Praxis

 

Solinger Bürgerinnen und Bürger helfen ihrer Stadt beim Sparen

Pressemitteilung der Stadt Solingen, 4.3.2010

(pa) Heute um 18 Uhr geht der Solinger Bürgerhaushalt im
Internet online. Unter der Adresse „www.solingen-spart.de“ ist
vom 4. bis zum 25. März eine Internet-Plattform geschaltet, auf
der 78 Sparvorschläge des Solinger
Haushaltssicherungskonzeptes diskutiert und bewertet werden
können.

„Bürgerhaushalte“, auch elektronische gab es zwar schon in
anderen deutschen Städten – Solingen geht trotzdem neue
Wege. Neu ist: Solingens Bürger sind aufgerufen, ihrer Stadt
beim Sparen zu helfen und nicht, Vorschläge für neue Ausgaben
und Leistungen zu machen. Denn die „Klingenstadt“ muss bis
2013 ihr Defizit um 45 Millionen Euro reduzieren. Sonst droht ihr
womöglich die Entsendung eines „Staatskommissars“ durch die
Bezirksregierung.

Solingen beschreitet erstmalig der Weg einer Bürgerbeteiligung
via Internet. Verwaltung und Politik erhoffen sich Hilfestellung
bei der politischen Willensbildung. Während der Onlinephase
vom 4. bis zum 25. März können Teilnehmerinnen und
Teilnehmer Sparvorschläge der Verwaltung bewerten,
kommentieren und deutlich machen, an welcher Stelle zuerst
gespart werden sollte. Sie können so Prioritäten setzen und dem
Rat den Bürgerwillen signalisieren. Auch zusätzliche Anregungen
sind willkommen und gehen in die weitere Beratung. Das letzte
Wort hat der Stadtrat. Er entscheidet am 8. Juli über den
Nachtragshaushalt für 2010; im Zentrum des Nachtrags steht
das Sparpaket..

Zum Onlinegang von solingen-spart.de luden Oberbürgermeister
Feith und Kämmerer Weeke interessierte Bürgerinnen und
Bürger in den Konzertsaal der Stadt ein (heute 18 Uhr). Oliver
Märker von der Berliner Beratungsfirma zebralog führt in das
System ein. Oberbürgermeister, Kämmerer und Berater stellen
sich ersten Fragen der Bürgerschaft. Außerdem stehen im Foyer
einige Laptops, an denen Interessierte das System ausprobieren
konnen.

Auch wer nicht über einen eigenen Internetzugang und nicht
über PC-Kenntnisse verfügt, kann mitmachen. Hilfestellung gibt
es an folgenden Stellen zu den angegebenen Zeiten:

Solingen-Mitte:

Internetcafé der VHS
Eiland 16

Die zwölf PC-Arbeitsplätze des Internetcafes der Bergischen VHS, stehen zu den folgenden Öffnungszeiten zur Verfügung:
Di. bis Fr. von 9 bis 21 Uhr
Sa. von 10 bis 21 Uhr
So. von 13 bis 20 Uhr

Haus der Jugend, Dorper Straße 10 bis 16
Mo. bis Fr. 11 bis 18 Uhr
Do. 11 bis 20:30 Uhr
Fr. 11 bis 22 Uhr

Gräfrath:

Jugendzentrum Fritz Gräbe
Schulstraße 2
Di bis Fr, 14 bis 17:30 Uhr

Aufderhöhe:

Kinder‑ und Jugendtreff Aufderhöhe
Friedenstraße 132a
42699 Solingen
Mittwoch 15 – 18 Uhr
Donnerstag 13 – 16 Uhr
Freitag 15 – 18 Uhr

Wer mit Computer und Internet allein zurechtkommt und über
einen Bibliotheksausweis verfügt, kann auch einen der neun
Internet-PCs der Stadtbibliothek (Mummstraße) nutzen.

Öffnungszeiten:
Mo. 16 – 20 Uhr
Di. – Fr. 10 – 20 Uhr
Sa 10. – 16 Uhr

Informationen zu Bürgerhaushalten:
http://www.buergerhaushalt.org

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Moers: Blog zum Haushalt

Auf dem Blog der Stadt Moers http://blog.moers.de sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt aufgerufen ihre Meinung zu sagen und Vorschläge zum Haushalt zu machen. Bürgermeister Norbert Ballhaus:

„Schließlich sind Sie nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Experten. Deshalb bitte ich um Ihre Mitarbeit! Was halten Sie für richtig? Was ist notwendig? Welche Sparvorschläge haben Sie? Wo dürfen wir auf gar keinen Fall den Rotstift ansetzen?“

Seit 4. Februar 2010 sind insgesamt 71 Einträge auf dem Blog eingegangen, darunter drei Antwort-Einträge von Bürgermeister Ballhaus. Gute Idee, die Bürger auf einfache Art und Weise über ein Blog einzubeziehen. Aber es bleibt abzuwarten, was mit den Einträgen passiert und ob tatsächlich wie angekündigt noch weitere Antworten und Rückmeldungen folgen. Bürgermeister Norbert Ballhaus dazu:

„Aber ich möchte diesen modernen Kanal nutzen, um in Ergänzung zu den vielen Rückmeldungen in persönlichen Gesprächen, Briefen oder E-Mails eine weitere, moderne Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung zu geben und vielleicht auch neue Zielgruppen für einen Meinungsbildungsprozess zu gewinnen.“

Zum Blog „Der Haushalt der Stadt Moers ist Ihr Haushalt!“ >>>

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Gastbeitrag | Qualitätskriterien für die Gestaltung von Bürgerhaushalten

von Helmut Klages

Die grundlegende Bedingung für das Vorhandensein eines „Bürgerhaushalts“

Mit dem Begriff „Bürgerhaushalt“ verbinden sich gegenwärtig höchst verschiedenartige Vorstellungen, die nur schwer auf einen Nenner zu bringen sind. Bevor man sich an eine Klassifizierung macht, um wertfrei verschiedene Begriffsverständnisse und Methodenansätze zu unterscheiden, erscheint eine grundsätzliche Abgrenzung erforderlich: Streng genommen sollte der anspruchsvolle Name „Bürgerhaushalt“ eigentlich nur für solche Beteiligungsansätze verwendet werden, bei denen die Bürger/innen eine reale Chance erhalten, an dem politischen und administrativen Prozess der Haushaltsaufstellung direkt und aktiv mitzuwirken und in den Haushalt ihrer Kommune eigene Vorstellungen (Präferenzen, Prioritäten, Wünsche, Empfehlungen …) einzubringen.

Die Notwendigkeit einer solchen Abgrenzung wird angesichts der Tatsache erkennbar, dass eine direkte und aktive Beteiligung der Bürger/innen an der Haushaltsaufstellung in der Mehrzahl der Fälle, in denen man heute von einem „Bürgerhaushalt“ spricht, nicht – oder noch nicht – erfolgt. In der Mehrzahl der Kommunen, die einen „Bürgerhaushalt“ für sich reklamieren, erfolgt bisher eine Beteiligung der Bürger/innen nur im Sinne eines „Vorschlagswesens“ (oder auch „Beschwerdemanagements“): Den Bürgern wird eine Möglichkeit eingeräumt, in zeitlicher Verbindung mit der Haushaltsaufstellung eigene Vorschläge für wünschbare Verbesserungen einzubringen, wobei in einem Teil der Fälle Verfahren zur Anwendung gelangen, welche es ihnen ermöglichen, die Vorschläge selbst zu bündeln und zu bewerten, ⅾ.h. eine Zusammenfassung deckungsgleicher Vorschläge vorzunehmen und eine Rangfolge zwischen ihnen herzustellen.

Es kann zwar keinen Zweifel daran geben, dass solche Ansätze für die Bürger/innen nutzbringend sind. Die zeitliche Koppelung des Vorschlags‑ oder Beschwerdewesens mit der Haushaltsaufstellung bringt überdies eine Mehrzahl von praktischen Vorteilen mit sich. Es wird sich auch kein ernsthafter Einwand dagegen erheben können, dass sich der Stadt‑ oder Gemeinderat in der Regel eine Letztbewertung der Einsendungen der Bürger vorbehält, die durch Stellungnahmen der Verwaltung abgestützt ist. Das elementare Recht des Rates, letztverantwortlich über den Haushalt zu beschließen, wird ihm schließlich kaum jemand ernsthaft streitig machen wollen, der auf dem Boden der repräsentativen Demokratie steht, wie sie sich in unserem Lande etabliert hat.

Ein entscheidender Einwand muss aber von der Tatsache ausgehen, dass die Bürgerbeteiligung bei solchen Ansätzen als ein Parallelverfahren zur eigentlichen Haushaltsaufstellung stattfindet, die nach wie vor bei den Ämtern und Ausschüssen verbleibt, ohne dass die Bürger dabei ernsthaft „mitreden“ können. De facto wird die Entscheidung über die Verwendung der verfügbaren Haushaltsmittel bei solchen Ansätzen durch die Bürgerbeteiligung nur am Rande tangiert, denn die Bürger halten sich bei ihren Vorschlägen in der Regel an ihren alltäglichen Erfahrungs‑ und Interessenhorizont und damit ans „Kleinteilige“. Dem „Eingemachten“, mit dem sich die Ämter und Ausschüsse beschäftigen, kommen sie dabei meist schon von sich aus nicht allzu nahe, so dass es kaum irgendwelcher absichernder Barrieren bedarf. Es braucht angesichts dessen auch nicht allzu sehr zu verwundern, dass die Bürgervorschläge vielfach finanziell gesehen kaum zu Buch schlagen (bei dem ersten Kölner Bürgerhaushalt addierten sich die mit ihnen verbundenen Zusatzaufwendungen insgesamt zu ca. 0,1 Promille des zur Entscheidung anstehenden Doppelhaushalts der Stadt und konnten aus einer Haushaltsreserve finanziert werden, ohne dass der Haushaltsentwurf selbst in irgend einer Weise tangiert wurde).

Als „Bürgerhaushalte“ im eigentlichen Sinn des Wortes sollten dem gegenüber nur solche Beteiligungsansätze angesehen werden, bei denen die Bürger frühzeitig und nachhaltig in den Prozess der Haushaltsaufstellung selbst einbezogen werden. Es stehen hierfür Verfahren zur Verfügung, die es den Bürgern ermöglichen, bezüglich der Verteilung der disponiblen Mittel der Kommune auf die verschiedenen Verwendungsbereiche Priorisierungen vorzunehmen, ⅾ.h. zum Ausdruck zu bringen, wie wichtig und dringlich diese in ihren Augen sind. Die Ergebnisse können dann dem Rat in aggregierter, oder auch in gruppenspezifisch ausdifferenzierter Form als Ausdruck des Bürgerwillens zur Kenntnis gebracht werden, so dass er die Möglichkeit erhält, die Standpunkte der Bürgerschaft kennen zu lernen und sie – ggf. unter Beteiligung von Bürgervertretern – in seine Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Weitere Qualitätskriterien für die Bewertung von Bürgerhaushalten

Ergänzend hierzu lassen sich vor allem die folgenden Qualitätskriterien von Bürgerhaushalten nennen:

Breite des Ansatzes, Größe der Teilnehmerzahl: Bürgerhauhalte sollten grundsätzlich von möglichst zahlreichen Bürgern aktiv mitgetragen werden.

Zugänglichkeit, Barrierefreiheit, keine Selektivität: Bürgerhaushalte sollten nicht nur eine Sache der leicht mobilisierbaren „Berufsbürger“ oder „üblichen Verdächtigen“ sein. Entgegen einer da und dort auffindbaren Auffassung weichen deren Prioritäten an wichtigen Punkten von den Wünschen und Bewertungen der „schweigenden“ Bevölkerungsmehrheit ab, so dass sich schwerwiegende Verzerrungen ergeben, wenn man ausschließlich ihre Äußerungen be-rücksichtigt. Insbesondere klammert man dann aber auch die schwer erreichbaren bildungs-fernen, sozial benachteiligten und kulturell nicht ausreichend integrierten Gruppen der Bevöl-kerung aus. Grundsätzlich sollte ebenso wie bei anderen Anlässen der Bürgerbeteiligung eine möglichst ausgewogene, im Idealfall „repräsentative“ Beteiligung der Bevölkerung angestrebt werden.

Gleichheit der Mitwirkungschancen der Teilnehmer: Insbesondere für Beteiligungsverfahren, die auf der physischen Präsenz und face‑.to-face-Interaktion von Menschen aufbauen, sollte der Grundsatz der Sicherung gleicher Beteiligungschancen gelten. So z.B. sollte bei Bürger-versammlungen unter allen Umständen vermieden werden, dass sich die häufig beobachtbare Situation der „Meinungsführerschaft“ weniger lautstarker Teilnehmer einstellt, die beanspru-chen, für die Mehrheit zu sprechen, ohne hierfür jedoch eine Legitimitätsgrundlage zu besit-zen.

Ausreichendes Ausmaß der Interessenberücksichtigung, des „Gehörs“: Moderne Bürger sind mehrheitlich „aufgeklärt“ genug, um nicht von der unerfüllbaren Erwartung auszugehen, dass ihre Vorstellungen 1 : 1 von den Entscheidern übernommen werden. Auf der anderen Seite gehört es aber ebenso zu ihrer Aufgeklärtheit hinzu, dass sie ein Unterscheidungsvermögen für „begründete“ und „unbegründete“, etwa auf das Einwirken von Macht‑ oder Profitinteressen zurückgehende Nichtberücksichtigungen ihrer Äußerungen besitzen. Die Entscheider brauchen sich bei der Zustimmung zur Einführung eines „echten“ Bürgerhaushalt zwar kei-neswegs vor einem akuten Machtverlust zu fürchten. Sie werden sich aber vor Augen halten müssen, dass bei der Abwägung von Bürgervoten viel auf dem Spiel steht. Sie können hierbei Legitimität gewinnen, oder auch verlieren.

Ablegung von Rechenschaft: Es gehört zum “deliberativen“ Umgang mit Bürgervoten hinzu, über deren Berücksichtigung oder Nichtberücksichtigung öffentlich „Rechenschaft“ abzulegen. Es sollte dies zu den selbstverständlichen Bestandteilen einer demokratischen Kultur gehören. Insbesondere sollte auf eine sorgsame Rechenschaftslegung auch und gerade in denjenigen Fällen geachtet werden, in denen Bürgervoten nicht entsprochen wird. Das Ziel der Entscheider sollte dabei sein, den Bürgern eine Chance zur Einsicht in die vernünftigen Gründe hierfür zu vermitteln. Beide Seiten sollten in diesem Zusammenhang einen erfolgreichen Prozess des „Demokratielernens“ vollziehen.

Institutionalisierung: Den Bürgern sollte bezüglich der Bereitschaft der Entscheider, ihnen Gehör zu schenken, nicht bloße „Gläubigkeit“ abgefordert werden. Vielmehr sollten sie in der Lage versetzt werden, diesbezüglich ein Vertrauen zu entwickeln, das durch rechtsverbindliche Garantieren untersetzt ist. Konkret gesagt sollte es in den Kommunen in Zukunft Rahmenordnungen für die Bürgerbeteiligung mit Satzungsrang geben, in denen dem Bürgerhaushalt im vollen Sinne des Wortes ein gesicherter Stellenwert zukommt.

Win-Win-Situation: Die Regelungen, die den Bürgerhaushalt betreffen, sollten nicht einseitig nur den Bürgerinteressen dienen. Vielmehr sollten diese Regelungen so gestaltet sein, dass sie gleichzeitig auch den legitimen Interessen der Entscheider entgegenkommen. Bürgerhaushalte sollten somit ebenso wie alle anderen Ansätze der Bürgerbeteiligung eine „Win-Win-Veranstaltung“ für alle Beteiligten sein, um eine allseitige Kooperationsbereitschaft zu sichern.

Zum Autor:
Helmut Klages ist emeritierter Professor für Verwaltungswissenschaften und Soziologie und forscht unter anderem zum Thema Bürgerbeteiligung. Zuletzt war er an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer tätig.

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Bürgerhaushalt auf Twitter

Bürgerhaushalt auf Twitter: http://twitter.com/buergerhaushalt

Über Twitter werden wir alle Meldungen der Rubrik „Neuigkeiten“ posten und ausgewählte „Aktuelle Beiträge“. Teilweise auch kleinere Meldung, die auf der Plattform nicht berücksichtigt werden. Seit unserem Start (29. April 2009) bis heute haben wir 135 Tweets, 60 Followers und sind 20-mal gelistet.

Wir freuen uns auf weitere Followers,
Ihre Moderation
Oliver Märker
Sophia Rieck

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Ingolstadt macht Schritt zum Bürgerhaushalt

Quelle: www.ingolstadt.de Wie donaukurier.de berichtet, wird in Ingolstadt (124.000 EW) eine neue Form der Bürgerbeteiligung in der kommunalen Haushaltsplanung eingeführt. Für die 12 Stadtbezirke wird ein Budget über ca. 1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das – anteilig nach der jeweiligen Einwohnerzahl pro Bezirk – für die Umsetzung von Projekten genutzt werden kann.

Dieser „budget-orientierte Bürgerhaushalt“ setzt an an den in Ingolstadt freiwillig eingeführten und laut der Angaben der Stadt erfolgreichen Modell der Bezirksausschüsse an, in denen schon seit jeher Bürgervorschläge beraten und mit einer hohen Erfolgsquote umgesetzt wurden. So heißt es auf www.ingolstadt.de:

In Ingolstadt findet eine aktive Mitverantwortung der Bürgerinnen und Bürger schon seit Jahrzehnten u. a. in Gestalt der Bezirksausschüsse statt. Die Arbeit dieser beratenden Gremien vor Ort stellt ein wertvolles Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgern dar. Gerade hier kommt die Mitwirkung und die ins Detail gehende Ortskenntnis der Bürger der Entscheidungsfindung der Kommunalverwaltung zugute. Ingolstadt ist die einzige Stadt in Bayern – ausgenommen München, dem aufgrund der Einwohnerzahl die Bezirksausschüsse gesetzlich vorgeschrieben sind –, die Bezirksausschüsse eingerichtet hat. Schon die statistische Auswertung zeigt, in welch hohem Umfange hier Bürgeranliegen und Kenntnisse für Verwaltungsentscheidungen nutzbar sind und auch bereits genutzt werden. So haben in der Zeit von 2002 bis 2009 die Ingolstädter Bezirksausschüsse in ca. 350 Sitzungen mehr als 3.500 Anträge und Beschlüsse gefasst, die auch zu rd. 95 % umgesetzt worden sind.

Positiv ist, dass das vorgesehene Verfahren auf den Seiten der Stadt erläutert wird. Dabei wird deutlich, dass ein wichtiges Kriterium für Bürgerhaushalte umgesetzt wird: es handelt sich um ein wiederholtes und stets in die kommunale Haushaltsplanung eingebettetes Verfahren. Auch wird auf die zentralen Säulen „Informieren“, „Konsultieren“ und „Rechenschaft“ Bezug genommen. So heißt es auf www.ingolstadt.de weiter:

Die eigentliche Planungs‑ und Aufstellungsphase wird in einem mehrstufigen Verfahren vorgenommen. In der nachfolgenden Modellbeschreibung, die sich hier am Haushaltsjahr (Kalenderjahr) orientiert, wird der Zeitplan eines solchen Verfahrens idealtypisch dargestellt.

* Ⅰ. und Ⅱ. Quartal
o Bürgergespräche und Beratung der Projekte in den Bezirksausschüssen
o Abstimmungsgespräche zwischen den Bezirksausschüssen und den Fachämtern (Kostenplanung usw.)
o Erstellen der Vorschlagslisten durch die Bezirksausschüsse mit Stellungnahme der Verwaltung
* Vor der Sommerpause
o Vorlage der Gesamtvorschlagsliste der Bezirksausschüsse (mit Stellungnahmen der Verwaltung) zur Beschlussfassung in den zuständigen Gremien
* Ⅳ. Quartal
o Einstellen der beschlossenen Vorhaben und Projekte in den Haushaltsplanentwurf
o Beschlussfassung über den Haushalt für das nächste Haushaltsjahr
* Folgejahr
o Unterjährige Berichterstattung über die Umsetzung der einzelnen Projekte und Maßnahmen der Bezirksausschüsse (ggf. mit den Quartalsberichten)

In allen Phasen dieses neuen Aufstellungsverfahrens (Information-Konsultation-Rechenschaftslegung) agieren die Bezirksausschüsse in einer Art Gelenkfunktion. Zielsetzung ist es, durch die stärkere Einbindung und Mitwirkung der Bezirksausschüsse bei der Haushaltsaufstellung eine bessere Transparenz, die Steigerung des Kostenbewusstseins und eine aktive Einbindung und Verantwortung der Bürgerschaft zu erreichen und herauszustellen.

Beteiligungsformular, Quelle = www.ingolstadt.deNeben den bürgernahen Beratungsgremien in den Bezirken, wird auch das Internet als Beteiligungsmedium eingesetzt. Darauf spielt auch der Bericht von donaukurier.de „Ein Klick zum Bürgerhaushalt “ an. Schade ist, dass hier nur ein Online-Formular (vgl. Bildschirmfoto) zum Einsatz kommt, das aus Sicht des Bürgers eine intransparente, auf die Verwaltung gerichtete „Einbahnstraße“ darstellt. Denn hier eingegebene Vorschläge werden nicht für andere Bürgerinnen und Bürger sichtbar, geschweige denn, dass sie disktuiert werden könnten. Dadurch wird das Potenzial internet-basierter Bürgerbeteiligung, nämlich Lernprozesse durch einen Bürger-Bürger-Dialog über Straßenzüge, Stadtquartiere und Bezirke hinaus anzuregen, nicht genutzt.

Dennoch stellt der Ansatz in Ingolstadt – zumindest aus der Ferne betrachtet – ein zu begrüßender Ansatz dar, der, wie alle Bürgerhaushalte, als Lernprozess betrachtet und weiterentwickelt werden kann und sollte.

Oliver Märker

Zum Beitrag im donaukurier.de >>>
Zu den Seiten der Stadt Ingolstadt >>>

Wir haben Ingolstadt in unserer Karte den Status „E“ gegeben (= Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden).

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Solingen: Bürger sparen mit

Wie die RP-Online berichtet, wird in Solingen (160.000 EW) Anfang März 2010 der Startschuss für den ersten Bürgerhaushalt fallen. Demnach werden die Solinger Bürgerinnen und Bürger vor allem dazu aufgerufen, Sparvorschläge der Verwaltung zu bewerten:

45 Millionen Euro muss die Stadt Solingen einsparen, damit sie nicht im Jahr 2013 pleite ist und von einem Sparkommissar regiert wird. Und damit die Einwohner mitbestimmen können, wo die finanzielle Daumenschraube fester oder lockerer angesetzt werden soll, wird es demnächst einen Bürgerhaushalt geben. „Auf einer Internetplattform können die Bürger Sparvorschläge bewerten, kommentieren und auch eigene Vorschläge machen“, erklärte Thomas Koch, Koordinator beim Stadtkämmerer, gestern im Seniorenbeirat und zuvor bereits im Behindertenbeirat.

Der Auftrag an die Bürgerinnen und Bürger ist also, sich am Sparen zu beteiligen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, wird das Angebot daher auch kritisch gesehen. So heißt es im Bericht von Susanne GENATH vom 28. Januar auch:

Die Mitglieder des Seniorenbeirates begrüßten den ersten Solinger Bürgerhaushalt, bedauerten aber, dass die Bürger keine freien Gestaltungsmöglichkeiten hätten, sondern nur über Sparmaßnahmen entscheiden dürften. „So können wir nur zwischen Pest und Cholera wählen“, sagte Julia Freiwald (Grüne) und erntete dafür Zustimmung in der Runde. Nichtsdestotrotz regte Vorsitzender Herbert Gerbig (SPD) an, dass sich möglichst viele an der Umfrage beteiligten.

Lesen Sie hier den gesamten Artikel >>>

Wir haben in unserer Karte für Solingen den Status von „B“ auf „E“ geändert (E = Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden).

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Gastbeitrag | Ziele des medienübergreifenden Bürgerbeteiligungsverfahrens in der Stadt Bergheim

von Alfred Fassbender, Kämmerer der Stadt Bergheim

Fassbender

In der Stadt Bergheim wurde erstmals bei der Aufstellung des Doppelhaushaltes 2005⁄2006 eine Bürgerbeteiligung durchgeführt. Im Rahmen dieser Bürgerbeteiligung wurden die Bürger und Bürgerinnen über eine Broschüre, die an alle Haushalte verteilt wurden, informiert. Beteiligen konnten sie sich über einen dieser Broschüre beigefügten Fragebogen. Darüber hinaus fand vor der Beschlussfassung des Haushalts im Rat ein Bürgerforum statt, zu dem nach einem Zufallsprinzip 2800 Bürgerinnen und Bürger eingeladen wurden.

Nachdem in 2007 aufgrund der der Umstellung des kameralen Haushaltes auf das Neue Kommunale Finanzmanagement auf eine Beteiligung der Bürger verzichtet wurde, fand vor der Beschlussfassung über den Doppelhaushalt 2008⁄2009 erneut eine Bürgerbeteiligung statt, bei der die bereits praktizierten Elemente ergänzt wurden durch eine Internetplattform und die drei unterschiedlichen Beteiligungsformen (Fragebogen, Internet und Bürgerforum) aufeinander abgestimmt und somit eine einheitliche Auswertung erreicht wurde.

Die Stadt Bergheim verfolgt mit dem medienübergreifenden Beteiligungsverfahren insbesondere folgende Zielsetzungen und Strategien:

• Die Fachausschüsse und der Rat sollen für die Haushaltsberatungen Meinungsbilder und Bewertungen der Bürgerinnen und Bürger zu dem von der Verwaltung aufgestellten Haushaltsentwurf und den darin enthaltenen Maßnahmen erhalten.

• Die Bürgerinnen und Bürger sollen möglichst eigene Ideen und Vorschläge einbringen.

• Diese Vorschläge sollen wiederum von anderen Bürgerinnen und Bürgern bewertet bzw. von der Verwaltung kommentiert werden, z.B. wenn sie unrealistisch sind.

• Die Anzahl der Beteiligungen bzw. Kontakte durch Bürgerinnen und Bürger sowie Interessengruppen sollen möglichst jedes Jahr gesteigert werden.

• Nach dem Beteiligungsverfahren und der endgültigen Beschlussfassung des Rates über den Haushalts erfolgt soweit möglich in geeigneter Form eine Rückkopplung mit den Bürgerinnen und Bürgern über die Umsetzung bzw. Nichtumsetzung der Vorschläge.

• Das Internet als zukunftsorientiertes Beteiligungsinstrument soll möglichst gestärkt werden.

• In der Vergangenheit gemachte Erfahrungen sollen konzeptionell bei der Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung berücksichtigt werden.

• Lobbyismus soll vermieden werden.

• Für die Politik ist im Beteiligungsverfahren kein Platz.

• Bei dem Beteiligungselement „Bürgerforum“ soll möglichst eine repräsentative Zusammensetzung angestrebt werden, Insbesondere die Teilnahme der erfahrungsgemäß gering vertretenen Gruppen wie Jugendliche, Senioren und Bürgerinnen soll erreicht werden. Ferner sollen möglichst alle der 15 Bergheimer Stadtteile im Bürgerforum vertreten sein.

• Die Bürgerbeteiligung soll möglichst vor dem Hintergrund eines breiten politischen Konsenses durchgeführt werden.

Da die Verwaltung der Stadt Bergheim über keinerlei Erfahrungen mit der Durchführung von medienübergreifenden Bürgerbeteiligungen hat, ist hierfür eine externe konzeptionelle Begleitung und Moderation der einzelnen Prozesse erforderlich und vorgesehen. Welche Entwicklung die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Aufstellung zukünftiger Haushaltspläne haben wird ist abhängig von der konzeptionellen Weiterentwicklung (ggf. nur noch im Internet) bzw. von den zur Verfügung stehenden Ressourcen.

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Forchheim diskutiert und wirft generelle Fragen auf

Laut eines Kurzberichtes „Sollen die Bürger mitbestimmen?“ der Franken.de diskutiert die Stadt Forchheim bzw. die Kommunen im Landkreis Forchheim über die (Nicht)Einführung des Bürgerhaushaltes:

Im Landkreis Forchheim sehen die vielen Bürgermeister das Modell des „Bürgerhaushaltes“ eher kritisch. Ihnen scheint es kein geeignetes Instrument gegen die Politikverdrossenheit zu sein.

Leider gibt der Online-Beitrag nicht viele Informationen darüber her, was genau diskutiert wurde und warum der Bürgerhaushalt kritisch gesehen wird. Sobald uns weitere Informationen zu Forschheim vorliegen, werden wir hier berichten.

Angesprochen wird in dem Beitrag allerdings das Verhältnis des Verfahrens zum repräsentativen Rat, und die Gefahr, dass die Bürgerinnen und Bürger glauben mitbestimmen zu können – und daher entäuscht werden könnten, wenn ihre Vorschläge nicht oder nicht eins zu eins umgesetzt würden.

In der Tat handelt es sich hier um einen wichtigen Punkt, der in jedem Bürgerhaushalt transparent gemacht werden muss, damit es eben nicht zu Entäuschungen aufseiten der Bürger/innen kommt:

 – Bürgerhaushalte sind kein Mitbestimmungsinstrument, sondern ein Beratungsinstrument: die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger beraten die Politik – sie geben Hinweise, Ideen, Vorschläge, … .

 – Die Politik nimmt den Output eines Bürgerhaushaltes (genauer: der Konsultation) als (zusätzliches) Abwägungsmaterial in die politischen Beratungen.

 – Der repräsentativ gewählte Rat entscheidet über den (nicht repräsentativ gewonnenen Input aus der Bürgerschaft), er entscheidet über die Ergebnisse, ob, und wenn ja, wie sie in die kommunale Haushalt einfließen (was wird nicht, was wird, und was wird wie umgesetzt)

 – Die Politik gibt öffentliche Rückmeldung darüber, was mit den Vorschlägen aus der Bürgeschaft geschehen ist (wird).

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend: Damit die in dem Beitrag zu Forchheim angesprochene „Enttäuschungsgefahr“ seitens der Bürgerschaft möglichst gering gehalten wird, muss eine Rechenschaft erfolgen. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sehen können, dass der Rat sich ernsthaft mit ihrem Input auseinander gesetzt hat. Das muss die Politik allerdings auch tun.

Es muss von Anfang klar gestellt und an die Bürgerschaft kommuniziert werden:

 – Bürgerhaushalte sind kein direktdemokratisches Beteiligungsinstrument, sondern ein indirekdemokratisches, das die Chance eröffnet, Bürgervorschläge in den Beratungsprozess der Politik einzuspeisen.

 – Bürgerhaushalte stellen also keinen „Sturm auf das Rathaus“ dar und keine „Unterminierung des Königsrechtes des Rates“.

 – Sie ermöglichen vielmehr und insbesondere den nicht-organisierten Bürgerinnen und Bürgern eine geregelte und transparente Beeinflussung des Beratungsprozesses.

 – Bürgerhaushalte stellen also einen zusätzlichen Weg der Einflussnahme neben vielen anderen (allerdings in der Regel weniger öffentlichen und daher weniger transparenten) Wegen dar, die gut organisierte Bürgerinnen und Bürger über Vereine oder Initiativen aber auch andere Institutionen (IHK, Wirtschaftsverbände, …) seit jeher pflegen.

Die umrissenen Spielräume mögen einigen möglicherweise nicht ausreichen. Dennoch zeigt sich, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Chance wahrnehmen, den Beratungsprozess der Politik durch ihre Vorschläge anzureichern und zu beeinflussen. So haben jüngst im Kölner Bürgerhaushalt, der 2009 zum zweiten Mal durchgeführt wurde, wieder weit über 10.000 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen, um ihre Vorschläge einzubringen.

Sogesehen könnten Bürgerhaushalt also einen (kleinen) Beitrag zur Verringerung der vielzitierten Politikverdrossenheit leisten.

Oliver Märker

Hier geht es zum Beitrag „Sollen die Bürger mitbestimmen?“ >>>

Wir haben Forchheim in unsere Karte aufgenommen und den Status „D“ vergeben.

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Dauerbrenner Stadt Hilden

In Hilden (57.000 EW, NRW) wird der Bürgerhaushalt nunmehr zum 8. durchgeführt. Erneut werden die Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, wobei diesmal wieder eine ganz besondere Form der Informationsvermittlung zum Haushalt gewählt wird. So berichtet CHRISTOPH SCHMIDT der RP-Online (23.12.2009):

2010 steht die Informationsveranstaltung unter dem Titel „Hildopoly“. Am Samstag, 23. Januar, können interessierte Einwohner von 11 bis 13 Uhr in der Sporthalle am Weidenweg erleben, was die Stadt mit ihren Einrichtungen leistet und was das kostet. „Beim letzten „Hildopoly“ vor sieben Jahren waren wir von der Resonanz positiv überrascht“, erläuterte Stadtkämmerer Heinrich Klausgrete gestern bei der Vorstellung des Programms: „Über 550 Bürger ließen sich informieren und füllten 135 Fragebögen mit 65 Anregungen zum damaligen Haushalt aus.“ Ein Beispiel: Die Feuerwehr stellte damals die Uniform eines Brandbekämpfers aus und versah jedes Teil mit einem Preisschild. „Das hat die Besucher sehr beeindruckt“, erinnert sich Bürgermeister Horst Thiele. Die Stadt habe den 29 teilnehmenden Einrichtungen keine Vorgaben gemacht: „Es wird spannend sein zu sehen, wie sich jedes Amt präsentiert.“ Vorstellen werden sich unter anderem das Amt für Finanzdienstleistungen, die Musikschule, das Tiefbauamt, die Bücherei, der Bauhof, Musikschule, Sportbüro, die Sozialpädagogische Einrichtung SPE Mühle, aber auch die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, die Stadtwerke und die Volkshochschule. Sie repräsentieren mit ihren Dienstleistungen rund die Hälfte der gut 160 Millionen Euro, die die Stadt im kommenden Jahr ausgeben will.

Damit greift die Stadt Hilden auf ein bereits 2002 erfolgreich durchgeführtes Beteiligungs-Instrument zurück, durch das auf eine spielerische Art und Weise vermittelt wird, für welche Leistungen die Stadt welche finanziellen Mittel aufwenden muss. Ein Format, das auch für andere Städte als Vorbild dienen kann.

Aus unserer Sicht hat die Stadt Hilden allerdings noch Nachholbedarf was die Konsultation Ihrer Bürgerinnen und Bürger angeht. Um die Bürgerinnen und Bürger als Ideen‑ und Vorschlagsgeber und Prioritätensetzer in die kommunale Haushaltsplanung einzubeziehen, ist sicherlich eine Weiterentwicklung des Bürgerhaushaltes mit Blick auf „Konsultation“ notwendig. Das können Vor-Ort-Formate sein, die stärker darauf ausgerichtet sind, zusammen mit den Teilnehmenden Vorschläge für die kommunale Haushaltsplanung zu entwickeln. Oder – wie in den allermeisten Neueinsteiger-Kommunen – elektronisch unterstützte Beteiligungsformate (E-Partizipation), um den Bürgerhaushalt eine stadtweite Sichtbarkeit zu verleihen und um eine hohe Beteiligung zu erreichen, die über diejenige von Vor-Ort-Veranstaltungen deutlich hinaus geht.

Hier geht es zum Beitrag der RP-Online:
„Hildopoly: Wo bleibt das Geld der Bürger?“ >>>

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Stadt Köln: Bürgerhaushalt erfolgreich beendet

Pressemitteilung der Stadt Köln vom 22.12.2009, 12:38 Uhr

Kölner Bürgerhaushalt erfolgreich beendet

Mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürger haben sich registriert

Bis zum vergangenen Sonntag, 20. Dezember 2009, konnten sich Bürgerinnen und Bürger am zweiten Kölner Bürgerhaushalt beteiligen. Vom 12. bis 20. Dezember war noch eine Kommentierung bereits eingereichter Vorschläge für den Bürgerhaushalt über das Internet möglich. Die Internetplattform wurde am 20. Dezember um 24 Uhr abgeschaltet.

Insgesamt haben sich rund 10.000 Kölnerinnen und Kölner registriert und es wurden 1.254 Vorschläge abgegeben. Davon entfallen 396 auf den Bereich „Bildung und Schule“ und 393 auf den Bereich „Umweltschutz“, 465 Vorschläge wurden unter „Sonstiges“ eingeordnet. Obwohl die Beteiligung am Bürgerhaushalt auch schriftlich sowie telefonisch über das Call-Center möglich war, wurden 98 Prozent aller Vorschläge über das Internet eingereicht, nur jeweils zwölf Vorschläge über das Call-Center und auf schriftlichem Wege.

63 Prozent aller Vorschläge entfallen auf keinen bestimmten Stadtbezirk, sondern betreffen die gesamte Stadt. Für die Stadtbezirke sind die meisten Vorschläge für die Innenstadt abgegeben worden, 8 Prozent, gefolgt von Lindenthal mit 7 Prozent sowie Porz und Nippes mit jeweils 5 Prozent. Die Bürgerinnen und Bürger haben 797 Ausgabevorschläge und 327 Sparvorschläge eingereicht. Weitere 130 Vorschläge konnten noch nicht konkret den Themen Ausgaben oder Sparen zugeordnet werden.

Von den Ausgabevorschlägen entfallen 25 Prozent auf den Umweltschutz, 37 Prozent auf die Themen Bildung und Schule sowie 38 Prozent auf das Thema „Sonstiges“. Von den Sparvorschlägen entfallen 50 Prozent auf „Umweltschutz“, 28 Prozent auf „Bildung/Schule“ und 22 Prozent auf „Sonstiges“.

Die Beteiligung am diesjährigen Bürgerhaushalt ist vergleichbar mit der am ersten Bürgerhaushalt für das Haushaltsjahr 2008; auch seinerzeit gab es über 10.000 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In diesem Jahr aber wurde gegenüber dem ersten Bürgerhaushalt etwa nur ein Viertel der Vorschläge abgegeben. Es ist erkennbar, dass erfolgreich versucht wurde, möglichst viele Menschen für einen bestimmten Vorschlag zu begeistern anstatt viele gleichartige Vorschläge einzureichen. So gab es im ersten Bürgerhaushalt zwar deutlich mehr Vorschläge, knapp 5.000, aber viel weniger Stimmen für jeden einzelnen Vorschlag.

Erstmals war es auch möglich, Voten auf schriftlichem Weg mit einem speziellen Vordruck abzugeben: diese Möglichkeit wurde über 3.700 Mal genutzt. Eindruckvoll hat sich gezeigt, dass es auf diese Weise möglich ist, viele Menschen zu mobilisieren, insbesondere die Schulen haben ihre Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen bewegt.

Kämmerer Dr. Norbert Walter-Borjans:
Es zeigt sich deutlich, dass das Instrument „Bürgerhaushalt“ bei den Kölnerinnen und Kölnern angekommen ist und auch angenommen wird. Der Trend beim zweiten Kölner Bürgerhaushalt geht dahin, dass man sich gemeinsam für einzelne Schwerpunktprojekte stark macht und diese nachhaltig unterstützt.

Bestbewertete Vorschläge für die beiden Themenbereiche

Thema Umweltschutz

1. „Neue Schaugewächshäuser für den Botanischen Garten der Stadt Köln“ (554 Pro‑ und 38 Contrastimmen)
2. „Industriegebiet in Longerich – Nein!“ (257 Pro, 16 Contra)
3. „Nachtbusse und Nachtbahnen, KVB“ (259 Pro, 23 Contra)
4. „Radwege erweitern und sicherer gestalten“ (243 Pro, 11 Contra)
5. „Stadtkonzept für mehr Fahrradverkehr entwickeln“ (233 Pro, 6 Contra)

Thema Schule/Bildung

1. „Köln als soziale Stadt braucht (weiterhin) Jugendzentren“ (937 Pro‑ und 70 Contrastimmen)
2. „Unerträgliche Toilettensituation im Gebäude der Grundschule Schulstraße 51, Köln-Höhenberg“ (918 Pro, 217 Contra)
3. „OGTS-Räume (Offene Ganztagsschule) platzen aus allen Nähten im Gebäude der Grundschule Schulstraße 51, Köln-Höhenberg“ (879 Pro, 188 Contra)
4. „Medienausstattung Hölderlin-Gymnasium, Köln-Mülheim“ (784 Pro, 99 Contra)
5. „Rheinische Musikschule – Musikalische Bildung für die Zukunft sichern“ (542 Pro, 94 Contra)

Die insgesamt 100 bestbewerteten Vorschläge aus jedem der beiden Themenbereiche werden nun an die zuständigen Ämter und Dienststellen der Stadt zur Prüfung weitergeleitet. Das Ergebnis wird die Kämmerei anschließend den politischen Gremien zur Beratung vorlegen. Der Rat entscheidet über eine Umsetzung oder Ablehnung der Vorschläge. Dies wird voraussichtlich bis Mai 2010 abschließend erfolgen. Die Prüfergebnisse der Ämter und Dienststellen und auch die letztlich getroffenen politischen Entscheidungen zu den Vorschlägen wird die Verwaltung zeitnah im Internet veröffentlichen.

Quelle: Stadt Köln – Amt für Presse‑ und Öffentlichkeitsarbeit, Jürgen Müllenberg

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Stellungnahme/Offener Brief der BI in Gütersloh

Offener Brief –
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates der Stadt Gütersloh,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns an Sie in der Form eines offenen Briefs, da wir befürchten, dass unser Anliegen eines Bürgerhaushaltes für Gütersloh nach der Einbringung des Haushalts 2010 nicht in der zugesagten Form durchgeführt wird. Da die Frist für die komplette Beratung als Bürgerhaushalt zum Zeitpunkt der Ratsentscheidung zu kurz war, wurde in einem Gespräch im Juni dieses Jahres mit der Bürgermeisterin, der Kämmerin Frau Lang, sowie Herrn Dr. Kremer vereinbart, einen Teil des Haushalts für 2010 exemplarisch zusammen mit den BürgerInnen zu beraten und die gesammelten Erfahrungen für zukünftige Regelungen zu nutzen. Nun haben in den Gremien des Rates die Beratungen begonnen, ohne dass Anstrengungen erkennbar sind, Bürger-Innen nach den Prinzipien eines Bürgerhaushalts „Information, Konsultation und Rechenschaft“ zu beteiligen.
In der Finanzausschusssitzung am 30.11.09 wurde der TOP „Entwicklung eines Verfahrens/Konzeptes für einen Bürgerhaushalt“ behandelt, doch leider wurde unsere BürgerInneninitiative nicht zu dieser Sitzung eingeladen. Wenn jedoch bereits ein Verfahren/Konzept entwickelt worden ist, warum wurde es dann ohne Beteiligung derjenigen entwickelt, die für einen Bürgerhaushalt den Anstoß gaben?
Ziele von Bürgerhaushalten sollten doch Transparenz und Dialog zwischen BürgerInnen, dem Rat und der Verwaltung sein, sowie Beteiligung der BürgerInnen an den Beratungen (siehe auch unser Flyer ‚Warum einen Bürgerhaushalt?’).
Der eingebrachte Haushaltsplan sieht vor, dass in fast allen Bereichen eine mehr oder weniger pauschale Kürzung der Ausgaben um 20 % erfolgen soll, in einigen Be-reichen auch weit darüber hinaus. Damit soll anscheinend erreicht werden, dass kei-ne Institution oder Einrichtung gegenüber anderen über die Maßen benachteiligt wird. Ein solch pauschales Vorgehen widerspricht jedoch dem Wesen eines Bürger-haushaltes, denn nur Detailberatungen machen es den BürgerInnen möglich, sich zu beteiligen und sich konstruktiv einzubringen. Pauschale Kürzungen sind in unseren Augen ein falsches Signal, das die erfolgreiche Einführung des Bürgerhaushalts ge-fährdet. Wir fordern daher eine inhaltliche Diskussion der einzelnen Maßnahmen.
Wir sehen gerade in der jetzigen Situation, die empfindliche Einsparungen von uns allen erfordert, die Notwendigkeit der BürgerInnenbeteiligung, da nur so die erforder-liche Akzeptanz für Einschnitte erreicht werden kann. Wir schlagen deshalb vor, den Teil des Haushalts bereits in diesem Jahr exemplarisch öffentlich zu beraten, der besonders im Fokus der Gütersloher Bürger steht. Das ist nach unserer Meinung der Kulturhaushalt.
In der Finanzausschusssitzung mussten wir jedoch erfahren, dass ausgerechnet ein besonders wichtiger Teil des Kulturhaushalts, nämlich der Etat der Kulturräume, in nichtöffentlicher Sitzung entgegen der Gepflogenheit vergangener Jahre beraten wurde. Die Begründung, dass die Kulturräume in Konkurrenz zu anderen Einrichtun-gen stünden und deshalb der Etat nicht öffentlich werden dürfe, ist uns nicht einsich-tig, da auch andere Einrichtungen sich in Konkurrenzsituationen befinden und ihre Etats trotzdem öffentlich beraten werden. Auch durch dieses Vorgehen sehen wir einen erfolgreichen Bürgerhaushalt gefährdet.
Der Heimatverein, der Kunstverein und die Weberei haben in ihrem Brandbrief zu den geplanten Sparmaßnahmen bereits die Forderung nach einem gleichberechtig-ten Nebeneinander kommunaler und freier Kulturanbieter erhoben. Diese Forderung nach Gleichberechtigung unterstützen wir voll und ganz und fordern sie auch für die Finanzberatung ein, um den Verdacht der Ungleichbehandlung zu vermeiden. Gleichbehandlung muss auch bedeuten, dass Institutionen, die bereits von den Sparmaßnahmen vom Februar dieses Jahres betroffen sind, nun nicht über die Maßen erneut einsparen müssen und damit existenziell gefährdet werden.
Wir würden gern öffentlich über die Maßnahmen reden, für die Gütersloh direkt und allein verantwortlich ist, z.B. der Gewerbesteuerhebesatz, freiwillige Leistungen, usw.. Auch würden wir gern darüber diskutieren, warum Mittel der Jugendhilfe teil-weise komplett gestrichen werden, was unseres Erachtens den sozialen Frieden in unserer Stadt gefährden könnte.
Wir erinnern also an das gemachte Versprechen, mit einem Teilbürgerhaushalt schon für das Jahr 2010 zu beginnen. Wir schlagen daher vor, öffentliche Informati-onsveranstaltungen zum Haushalt 2010 mit interessierten BürgerInnen und Vertreter-Innen aus Politik und Verwaltung durchzuführen – wie gesagt – exemplarisch für den Kulturhaushalt. Diese sollten spätestens ab Januar 2010 in Gütersloh beginnen.
Mit freundlichen Grüßen
BürgerInneninitiative „Demokratie wagen“
Bogenstr. 1–8 33330 Gütersloh
@: http://www.demokratie-wagen.org/
email: buergerinitiative [ät] lists.ctrl‑ⅽ.de
ⅰ.A.: Jürgen Droop Kronenstr. 34 33330 Gütersloh

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neue Literatur: Bürgerbeteiligung und Macht und Bürgerhaushalte in Europa

Zwei neue Titel im Bereich Bürgerbeteiligung und neue Medien sind kürzlich erschienen:

„Von der Bürger zur Solidarkommune – Lokale Demokratie
in Zeiten der Globalisierung“
von Carsten Herzberg:

Ausgehend von den Bürgerhaushalten in Deutschland und einigen internationalen Beispielen diskutiert Carsten Herzberg die Frage der Macht bei Verfahren der Bürgerbeteiligung. Welchen Einfluss haben Bürger auf die lokale Demokratie, wie kann Partizipation zu einer Entlastung von Kommunen in Zeiten der Globalisierung beitragen?

Und „Der Bürgerhaushalt in Europa – eine realistische Utopie?“ von Yves Sintomer, Carsten Herzberg und Anja Röcke:

Es gibt eine Wahlverwandtschaft von Partizipation und Verwaltungsmodernisierung – dies ist die zentrale These des Buches, die anhand einer systematisch-vergleichenden Studie zum Bürgerhaushalt in Europa vorgestellt wird. Bürgerhaushalte gehören zu den innovativsten
Verfahren der Bürgerpartizipation heute und haben sich während der letzten Jahre in mehreren europäischen Ländern entwickelt. In diesem Buch werden die Verfahrensweise und Ergebnisse der Bürgerhaushalte in Europa vorgestellt sowie eine Typologie der partizipativen Demokratie allgemein. Darüber hinaus gibt das Buch Einblick in die Parallelen und Differenzen lokalpolitischer Systeme und der (lokalen) Demokratie in Europa heute.

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Gastbeitrag | Der Bürgerhaushalt der Gymnasien in Poitou Charentes (Frankreich)– zwischen Verwaltungsmodernisierung und partizipativer Demokratie

von Anja Röcke und Yves Sintomer

Anja Roecke Yves Sintomer

Der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ (budget participatif des lycées) in der Region Poitou-Charentes ist das interessanteste Beispiel partizipativer Haushaltspolitik in Frankreich sowie das erste Verfahren auf regionaler Ebene in Europa. Der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ basiert auf dem starken politischen Willen der Regionalpräsidentin Ségolène Royal und verleiht den Teilnehmern direkte Entscheidungskompetenzen (über 10 Millionen Euro jährlich, das heißt 10 % des Budgets für Gymnasien) sowie einen indirekten Einfluss auf Entscheidungen der regionalen Schulpolitik allgemein.

Wie funktioniert das Verfahren, das die Organisatoren unter das Motto der „partizipativen Demokratie“ gestellt haben? Was waren bisher die wichtigsten Ergebnisse?

Ein Zyklus der Beteiligung

Der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ wurde im Jahr 2004 von der neu gewählten Regionalpräsidentin S. Royal (Sozialistische Partei) initiiert und ist seitdem jährlich durchgeführt und weiter entwickelt worden. Das Verfahren basiert auf zwei Versammlungen, die in jedem der 93 Gymnasien organisiert werden und allen betroffenen Akteuren offen stehen: Schülern, Lehrern, Personal (Küchen‑ und Reinigungskräfte, Hausmeister…), Verwaltungsangestellten, Eltern und dem Schuldirektor. Die Sitzungen, auf denen stets auch ein Vertreter der Regionalverwaltung und des Regionalrates sind, werden von externen Diskussionsleitern animiert. Zu Beginn des ersten Treffens (November-Dezember) wird zunächst das Verfahren vorgestellt. In einem zweiten Schritt werden Arbeitsgruppen gebildet, um Projekte zur Verbesserung des Schulalltags zu diskutieren. Schließlich stellen Vertreter jeder Gruppe die jeweiligen Ergebnisse im allgemeinen Plenum vor.

In den darauf folgenden Wochen begutachtet die regionale Verwaltung die einzelnen Vorschläge (maximale Summe pro Vorschlag: 150.000 Euro), bewertet, ob sie unter den Zuständigkeitsbereich der Region fallen und berechnet, wenn dies der Fall ist, die Kosten. Eventuell findet zur Spezifizierung eines Projekts noch ein weiteres Treffen zwischen den Antragstellern und einem regionalen Verwaltungsmitarbeiter statt. Auf der zweiten Versammlung (Januar-Februar) werden die derart begutachteten Projekte von dem Repräsentanten der Region vorgestellt. Es folgt eine Diskussion über die Notwendigkeit und den Nutzen der verschiedenen Anträge, wonach die Abstimmung stattfindet. Der Regionalrat hat sich verpflichtet, im Gesamtrahmen der 10 Millionen Euro die vorrangigen Projekte jedes Gymnasiums zu realisieren. Die Ergebnisse der Abstimmung, sowie alle weiteren Dokumente können auf der Internetseite des Bürgerhaushaltes eingesehen werden.

Ergebnisse: Demokratisierung und Verwaltungsmodernisierung

Im Schuljahr 2007⁄2008 haben 16.400 Menschen an beiden Runden teilgenommen, das heißt 7–8 % der eingeladenen Bürger (Gesamtzahl 120.000) sowie 40 % aus der Gruppe der Schüler. Dies ist ein sehr beachtliches Ergebnis im Vergleich zu vielen anderen Beteiligungsverfahren, bei denen die Beteiligungsrate oft um 1 % liegt. Im Hinblick auf die Vielzahl der Versammlungen (insgesamt 186), der eingesetzten logistischen wie personellen Mittel sowie der in manchen Schulen vorherrschenden Beteiligungsverpflichtung der Schüler erscheinen die Ergebnisse hingegen etwas weniger weit reichend. In den einzelnen Schulen hängen das Niveau der Beteiligung sowie die Qualität der Debatten maßgeblich davon ab, ob der Bürgerhaushalt von den Lehrern und dem Schuldirektor unterstützt wird.

Bezüglich des konkreten Einflusses der Teilnehmer verfügen diese einerseits über eine beachtliche Autonomie, da sie die Rangfolge der Projekte in einer Wahl festlegen, die von der Region akzeptiert wird (de facto Entscheidungskompetenz); andererseits wird der Prozess fast ausschließlich „von oben“ organisiert, also von der Regionalregierung und den in ihrem Auftrag arbeitenden Moderatoren. Nichts desto trotz berücksichtigen die Organisatoren in wachsendem Maße die Perspektiven der Teilnehmer auf das Verfahren sowie auf die regionalen Prioritäten in der Schulpolitik allgemein. Aus diesem Grund verleiht der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ den Teilnehmern auch einen indirekten Einfluss auf weiter reichende politische Fragen als konkrete Projekte in einzelnen Schulen (mehr als 700 Projekte in den Jahren 2004–2007).
Eine zweite Beteiligungsebene, die eine Diskussion zwischen einzelnen Schulen ermöglicht hätte, wurde bisher nicht realisiert, ist aber für den Zeitraum nach den Regionalwahlen 2010 geplant (im Falle eines erneuten Wahlsiegs der Sozialistischen Partei).

Aus diesem Grund lassen sich aus dem Verfahren keine direkten sozialen Umverteilungseffekte ableiten, sondern diese entstehen über die Prioritätensetzung auf regionaler Ebene. Die wichtige Rolle der der Schüler, die in den bestehenden repräsentativen Gremien in den Schulen eine sehr geringe Rolle spielen, hat zu neuen Informationen über den Zustand in den einzelnen Schulen geführt. Die regionalen Verantwortlichen konnten konkrete Antworten auf die neu entdeckten Probleme entwickeln, z.B. eine bessere Ausstattung in Internaten, mehr kulturelle Aktivitäten für Schüler oder mehr lokale Produkte in Schulkantinen. Durch die größere Transparenz von Entscheidungen, der besseren Kommunikation zwischen Schulen (nicht nur dem Direktor) und Verwaltung sowie der größeren Kontrolle von Entscheidungen hat der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ zu einem umfassenden Reformprozess in der regionalen Verwaltung geführt. Auch wenn es tatsächlich in Richtung einer „partizipativen Demokratie“ im Sinne einer Verbindung von direkter Partizipation und repräsentativen Institutionen geht, ist dieses Verfahren daher an erster Stelle ein gelungenes Beispiel von einer Modernisierung der Verwaltung durch Partizipation und daher auch von besonderem Interesse für die Diskussion zum Bürgerhaushalt in Deutschland.

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Solingen will Bürger beim Sparen einbeziehen

Laut eines Berichtes der Online-Ausgabe des Solinger-Tageblatt wird es in Solingen demnächst die Möglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger geben, Ihrer Stadt beim Sparen zu helfen. Solingen steht unter Zugzwang: es müssen viele Millionen gespart werden: statt 15 Millionen 45 Millionen jährlich. Stadtkämmerer Ralf Weeke will daher die Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Dazu wird Weeke vom Tageblatt gefragt:

Ist der von Ihnen und Oberbürgermeister Feith vorgeschlagene „Bürgerhaushalt“ nicht eine Kapitulationserklärung? Nach dem Motto: „Soll doch der Bürger selbst entscheiden, wie seine Stadt demontiert werden soll – wir halten uns da raus?“

Dazu wird Weeke im Artikel zitiert:

Weeke: Ganz im Gegenteil. Klar ist, dass die einzelnen Maßnahmen weh tun werden und politischen Streit auslösen. Da kann es ja Rat und Verwaltung sehr helfen, zu wissen, wie Menschen in der Stadt glauben, was ihnen lebenswichtig ist und was vielleicht nicht. Diese Bürgermeinung fließt dann in die Diskussion ein, aber entscheiden muss am Ende die Politik.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: Interview mit Stadtkämmerer Weeke „Höhere Steuern letztes Mittel“, 30,10.2009, Solinger-Tageblatt >>>
Siehe auch Artikel „Stadt will Bürgernähe“ von Susanne GENATH, 18.11.200, RP-Online >>>

Wir haben bei der Stadt Solingen in unserer Karte den Status von „D“ auf „B“ umgestellt (B = Beschluss: Die Einführung eines Bürgerhaltes wurde durch den Rat (im besten Fall: einstimmig) beschlossen. Ein Ratsbeschluss liegt vor.

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Bürgerhaushalt Köln gestartet

Über dreihundert Besucherinnen und Besucher kamen zur Auftaktveranstaltung am 17. November in den Kölner Gürzenich.

Als Oberbürgermeister Jürgen Roters die Veranstaltung kurz nach 18 Uhr im großen Saal des Gürzenichs eröffnete, waren bereits über einhundert Vorschläge zu den Themen Bildung/Schule und Umweltschutz auf der Internetplattform eingegangen, die pünktlich um 0 Uhr freigeschaltet worden war. Oberbürgermeister Roters ging in seiner Begrüßungsrede noch einmal auf den viel beachteten Erfolg des ersten Bürgerhaushalts 2008 ein und wünschte der zweiten Auflage ein ebenso gutes Gelingen. Er werde diesen Weg der aktiven Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Haushaltsplanung der Stadt, der in der Amtszeit seines Vorgängers begonnen wurde, weiter unterstützen und fortführen.

Zu den Themenbereichen Bildung/Schule und Umwelt hatten die beteiligten städtischen Fachbereiche Informationsstände aufgebaut. Das Amt für Umweltschutz präsentierte zum Beispiel ein Aquarium mit Flusskrebsen, um auf die Gefahren der heimischen Population hinzuweisen. Das Schulverwaltungsamt informierte unter anderem über die regionale Bildungslandschaft.

Durch den Abend führte die Journalistin Anke Bruns, die im Anschluss an die Eröffnungsansprache von Oberbürgermeister Roters Stadtkämmer Dr. Norbert Walter-Borjans interviewte. Der Haushaltsentwurf für 2010 war einen Tag zuvor in den Rat eingebracht worden. Laut dem Stadtkämmerer weist der Haushalt des Jahres 2009 nach der Planung einen Fehlbetrag von rund 102,5 Millionen Euro aus. Unter Berücksichtigung aller bisher bekannten Verbesserungen und Verschlechterungen zeichne sich nach aktueller Hochrechnung für 2009 ein fortgeschriebener Fehlbetrag von rund 125,0 Millionen Euro ab. Ein konsequenter Sparkurs ist daher unabdingbar. Es gilt, Prioritäten für die Verwendung der städtischen Haushaltsmittel zu setzen. Umso wichtiger ist es, die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Vorschlägen in die Haushaltsplanung einzubeziehen.

Wie Dr. Josef Wehner (Fraunhofer Institut IAIS) und Dr. Oliver Märker (Zebralog) in ihren Präsentationen erläuterten, weist das diesjährige Beteiligungsverfahren neben Bewährtem einige Neuerungen auf:

Im Mittelpunkt steht wie gehabt die Internetplattform. Ebenso möglich ist wieder die Beteiligung per Telefon über das Call-Center unter der Rufnummer 0221⁄221–33330 sowie über schriftliche Antwortbögen. Die Online-Phase läuft diesmal über 5 Wochen vom 17. November bis zum 20. Dezember 2009. In den ersten dreieinhalb Wochen bis zum 11. Dezember können Sie Vorschläge machen, kommentieren und bewerten. Die Bewertung und Kommentierung ist noch weiter möglich bis zum 20. Dezember 2009. Danach bleiben alle Vorschläge weiterhin im Internet einsehbar. Schriftliche Vorschläge und Bewertungen müssen jedoch bis spätestens zum 8. Dezember 2009, 24 Uhr, vorliegen, um in das Verfahren aufgenommen werden zu können.

Den Schusspunkt der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Politikern der im Rat vertretenen Fraktionen und Mitgliedern des Lenkungsausschusses Bürgerhaushalt.

Zur Beteiligungsplattform http://buergerhaushalt.stadt-koeln.de
Mehr Informationen zum Bürgerhaushalt auf stadt-koeln.de/buergerhaushalt >>>

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