Bürgerbeteiligung

 

3. Statusbericht: Bürgerhaushalte in Deutschland (März 2010)

von Oliver Märker und Sophia Rieck

Der 3. Statusbericht seit dem Bestehen der Seite Buergerhaushalt.de bietet einen kurzen Überblick über alle auf der Seite dokumentierten Bürgerhaushalt-Kommunen und ihre Status. Alle Kommunen sind nach ihren Status in einer Tabelle gelistet.

140 Kommunen sind inzwischen in die Karte der Bürgerhaushalte in Deutschland aufgenommen. 67 davon sind bereits aktive Kommunen, das heißt sie haben einen Bürgerhaushalt beschlossen (Status „B“), eingeführt („E“), fortgeführt („F“) oder informieren ihre Bürger über den Haushalt („I“) – zum Vergleich im Juli 2009 waren es 58 aktive Kommunen.

Innerhalb der aktiven oder diskutierenden Kommunen gab es außerdem einige Statusänderungen im vergangenen halben Jahr. Für Münster änderte sich der Status von „I“ zu „D“. Bei den Kommunen Ingolstadt, Hürth, Strausberg und Jüterbog änderte sich der Status von „D“ zu „E“. In Solingen und Trier änderte sich der Status zunächst von „D“ zu „B“ und dann weiter zu „E“. Oldenburg veränderte seinen Status von „B“ zu „E“. Für Bad Wildungen änderte sich der Status von „E“ zu „F“.

Seit dem letzten Statusbericht im Juli 2009 ist besonders die Zahl der Kommunen, in denen ein Bürgerhaushalt diskutiert wird – Kommunen mit Status „D“ – angestiegen, von 52 auf 69. Diese Entwicklung zeigt, dass das Thema Bürgerhaushalt besonders in Zeiten knapper Kassen in immer mehr Kommunen zum Thema wird.

Der 3. Statusbericht als PDF zum Download >>>

[mehr]

 

„Eine Bürgerbeteiligung kann zu konkreten Sparvorschlägen und damit zu entscheidenden Haushaltsmaßnahmen führen.“

So wird Hans-Peter Lindlar, der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Köln, in einem Interview des Lokalanzeiger Waldbröl zitiert. Transparente Haushaltsgestaltung und Bürgerbeteiligung sieht Lindlar als sinnvolle Mittel neue Ideen zu sammeln und die Akzeptanz der politischen Entscheidungen bei den Bürgern zu erhöhen.

„Die Kommunen müssen aktiv auf die Bürger zugehen und ihre Haushalte transparent gestalten. Nur dann wird es gelingen, dass die Bürger Verantwortung für den Haushalt ihrer Kommune empfinden und mit Anregungen und Vorschlägen zur Konsolidierung beitragen.

Immer wieder wird vom Bürger verlangt, Einschnitte zu akzeptieren. Sinnvoll wäre es zunächst einmal, dass die Informationsbrüche zwischen Rat, Verwaltung und Bürgern aufgehoben werden.“

Weiterhin heißt es in dem Interview:

„Die Räte müssen sich wieder stärker der Tatsache bewusst werden, dass es die Bürger sind, die mit ihren Steuern und Abgaben das Budget einer Kommune schaffen. […] In vielen Fällen hat sich schon gezeigt, dass Bürgerbeteiligung gelebte Haushaltskonsolidierung ist.“

Zum Interview mit Hans Peter Lindlar >>>

[mehr]

 

neue Literatur: Bürgerbeteiligung und Macht und Bürgerhaushalte in Europa

Zwei neue Titel im Bereich Bürgerbeteiligung und neue Medien sind kürzlich erschienen:

„Von der Bürger zur Solidarkommune – Lokale Demokratie
in Zeiten der Globalisierung“
von Carsten Herzberg:

Ausgehend von den Bürgerhaushalten in Deutschland und einigen internationalen Beispielen diskutiert Carsten Herzberg die Frage der Macht bei Verfahren der Bürgerbeteiligung. Welchen Einfluss haben Bürger auf die lokale Demokratie, wie kann Partizipation zu einer Entlastung von Kommunen in Zeiten der Globalisierung beitragen?

Und „Der Bürgerhaushalt in Europa – eine realistische Utopie?“ von Yves Sintomer, Carsten Herzberg und Anja Röcke:

Es gibt eine Wahlverwandtschaft von Partizipation und Verwaltungsmodernisierung – dies ist die zentrale These des Buches, die anhand einer systematisch-vergleichenden Studie zum Bürgerhaushalt in Europa vorgestellt wird. Bürgerhaushalte gehören zu den innovativsten
Verfahren der Bürgerpartizipation heute und haben sich während der letzten Jahre in mehreren europäischen Ländern entwickelt. In diesem Buch werden die Verfahrensweise und Ergebnisse der Bürgerhaushalte in Europa vorgestellt sowie eine Typologie der partizipativen Demokratie allgemein. Darüber hinaus gibt das Buch Einblick in die Parallelen und Differenzen lokalpolitischer Systeme und der (lokalen) Demokratie in Europa heute.

[mehr]

 

Mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger

Im Raum Osthessen wird seit der niedrigen Wahlbeteiligungen zur OB Wahl im März 2009 überlegt, wie die Bürger dazu gebracht werden können, sich mehr in das gesellschaftliche und politische Geschehen einzubringen.

Der liberale Fraktionsvize und Diplom Informatiker Helge Mühr des Fuldaer Stadtparlamentes brachte einen Antrag im Parlament ein, indem er mehr digitale Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger fordert.

Die Idee ist, eine Web-Anwendung zu schaffen, die den Bürgern die Möglichkeit bietet, ganzjährig Ideen und Vorschläge quasi als Antrag oder Petition einzustellen und bewerten zu lassen. Die eingestellten Ideen sollen nach einer Zeichnungs‑ und Bewertungsfrist geprüft und die Top-Anträge auch in den Gremien und im Parlament behandelt werden.

Der FDP-Mann will so für mehr Transparenz und sachliche, fachliche Aufklärung sorgen.
Zusätzlich sollen auch Arbeits‑ und Projektgruppen virtuell zusammenarbeiten können und gemeinsam Konzepte für ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge entwickeln und multimedial präsentieren können.

Nach Mühr`s Aussagen soll die Plattform soetwas wie eine collaborative-social-arena werden, eine Bürger-Arena in der über die Ideen der Menschen, auch mit Politik und Verwaltung diskutiert und optimiert wird. Im Community-Bereich der Arena sollen sich die User näher kennenlernen und Projektbezogene Netzwerke bilden.

Wenn der Antrag diskutiert wurde, werde ich über das Ergebnis Bericht erstatten.

[mehr]

 

2. Statusbericht: Bürgerhaushalte in Deutschland (Juli 2009)

von Oliver Märker und Sophia Rieck

Vor genau zwei Jahren ging die Seite http://www.Buergerhaushalt.de der Bundeszentrale für Politische Bildung und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt online. Auf der Plattform wird seither dokumentiert, was sich deutschlandweit tut im Bereich Bürgerbeteiligung am kommunalen Haushalt. In die Karte „Bürgerhaushalte in Deutschland“ werden alle Kommunen aufgenommen, die sich mit dem Thema Bürgerhaushalt aktiv beschäftigen – und ihre Aktivitäten zum Beispiel über die Presse oder das Internet bekannt werden. Am 1. Juli 2009 sind das 115 Kommunen. Zum Zeitpunkt des letzten Statusberichts Anfang Dezember 2008 waren 67 Kommunen in der Karte verzeichnet.

In den letzten sieben Monaten sind 48 neue Kommunen aufgenommen worden. Das zeigt, dass das Thema Bürgerhaushalt nach wie vor aktuell ist und bekannter wird. Besonders viele Kommunen mit dem Status „D“ (= Bürgerhaushalt in Diskussion) sind neu aufgenommen worden. In diesem Kommunen ist die Einführung eines Bürgerhaushalts Diskussionsthema, aber noch nicht beschlossene Sache. Oftmals wird das Thema Bürgerhaushalt im Wahlkampf aktuell. Wie zum Beispiel jüngst in Münster. Dort und in den anderen „D-Kommunen“ wird es spannend sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen.

Auch die Zugriffe auf das Informationsportal Buergerhaushalt.de sind angestiegen. Waren es im Juni 2008 durchschnittlich 343 Besuche pro Tag, so wurde die Plattform im Juni 2009 bereits 631-mal pro Tag besucht. 34.968 Seitenaufrufe von 3426 Nutzern gab es im Juni 2008. Im Juni 2009 wurden 63.766 Seiten von 6521 unterschiedlichen Nutzern besucht. Die Grafik der Besuche pro Tag Juni 2007 bis Juni 2009 zeigt diesen Aufwärtstrend, nämlich dass die Besuche pro Tag kontinuierlich zunehmen, die Plattform seit ihrer Einführung immer bekannter und häufiger aufgerufen wird (Zum Vergrößern auf die Grafik klicken).

besuche-pro-tag3.jpg

Aktuelle Zahlen

115 Kommunen sind inzwischen in der Karte der Bürgerhaushalts-Kommunen mit ihrem aktuellen Status verzeichnet:

Diskutiert wird die Einführung eines Bürgerhaushalts in 52 Kommunen, darunter zum Beispiel in Münster und in Waren an der Müritz. Diese Kommunen haben in der Karte den Status „D“ erhalten. „D“ = Diskussion: Die Einführung eines Bürgerhaushaltes wird in der Kommune diskutiert. Der Bürgerhaushalt wird z.B. von einer Partei oder einer nicht-staatlichen Organisation eingefordert. Die Einführung ist oft umstritten. Ein Ratsbeschluss zur Einführung liegt nicht vor.

Im Dezember 2008 waren es nur 13 Kommunen die den Status „D“ hatten. Diese Gruppe der „diskutierenden Kommunen“ hat sich also vervierfacht und damit mit Abstand am stärksten vergrößert. Es wird interessant sein, diese Kommunen weiter zu beobachten, da die Diskussion meist der erste Schritt auf dem Weg der Einführung eines Bürgerhaushalts ist. Oder aber die Diskussion kommt im Wahlkampf auf und wird danach möglicherweise nicht weitergeführt.

Den Status „A“ haben zurzeit fünf Kommunen inne. Die meisten von ihnen hatten bereits einen Bürgerhaushalt oder waren dabei ihn einzuführen, das Verfahren wurde nicht mehr weitergeführt oder ruht auf unbestimmte Zeit. Dazu gehört zum Beispiel die Stadt Esslingen (Neckar) oder auch die NRW-Modellstadt Hamm. „A“ = Abstellgleis: Der Bürgerhaushalt oder Vorformen, wie z.B. Bürgerinformationsveranstaltungen, werden nicht mehr durchgeführt. Die Einführung oder Fortführung des Bürgerhaushaltes wurde abgebrochen oder war nicht vorgesehen.

58 Kommunen sind derzeit aktiv, ⅾ.h. sie haben einen Bürgerhaushalt beschlossen (Status „B“), eingeführt (Status „E“), fortgeführt (Status „F“) oder arbeiten mit einem sogenannten Lesbaren Haushalt (Status „I“). Das sind zehn aktive Kommunen mehr als im Dezember 2008.

Die Einführung eines Bürgerhaushaltes beschlossen wurde in fünf Kommunen. Darunter zum Beispiel kürzlich in Gütersloh und in Trier. In beiden Städten änderte sich der Status in den letzten Monaten von „D“ zu „B“. In Trier mittlerweile sogar zu „E“ (siehe unten). Den Status „B“ haben in der Karte momentan also vier Städte inne. „B“ = Beschluss: Die Einführung eines Bürgerhaushaltes wurde durch den Rat (im besten Fall: einstimmig) beschlossen. Ein Ratsbeschluss liegt vor.

30 Städte und Gemeinden in Deutschland haben einen Bürgerhaushalt eingeführt. Im Dezember 2008 waren es 23 Kommunen, dazu gehören neben Hamburg und Köln Städte wie Bergheim, Freiburg, Trier oder Wiesbaden und kleinere Gemeinden wie Friedewald in Osthessen oder Großbreitenbach im Ilm-Kreis in Thüringen. In Wiesbaden und Trier änderte sich der Status in diesem Jahr bereits zweimal – von „Diskussion“ über „Beschluss“ zu „Einführung“. Diese 30 Gemeinden sind auf der Karte mit dem Status „E“ verzeichnet. „E“ = Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. Mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden.

Acht Kommunen haben derzeit den höchsten Status „F“ inne. Zum Beispiel sind in Hilden, im Berliner Stadtbezirk Lichtenberg oder in Potsdam die Bürgerhaushalte inzwischen ein etabliertes Instrument bei der Haushaltsplanung und werden dort regelmäßig durchgeführt. „F“ = Fortführung: Der Bürgerhaushalt wird zum dritten Mal oder häufiger durchgeführt. Es zeichnet sich (erst jetzt) ab, dass die Beteiligung der Bürger ein fester und dauerhafter Bestandteil des Haushaltsplanungsverfahrens werden könnte/wird.

16 Kommunen haben einen Lesbaren Haushalt eingeführt und den Status „I“ erhalten. Unter anderem in Halle (Saale) oder Neuss wird bereits über den Haushalt informiert, die Bürger werden aber (noch?) nicht konsultiert. „I“ = Information: die Bürgerbeteiligung befindet sich (oder verharrt) auf der 1. Stufe: Die Bürgerinnen und Bürger werden über den Haushalt und die Haushaltsplanungen informiert, z.B. mittels Broschüren oder Informationsveranstaltungen. Eine Konsultation ist (noch oder dauerhaft) nicht oder nur in Ansätzen vorgesehen. Diese Städte informieren ihre Bürger bereits über den Haushalt, was oftmals der erste Schritt auf dem Weg zu einem Bürgerhaushalt ist.

In der Tabelle sind alle Status und ihre Anzahl im Überblick zu sehen:

Statustabelle

Folgende Kommunen sind auf der Karte (Stand 01.07.2009) zu den jeweiligen Status eingetragen:

B: Chemnitz, Gütersloh, Kirchanschöring, Oldenburg

E: Bad Wildungen, Bad Hersfeld, Bannewitz, Bergheim, Bergisch Gladbach, Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin Neukölln, Berlin Spandau, Berlin Tempelhof-Schöneberg, Berlin Treptow-Köpenick, Bornheim, Cottbus, Diepholz, Erfurt, Freiburg, Golm, Großbreitenbach, Hamburg, Heilbad Heiligenstadt, Jena, Köln, Leipzig, Much, Plettenberg, Steinfurt, Suhl, Trier, Wolgast, Wiesbaden

F: Rheinstetten, Potsdam, Hilden, Groß-Umstadt, Emsdetten, Bonn, Berlin Marzahn-Hellersdorf, Berlin Lichtenberg

Ⅰ: Borkheide, Bremen Walle, Duisburg, Eichenau, Eisenach, Halle Saale, Landau, Landkreis Gießen, Moers, Neuss, Pulheim, Rostock, Salzgitter, Velten, Wenden, Wölfersheim

Ⅾ: Bad Wörishofen, Belzig, Blankenheim, Bochum, Brandenburg an der Havel, Bremen, Bünde, Coesfeld, Dülmen, Ettenheim, Frankfurt am Main, Friedewald, Ganderkesee, Hürth, Ingolstadt, Isny, Jüterbog, Kehl, Kiel, Köthen, Kyritz, Landkreis Cuxhaven, Landkreis Nordhausen, Landkreis Bad Kreuznach, Langenhagen, Lemwerder, Lengerich, Leverkusen, Ludwigshafen, Mainz, Mönchengladbach, Münster, Neustadt an der Weinstraße, Norderstedt, Nordhausen, Oestrich-Winkel, Offenheim, Pforzheim, Quedlinburg, Schorndorf, Schotten, Solingen, Straussberg, Trossingen, Viernheim, Waren Müritz, Werl, Westerstede, Westhausen, Witten, Wuppertal, Zülpich

A: Castrop-Rauxel, Esslingen, Hamm, Monheim, Vlotho.

Das nachfolgende Diagramm visualisiert die Status der 115 Bürgerhaushalt-Kommunen und zeigt dabei deutlich die größte Gruppe, die Kommunen mit dem Status „D“ (Diskussion). Diese Gruppe ist im letzten halben Jahr stark gewachsen und zeigt sehr eindrücklich, dass Bürgerhaushalte in immer mehr Städten und Gemeinden ein Thema in der politischen Diskussion sind.

Status 2009

Die Grafik „Neu aufgenommene Kommunen auf Buergerhaushalt.de Juni 2008 bis Juni 2009“ stellt dar, wie viele Kommunen in den einzelnen Monaten des letzten Jahres neu in die Karte aufgenommen wurden. Zwar mit Schwankungen, aber auch in dieser Grafik kann man verfolgen, dass die Anzahl tendenziell stetig weiter zunimmt.

neu aufgenommene Kommunen Juni 08 bis Juni 09

Der 2. Statusbericht als PDF zum Download >>>

[mehr]

 

Bonn: Diskussionsveranstaltung zum Thema „Bürger steuern Steuern“

Am 21.01.2009 fand in Bonn die Diskussionsveranstaltung „Bürger steuern Steuern“, organisiert von den Grünen, statt. Auf der Homepage von Mehr Demokratie e.V. ist ein Kurzbericht über die Veranstaltung zu lesen, bei der es um Themen wie Bürgerbeteiligung, Bürgeranträge, Bürgerbegehren, Bürgerentscheide und Bürgerhaushalt ging. Wie funktionieren diese Beteiligungsinstrumente und was sollte verbessert werden? Waren die Fragen, denen sich die Referenten stellten.

Thorsten Sterk, Sprecher des Arbeitskreises Bürgerbegehren bei Mehr Demokratie e.V., berichtete beispielsweise über Probleme bei Bürgerbegehren. Oliver Märker (Zebralog) stellte den Bürgerhaushalt Köln vor.

Zur Bürgerbeteiligung in Bonn ist zu lesen:
Unter den rund 30 Veranstaltungsteilnehmern war man sich einig, dass die Bürgerbeteiligung in Bonn leider noch zu wenig gepflegt wird. So gibt es Frust darüber, wie mit den Ergebnissen einer Bürgerwerkstatt zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes umgegangen wird. Die Bürgerwerkstatt war Ergebnis eines Bürgerbegehrens gegen die Umbaupläne der Stadt.

Informationen zur Veranstaltung auf den Seiten von Mehr Demokratie e.V. >>>

[mehr]

 

Ministerpräsident Platzeck lobt Bürgerhaushalt

Niederlausitz Aktuell berichtet am 23.01.2009, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck habe sich in seiner Rede zum Neujahrsempfang der Stadt Potsdam sehr positiv zum Engagement der Bürgerinnen und Bürger in der Stadt geäußert. Besonders den Bürgerhaushalt sieht er als innovatives und zukunftsweisendes Projekt.

Die Potsdamer hätten schon oft gezeigt, dass sie gern Verantwortung übernehmen, sagte Platzeck. Er erinnerte an das ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement in der Stadt und an innovative Beteiligungsmöglichkeiten wie den Bürgerhaushalt und das neue Potsdamer Toleranzedikt.

Große Veränderungen innerhalb der Stadt werden laut Platzeck von den Bürgern mitgetragen, wenn sie bereits im Vorfeld informiert und miteinbezogen werden. Niederlausitz Aktuell zitiert Platzeck wie folgt:

Und mit der Weichenstellung, das neue Landtagsgebäude im historischen Gewande zu errichten, bekommt Potsdam seine schöne alte Mitte zurück.“ Die Neugestaltung der Stadtmitte am Alten Markt und die Verkehrserschließung der Stadt seien in den kommenden Jahren prägende Aufgaben, betonte Platzeck. „Diese großen Vorhaben gelingen umso besser, je mehr die Bürger bei der Umsetzung mitgenommen werden. Das ist auch ganz im Sinne des diesjährigen Mottos der Landeshauptstadt ‚Potsdam 2009 – Stadt der Bürgerinnen und Bürger’.“

Zum vollständigen Artikel von Niederlausitz Aktuell >>>

[mehr]

 

Statusbericht: Bürgerhaushalte in Deutschland (Dezember 2008)

von Oliver Märker und Sophia Rieck

Seit Juni 2007 beobachtet und dokumentiert die Plattform http://www.Buergerhaushalt.de der Bundeszentrale für Politische Bildung und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt die Entwicklung von Partizipationsverfahren am kommunalen Haushalt deutschlandweit. In diesem Zeitraum ist die Zahl der Städte und Gemeinden, die ihre Bürgerinnen und Bürger an der Haushaltsplanung beteiligen, stetig gewachsen. Allein im Zeitraum August bis November 2008 wurden 22 neue Gemeinden auf die Plattform der Bürgerhaushalte in Deutschland aufgenommen. Auch der Kreis derer, die sich zum Thema Bürgerhaushalt über Buergerhaushalt.de informieren wird beständig größer. So verzeichnete das Informationsportal Buergerhaushalt.de im Monat November 2007 3959 Besuche und 12142 Seitenaufrufe von 1708 verschiedenen Nutzern. Im Monat November 2008 waren es bereits 4647 Nutzer, die die Plattform 11887 mal besuchten und im Schnitt vier Seiten aufriefen (insgesamt: 44596 mal).

Aktuelle Zahlen

67 Kommunen sind inzwischen in der Karte (http://www.buergerhaushalt.de/karte) der Bürgerhaushalts-Kommunen verzeichnet, die sich ganz konkret mit dem Bürgerhaushalt beschäftigen:

In 13 Kommunen, darunter z.B. Mainz und Bremen, wird die Einführung eines Bürgerhaushalts derzeit diskutiert. Diese Kommunen haben in der Karte den Status „D“ erhalten. „D“ = Diskussion: Die Einführung eines Bürgerhaushaltes wird in der Kommune diskutiert. Der Bürgerhaushalt wird z.B. von einer Partei oder einer nicht-staatlichen Organisation eingefordert. Die Einführung ist oft umstritten. Ein Ratsbeschluss zur Einführung liegt nicht vor.

Sechs Kommunen haben den Status „A“ erhalten. Die meisten von ihnen hatten bereits einen Bürgerhaushalt oder waren dabei ihn einzuführen, das Verfahren wurde nicht mehr weitergeführt oder ruht auf unbestimmte Zeit. Dazu gehört zum Beispiel die Stadt Esslingen (Neckar) oder auch die NRW-Modellstadt Hamm. „A“ = Abstellgleis: Der Bürgerhaushalt oder Vorformen, wie z.B. Bürgerinformationsveranstaltungen, werden nicht mehr durchgeführt. Die Einführung oder Fortführung des Bürgerhaushaltes wurde abgebrochen oder war nicht vorgesehen.

48 Kommunen arbeiten momentan aktiv mit einem Bürgerhaushalt. Sie sind in der Karte mit den Status „B“, „I“, „E“ oder „F“ verzeichnet:

In den vier Kommunen Chemnitz, Kirchanschöring, Wiesbaden und Oldenburg wurde die Einführung eines Bürgerhaushalts beschlossen. In der Karte wurde der Status „B“ vergeben. „B“ = Beschluss: Die Einführung eines Bürgerhaushaltes wurde durch den Rat (im besten Fall: einstimmig) beschlossen. Ein Ratsbeschluss liegt vor.

Bei zehn weiteren Kommunen, darunter Moers, Eisenach und Rostock wurde der Status „I“ vergeben, hier wird bereits über den Haushalt informiert, ein sogenannter Lesbarer Haushalt liegt vor. „I“ = Information: die Bürgerbeteiligung befindet sich (oder verharrt) auf der 1. Stufe: Die Bürgerinnen und Bürger werden über den Haushalt und die Haushaltsplanungen informiert, z.B. mittels Broschüren oder Informationsveranstaltungen. Eine Konsultation ist (noch oder dauerhaft) nicht oder nur in Ansätzen vorgesehen. Diese Städte informieren ihre Bürger bereits über den Haushalt, was oftmals der erste Schritt auf dem Weg zu einem Bürgerhaushalt ist.

23 Städte und Gemeinden in Deutschland haben einen Bürgerhaushalt eingeführt. Unter anderem Köln, Freiburg, Jena und kleinere Gemeinden wie Friedewald in Osthessen oder Großbreitenbach im Ilm-Kreis in Thüringen befragen ihre Bürger zum Haushalt. Sie sind auf der Karte mit dem Status „E“ verzeichnet. „E“ = Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. Mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden.

Zehn Kommunen haben den Status „F“ erhalten. Zum Beispiel in Hilden und im Berliner Stadtbezirk Lichtenberg ist der Bürgerhaushalt inzwischen ein etabliertes Instrument bei der Haushaltsplanung und wird jährlich durchgeführt. „F“ = Fortführung: Der Bürgerhaushalt wird zum dritten Mal oder häufiger durchgeführt. Es zeichnet sich (erst jetzt) ab, dass die Beteiligung der Bürger ein fester und dauerhafter Bestandteil des Haushaltsplanungsverfahrens werden könnte/wird.

Die Grafik zu den neu aufgenommen Bürgerhaushalten im Zeitraum November 2007 bis November 2008 zeigt, das besonders in der zweiten Jahreshälfte 2008 einige neue Kommunen auf die Plattform aufgenommen wurden (zum Vergrößern auf die Grafik klicken):

neu-aufg-kommunen_2.jpg

Die folgende Tabelle zeigt die aktuelle Verteilung zu jedem Status im Überblick:

tabelle-status-2.jpg

Folgende Kommunen sind auf der Karte zu den jeweiligen Status eingetragen:

Ⅾ: Bochum, Bremen, Ganderkesee, Isny, Jüterbog, Kiel, Landkreis Nordhausen, Ludwigshafen, Mainz, Schorndorf, Solingen, Wuppertal, Zülpich

B: Chemnitz, Kirchanschöring, Wiesbaden, Oldenburg

Ⅰ: Borkheide, Duisburg, Eisenach, Heiligenstadt, Moers, Neuss, Rostock, Salzgitter, Wenden, Wölfersheim

E: Bad Wildungen, Bad Hersfeld, Bannewitz, Bergheim, Bergisch Gladbach, Berlin Friedrichshain-Kreuzberg, Berlin Neukölln, Berlin Spandau, Berlin Tempelhof-Schöneberg, Berlin Treptow-Köpenick, Diepholz, Erfurt, Freiburg, Friedewald, Großbreitenbach, Halle (Saale), Hamburg, Jena, Köln, Leipzig, Much, Plettenberg, Westhausen, Wolgast

F: Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin Lichtenberg, Berlin Marzahn-Hellersdorf, Bonn, Emsdetten, Groß-Umstadt, Hilden, Landau, Potsdam, Rheinstetten

A: Castrop-Rauxel, Esslingen, Hamm, Monheim, Neustadt, Vlotho

Die Grafik zeigt die Anzahl der eingetragenen Kommunen pro Status:

bhh-status-0312_2.jpg

Die beiden letzten Grafiken zeigen die Anzahl der Status von allen Bürgerhaushalt-Kommunen, die im jeweiligen Jahr erstmals auf die Plattform Buergerhaushalt.de aufgenommen wurden. Bei einigen Kommunen hat sich der Status in der Zwischenzeit geändert. In diesen Grafiken ist der Status zum jetzigen Zeitpunkt verzeichnet und nicht der Status zum Zeitpunkt der Aufnahme auf die Plattform.

aufg-bhh-2007.jpg

aufg-bhh-2008.jpg

Der Statusbericht als PDF zum Download >>>

[mehr]

 

Fachtagung „Forum für Bürger/innenbeteiligung und kommunale Demokratie“

Logo Stiftung Mitarbeit Logo Ev. Akademie LoccumWie kann es gelingen, die lokale Demokratie für die Menschen konkret erlebbar zu machen?
Welche Barrieren verhindern eine breite Beteiligung der Bürgerschaft?
Mit diesen zentralen Fragen beschäftigt sich die Fachtagung „Forum für Bürger/innenbeteiligung und kommunale Demokratie“ der Stiftung Mitarbeit und der Evangelischen Akademie Loccum (am 26. bis 28. September 2008 in Loccum).

In der Ankündigung der Fachtagung heißt es:

Für Kommunen, die eine bürgernahe Politik machen wollen, ist eine aktive Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger an den politischen Entscheidungsprozessen unverzichtbar.

Dies gilt umso mehr in Zeiten leerer öffentlicher Kassen, in denen der politische Handlungsspielraum der Kommunen schrumpft und die Unzufriedenheit der Bürgerschaft wächst. Untersuchungen zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich stärker in kommunale Belange einzubringen.

Diese Bereitschaft findet in der kommunalpolitischen Praxis allerdings nur wenig Widerhall: Es gibt nur vereinzelte »Beteiligungsinseln«, wo die Bürgerschaft systematisch an politischen Willensbildungs‑ und Entscheidungsprozessen beteiligt wird.

Mehr Informationen zur Tagung „Forum für Bürger/innenbeteiligung und kommunale Demokratie“ >>>

[mehr]