren, die u.a. im Rathaus und den Stadtbüchereien ausgelegt werden.“

In Spandau ist also einiges in Bewegung. Im Gegensatz zum Vorreiter-Bezirk Lichtenberg ist der Einsatz des Internets zur Beteiligung nicht vorgesehen. Stattdessen wird auf „Regionalkonferenzen“ gesetzt. Wir sind gespannt, wie es weiter geht in Spandau.

Weitere Informationen über den Bürgerhaushalt in Spandau >>>

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Spandau (PLZ 13578)

Standortdaten

Stadt/Kommune

Name: Spandau

Postleitzahl: 13578

Status: E


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taz: „Bürger jonglieren gern mit Steuergeldern“

Sebastian HEISER berichtet auf taz.de über den Bürgerhaushalt Lichtenberg:
„Die Beteiligung am Lichtenberger Bürgerhaushalt übertrifft die Erwartungen. Deswegen wird das Vorzeigeprojekt erweitert: Die Einwohner sollen nicht nur bei den Ausgaben, sondern auch bei den Investitionen mitreden. Mehrere Bezirke ziehen nach.

Gehts ums Geld, dann reden die Bürger auch gerne – und freiwillig – in der Politik mit. Das zeigt die Bilanz des Bürgerhaushalts im Bezirk Lichtenberg. Dessen Bewohner sollen in Zukunft nicht nur über die laufenden Ausgaben mitbestimmen, sondern auch über die Investitionen. ‚Unser Bürgerhaushalt stößt auf so ein gutes Echo, dass wir ihn jetzt ausweiten werden“, sagte Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich (Linkspartei) am Mittwoch. Im vergangenen Jahr hatten sich rund 8.000 Lichtenberger beteiligt, doppelt so viele wie noch im Jahr 2006. Auf Grundlage der Bürgerideen hat der Bezirk zum Beispiel einen Fahrstuhl in einer Volkshochschule eingebaut, neue Bäume gepflanzt und eine Bücherei um Bücher und DVDs in vietnamesischer Sprache erweitert.‘“

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