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Weimar will Bürgerhaushalt einführen

Eine weitere Stadt in Thüringen möchte einen Bürgerhaushalt einführen: Weimar (65.000 EW). Laut eines Berichtes der TLZ.de will der Oberbürgermeister dem Willen des Rates folgen und einen Bürgerhaushalt bereits im September einführen:

Weimars Stadtspitze hat gestern überraschend angekündigt, einen Bürgerhaushalt einzuführen. OB Stefan Wolf reagiert damit auf den Stadtrat, der dies mehrfach gefordert habe. „Wir wollen die Bürger erstmals unmittelbar an einem Haushalt beteiligen“, sagte Wolf gestern.

Laut TLZ gliedert sich der geplante Bürgerhaushalt in zwei Phasen Information und Konsultation, was auch den Informationen entspricht, die auf den städtischen Seiten weimar.de zu finden Sind:

Das Bürgerbeteiligungsverfahren besteht aus zwei Stufen. Zunächst haben Sie die Möglichkeit, bis zum 8. Oktober Investitions‑ und Sparvorschläge einzureichen. Das Abstimmungsverfahren über die eingereichten Vorschläge findet vom 23.10.2010 bis zum 12.11.2010 statt. Nutzen Sie die Gelegenheit und stimmen Sie ab. Die Abstimmungskarte wird Ihnen mit dem Rathauskurier am 23.10.2010 zugestellt.

Bei der Sammlung der Vorschläge scheint die Stadt zunächst auf klassische Wege und Medien zu setzen, so schreibt TLZ:

Mit dem Versand des Rathauskuriers beginnt die Diskussionsphase: Welche Investitionen wollen Weimars Bürger tätigen? Wofür sollen die öffentlichen Mittel ausgegeben werden? Wie soll die Stadt auf drohende Steuerausfälle und die Reduzierung von Finanzzuweisungen vom Land reagieren?
Auf Bürgerversammlungen soll dann diskutiert werden, damit das Thema Bürgerhaushalt Stadtgespräch wird.
Aus allen Vorschlägen, die bis zum 18. Oktober bei der Stadtverwaltung eingehen, werden die 15 meist genannten und praktikabelsten Maßnahmen ausgewählt und in einer Abstimmungsbroschüre aufbereitet. Die Weimarer sollen dann selbst entscheiden können, welche Maßnahmen besonders wichtig sind und welche weniger notwendig sind.

Ob auf diesem Weg ein „Stadtgespräch“ erzeugt werden kann bleibt abzuwarten, da die Entwicklung von Vorschlägen – abgesehen von Bürgerversammlungen, die in der Regel schlecht besucht werden – wohl hauptsächlich auf einem „auf die Stadtverwaltung gerichteten Papierweg“ stattfinden soll, also weitgehend untransparent und ohne Austauschprozesse zwischen den Bürgerinnen und Bürger. Ebenfalls ist fraglich, ob eine abschließende, direktdemokratisch anmutende Abstimmung über die dann durch die Verwaltung aufbereiteten Vorschläge passend ist und nicht erfüllbare Erwartungen aufseiten der Bürgerinnen und Bürger erzeugen könnte, und aufseiten der Politik Probleme, diese Ergebnisse dann als Beratungsinput in die Entscheidungsfindung zu integrieren. Offen scheint auch zu sein, ob und in welcher Form Verwaltung und Politik die abschließnenden Ergebnisse und Entscheidungen der Beratungen an die Bevölkerung zurückmelden wollen. Neben der Phase Information und Konsultation fehlt also noch eine, wenn nicht die entscheidende:die Rechenschaftsphase.

Positiv ist aber, dieser Hinweis, der in der Pressemitteilung der Stadt Weimar zu finden ist:

Sollten genügend Bürger eine direkte Beteiligung an dem Verfahren und seiner verschiedenen Facetten wünschen, ist auch die Einrichtung einer öffentlichen Arbeitsgruppe zur Begleitung und Erarbeitung des nächsten Bürgerhaushaltes in 2011 denkbar.

Bleibt nur zu hoffen, dass aufgrund der gewählten Methodik die zu erwartende geringe Beteiligung nicht als Desinteresse aufseiten der Bevölkerung gewertet wird.

Bedenklich scheint in diesem Zusammenhang, dass man glaubt, das Verfahren mithilfe der zusätzlichen Unterstützung eines Praktikanten durchführen zu können:

Zur Unterstützung des Verfahrens ist bis Ende des Jahres im OB-Büro hierfür ein Student als Praktikant eingestellt.

Ein Anfang ist es aber – und das ist wichtig. Wir werden daher bweiter beobachten und berichten. Zunächst haben wir Weimar in unsere Karte aufgenommen und den Status „B“ für Beschluss (zur Einführung des Bürgerhaushaltes) vergeben.

Zum Artikel der TLZ >>>
Zur Pressemitteilung der Stadt Weimar >>>

Oliver Märker
Redaktion

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Kommentare:
  1. Gerald Schmidt kommentiert:

    Bürgerhaushalt Weimar,seit 08.09.2010 verstorben?

    Na toll, in Jena überlegt man eben,z.B.CDU-mäßig, den doch als nervig bürgerlich+öffentlichen Kostenfaktor zu beerdigen!
    Und in Weimar geht´s gar nicht erst los?
    Wie wärs mit einem Ansprechkontakt für den Jenaer Part? Wir schreiben anno 24.11.2010

    P.S. Das Stadtarchiv in Köln könnte mit Bürgersstimme bestimmt noch stehen, weil die erzwungene U-Bahnlinie brauchte und wollte kein Bürger……

  2. Sabine Meyer kommentiert:

    Sehr geehrter Herr Märker,

    zum Bürgerhaushalt in Weimar schrieben Sie:
    „Bedenklich scheint in diesem Zusammenhang, dass man glaubt, das Verfahren mithilfe der zusätzlichen Unterstützung eines Praktikanten durchführen zu können:(…)“

    Bitte erläutern Sie mir diese Gedanken hierzu.

    Wenn ich mir durchlesen muss, dass in Bonn der Kostenfaktor für dieses Verfahren in seiner Höhe schon gesprenkt wurde – dies also nicht der richtige Weg als eine Beteiligungsmethode zu sein scheint,so darf man doch durch die externe Hilfe eines Praktikanten nicht nur als eine kostengünstigere Alternative zu o.g verstehen sondern auch zu einer Möglichkeit, zum einen ein Feedback eines nicht-verwaltungsangestellten jungen Menschen zu erhalten sondern auch, dem „Nachwuchs“ Einblicke in die Prozessarbeit zu gewähren – wie sehen Sie das?
    Oder ist das für Sie zu „bedenklich“?

    Grüße, S. Meyer

  3. Redaktion kommentiert:

    Hallo Herr/Frau S. Meyer,

    @Praktikant: Ich wollte damit sagen, dass die Einrichtung einer Praktikantenstelle zum Ausdruck bringen könnte, dass das Verfahren eine nur geringe Relevanz aufseiten der Initiatoren in Verwaltung und Politik haben könnte: Weil ein Verfahren innerhalb der Verwaltung sehr viele fachverwaltungsübergreifende Aufgaben erfordert, die ganz sicher nicht durch eine Praktikantenstelle geleistet werden können. Andererseits ist ein Urteil „aus der Ferne“ schwierig, da ja nicht klar ist, wieviele Akteure in der Verwaltung bereits in der Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Bürgerhaushaltes involviert sind.

    Auch ich habe eine Frage an Sie – was meinen Sie mit „… Wenn ich mir durchlesen muss, dass in Bonn der Kostenfaktor für dieses Verfahren in seiner Höhe schon gesprenkt wurde – dies also nicht der richtige Weg als eine Beteiligungsmethode zu sein scheint …“?

    Neugierige Grüße,
    Oliver Märker
    (Redaktion)

  4. S. Meyer kommentiert:

    Vielen Dank für Ihre Antwort,

    es freut mich, dass mein Interesse anorten nicht ungehört verhallen muss.

    Ihren, von mir kommentierten Beitrag fand ich auf der Startseite von bürgerhaushalt.org – er klang bzgl. des Kostenfaktors (berechtigterweise) sehr kritisch.

    Verwaltungsübergreifend ist aber nur die eine Seite, wie man sich mit der „Anwendung“ eines BHH beschäftigen kann. Ich/wir arbeiten in sehr guter Koorperation mit dem Stadtrat/Verwaltung und betrachten diesen Prozess zusätzlich aus ganz verschiedenen Perspektiven, wovon die Verwaltung (aber auch aus der Sicht der Bürger) noch profitieren könnten – doch das sind momentan nur Tendenzen oder auch Spekulationen, es bleibt also abzuwarten wie sich das Verfahren in dieser Stadt zukünftig entwickeln wird… auf jeden Fall sollte man die Einführung des BHH auch als eine Chance betrachten, mit der sich zukünftig noch ganz ungeahnte Möglichkeiten ergeben können…
    Bitte vergessen Sie das nicht.

    Es grüßt zurück:
    Sabine Meyer

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