Bürgerbeteiligung

 

Nürnberg: Zu hohe Erwartungen?

Auch in Nürnberg wird momentan die Einführung eines Bürgerhaushaltes diskutiert, die CSU-Fraktion hatte sich sogar bereits in diesem Jahr eine erste Bürgerbeteiligung gewünscht. Statt einem vollständigen Bürgerhaushaltsverfahren hat die Stadt nun aber erstmal einen Live-Chat mit dem Kämmerer angeboten. Die Beteiligung war eher gering – doch kann man daraus auf mangelndes Interesse der Bürger schließen?

In den anderthalb Stunden waren nicht einmal mehr als zehn „User“ zugleich online, die Experten mitgerechnet. Auch der Wechsel war nicht sehr hoch. Eine bemerkenswerte Zahl vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über einen Bürgerhaushalt in der Stadt Nürnberg, heißt es in einem Artikel der Nürnberger Nachrichten.

Ob man daraus aber tatsächlich auf mangelndes Interesse der Bürger schließen kann ist fraglich. Zum einen werden bei zeitlich punktuellen Beteiligungsangeboten grundsätzlich weniger Beteiligte erreicht als bei Beteiligungsprozessen über einen längeren Zeitraum, zum anderen stellt sich bei einem offenen Chat-Angebot grundsätzlich die Frage, inwiefern die Ergebnisse in das weitere Haushaltsplanungsverfahren integriert sind. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Stadt Nürnberg von der geringen Beteiligung in diesem Fall nicht auf fehlendes Interesse der Bürger generell schließt.

Link zum Artikel der Nürnberger Nachrichten

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Mainz: Das Engagement muss von oben kommen

Manfred Wolf, Mitglied der Initiative „Kommunaler Bürgerhaushalt für Mainz“ hat in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau über Erfolgsfaktoren von bürgerbeteiligten Haushaltsverfahren gesprochen. Sein Fazit: Um möglichst viele Bürger einzubinden, muss das Engagement von ganz oben, möglichst direkt vom Bürgermeister oder einem Dezernenten, kommen.

In Mainz waren auf Anregung der Initiative in den letzten Jahren Bürger zu Informations‑ und Beratungsveranstaltungen in das Rathaus eingeladen worden. Was hat sich durch diese Beteiligung verändert und wie hoch war die Beteiligung der Bürger, fragte die Frankfurter Rundschau? Anfangs waren es 100, am Schluss noch 30, so Wolf. Den Grund dafür sieht er in dem fehlenden Engagement der Politik: Man konnte aber sehen, dass es nicht reicht, wenn sich eine Gruppe von Bürgern dafür einsetzt, mehr Mitsprache zu bekommen. Damit wirklich ein breiter Teil der Bevölkerung eingebunden wird, muss das Engagement dazu von oben, aus dem Rathaus selbst, kommen.

Durch Werbe‑ und Informationsmaßnahmen müssten alle Haushalte direkt angesprochen werden. Wichtig sei auch, dass möglichst konkrete Fragen und Projekte zur Diskussion ständen. Es sei selbstverständlich, dass nicht alle Projekte, die von den Bürgern angeregt werden, umgesetzt werden können. Deswegen sei es auch gut, dass letzten Endes immer die Politik die Entscheidungen trifft.  Wolf glaubt aber daran, dass die Bürger – wenn man Ihnen die Möglichkeit einer Beteiligung bietet – auch bereit sein, dafür einen eigenen Beitrag zu leisten. So hätten die Mainzer Bürger beispielsweise eine Anhebung der Grundsteuer unterstützt.

Link zum vollständigen Interview in der Frankfurter Rundschau


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Frankfurt erhofft sich hohe Beteiligung

Auch Frankfurt gehört bald zu der Reihe von deutschen Großstädten, in denen ein Bürgerhaushalt durchgeführt wird. Der Stadtkämmerer Uwe Becker erhofft sich von dem Verfahren eine Hilfe bei der Finanzplanung. Die städtischen Finanzen auszugleichen wäre schön, die Frankfurter Bürger sollen aber nicht nur Spar‑ und Einnahmevorschläge machen können, sondern ihre Ideen zu allen haushaltsrelevanten Themen abgeben. Wie teuer diese dabei sind, spielt Becker zufolge erstmal keine Rolle, heißt es in einem Artikel auf ad-hoc.news.de.

Wichtig sei Becker vor allem eine hohe Beteiligung: In anderen Großstädten gaben manchmal nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung einen Vorschlag ab. Becker betont: ‚Das darf auf Dauer nicht so in Frankfurt sein, sonst hat der Bürgerhaushalt keine Legitimation‘. Aus diesem Grund hat die Stadt auch einen Etat von 1,2 Millionen Euro für Personal und Werbekosten zur Verfügung gestellt.

Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich über eine Internetplattform beteiligen können. Neben der Online-Beteiligung sollen die beliebtesten Ideen anschließend in kleineren Bürger-Gruppen bewertet werden. Die so generierten Vorschlagslisten sollen der Stadt zum Beschluss vorgelegt werden. Becker betont, wenn die Vorschläge von den Politikern ernsthaft angegangen und nicht in die Ecke gestellt würden, erwarte er eine hohe Akzeptanz bei den Bürgern. ‚Es ist eine neue Form von Politik‘, schwärmt der Kämmerer.

Link zum vollständigen Artikel auf ad-hoc-news.de

Wir haben den Status der Stadt Frankfurt auf „B“ wie Beschluss geändert und werden über die Einführung des Verfahrens berichten!

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Lampertheim: Ein Forum macht noch keinen Bürgerhaushalt

Die Stadt Lampertheim stellt ihren Bürgern derzeit ein Forum zur Verfügung, in dem über die Haushaltsplanung der Stadt diskutiert und eigene Haushaltsvorschläge gemacht werden können. Nach Angaben der Stadt soll so „mit Ihrer Mitarbeit in einem offenen und transparenten Verfahren ein „Bürgerhaushalt“ entstehen“.

Die momentane Umsetzung der Haushaltsdiskussion kann leider auch noch nicht als Bürgerhaushalt bezeichnet werden. Die Stadt hatte zwar bereits im Rahmen einer Informationsinitiative über die aktuelle Haushaltslage und den Haushaltsplan 2011 informiert, das Bürgerforum knüpft allerdings an diese Informationen nicht direkt an. Statt die Verwaltungsvorschläge in verständlich aufgearbeiteter Form zur Verfügung und Diskussion zu stellen, können die Bürgern momentan nur ohne konkrete Fragestellungen eigene Anregungen in ein Diskussionsforum einstellen. Die Beteiligungshürden sind dementsprechend hoch – dies zeigt sich auch daran, dass bisher kein Beitrag in dem Forum eingegangen ist. Darüber hinaus entspricht das Diskussionsforum derzeit nicht dem aktuellen Stand der Kunst: Betrachtet man erfolgreiche Beteiligungsprojekte wie Köln, Solingen und Stuttgart fällt auf, dass diese sich alle durch eine eigenständige Diskussionsplattform auszeichnen.

Auch über die Form der Rechenschaft fehlt bisher ein konkreter Hinweis. Ob die Bürgervorschläge demnach tatsächlich von der Politik aufgegriffen werden, ist derzeit unklar.

Link zu einer Meldung der Stadt zum Bürgerforum

Link zum Bürgerforum

Wir werden die Entwicklungen der Stadt weiterhin beobachten, belassen den Status auf unserer Karte aber derzeit noch auf „I“ wie Information.

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Nottuln plant Bürgerprojekt mit Hilfe von Schülern

Vom 24. Oktober bis zum 18. Oktober will die Stadt Nottuln Ihren Bürgern eine Beteiligung an den Haushaltsplanungen ermöglichen. Die Durchführung des Projekts Bürgerhaushalt nimmt die Stadt laut einem Artikel Bocholter-Borkener Volksblatts mit einem städtischen Gymnasium in Angriff: Die Schüler der Leistungskurse Sozialwissenschaften helfen sowohl bei der Pressearbeit, der Erstellung von Texten für die Homepage und die technische Umsetzung des Portals.

Mit Hilfe eines Fragebogens, den die Schüler in Laufe eines Projekttages erstellt haben, sollen die Kenntnisse der Nottulner Bürger über den städtischen Haushalt erfragt werden. Nach dem Abschluss der Beteiligungsphase werden die Gymnasiasten die eingegangenen Bürgervorschläge auswerten und in Form einer Vorschlagsliste an die Stadt weitergeben. Dort soll dann der Gemeinderat über die Umsetzung der Bürgervorschläge im Haushaltsplan beraten.

Link zum vollständigen Artikel des Bocholter-Borkener Volksblattes

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Karlsruhe: Erneute Diskussion über Bürgerhaushalt

Bisher seien bereits mehrere Anläufe, einen Bürgerhaushalt in Karlsruhe einzuführen, gescheitert, heißt es in einem Bericht der ka-news. Die Freien Wähler starten nun mit einer Anfrage an die Stadtverwaltung einen erneuten Versuch.

Die beiden Stadträte der Freien Wähler Karlsruhe hatten die Stadtverwaltung gebeten, eine Erklärung darüber abzugeben, unter welchen Voraussetzungen die Einführung eines Bürgerhaushaltes möglich sei. Ziel des Projekts sei, eine stärkere Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen, so die ka-news. Als Vorbild gelten internationale Beispiele aus Brasilien und Neuseeland, aber auch deutsche Projekte, wie das Kölner Verfahren oder der aktuell laufende Stuttgarter Bürgerhaushalt.

Laut einem Bericht auf Boulevard Baden habe sich die Stadtverwaltung zu der Anfrage bisher nicht geäußert.

Link zu dem Artikel der ka-news

Link zu dem vollständigen Bericht auf Boulevard Baden

Wir haben Karlsruhe mit dem Status „D“ wie Diskussion in unsere Karte aufgenommen.

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Kornwestheim: Bürgerhaushalt ja, aber nicht jetzt

Zuerst müsse die Stadt die Umstellung auf die doppische Buchhaltung überstehen, nach 2013 könnte aber über den Antrag der Grünen weiter nachgedacht werden. Gedanken über eine mögliche Umsetzung hat die Verwaltung sich aber trotzdem schon gemacht.

Dabei wurden laut einem Artikel der Stuttgarter Zeitung vor allem drei zentrale Punkte erarbeitet:

Der Gemeinderat muss hinter dem Projekt stehen. Denn bei ihm liegt die letztendliche Entscheidungshoheit, die Bürger können lediglich Anregungen machen.

Es müssen auch heilige Kühe zur Disposition gestellt werden; die Bürger sollten nicht den Eindruck bekommen, nur über belanglose Themen mitreden zu dürfen. Gleichzeitig sollte der Bürgerhaushalt von den Bürgern aber auch nicht als Wunschkonzert verstanden werden.

Der Bürgerhaushalt müsse von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden, um möglichst viele Kornwestheimer Bürgerinnen und Bürger über das Verfahren zu informieren.

Die Grünen kritisieren die Entscheidung, den Bürgerhaushalt auf so lange Sicht zu vertagen und fordern stattdessen eine Einführung für das Jahr 2013, zeitgleich mit der Umstellung auf die doppische Buchführung.

Im Gespräch ist außerdem die Weiterführung des Leitbildprozesses, der für den SPD-Stadtrat Prof. Walter Habenicht nichts anderes als ein Bürgerhaushalt gewesen sei, denn auch hier hatten die Bürger die Möglichkeit, Wünsche zu äußern. Er schlägt daher vor, diesen Prozess weiter zu vertiefen, statt sich auf ein neues Verfahren zu stützen. Bei einem Bürgerhaushalt sehe er außerdem die Gefahr, dass es immer die gleichen Bürgerinnen und Bürger seien, die sich engagierten.

Im Herbst wird der Rat erneut über das Thema Bürgerhaushalt sprechen und entscheiden, ob und wann ein solches Verfahren in Kornwestheim durchgeführt wird.

Link zum vollständigen Artikel der Stuttgarter Zeitung

Wir haben Kornwestheim mit dem Status „D“ wie Diskussion in unsere Karte aufgenommen.

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Interview: Warum Esslingens Bürgerhaushalt auf dem Abstellgleis steht

Esslingen war 2003 eine der ersten deutschen Städte einen Bürgerhaushalt durchgeführt hat, doch leider wurde das Projekt auch schnell wieder eingestellt. In einem Interview mit der Südwestumschau erklärt der Finanzbürgermeister Betram Schiebel nun, wie es dazu kam:

Es lag am Aufwand. Man muss irgendwann Entscheidungen treffen: Je mehr Bürgerbeteiligung, desto mehr qualifizierte Antworten müssen Sie auch geben. Um Haushaltsfragen richtig zu erklären, müssen Sie diejenigen nehmen, die den Überblick haben. Für uns war das dann insgesamt zu aufwendig. Dabei sei die Qualität der Bürgervorschläge eigentlich zufriedenstellend und auch breit gefächert gewesen.

Schiebel sieht in Bürgerhaushalten vor allem den Vorteil, dass die Bürger durch die aufbereiteten Informationen Haushaltszusammenhänge besser nachvollziehen können – aus diesem Grund bietet die Stadt Esslingen auch weiterhin öffentliche Haushaltssitzungen und Haushaltspläne im Internet an.

Er befürchtet aber, dass die Rollenverteilung bei Bürgerhaushaltsverfahren unklar sei: Die Schwierigkeit ist aber, es so zu organisieren, dass Gemeinderäte und Bürgerhaushalt nicht in Konkurrenz treten. Ist das eine Informationsaufbereitung für die gewählten Vertreter oder ersetzt sie das? Dann wird natürlich die Repräsentanz entwertet.

Link zum vollständigen Artikel der Südwestumschau

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bonn-packts-an.de: Das Problem der Interessenskonflikte

„Auf der Suche nach dem Gemeinwohl“ betitelt der General Anzeiger einen aktuellen Artikel zum Bonner Bürgerhaushalt – im Zentrum steht unter anderem die Frage, wie viele verschiedene Interessen und Meinungen in politischen Prozessen unter einen Hut gebracht werden können.

So stünde zum Beispiel die Kulturlobby gegen jene, die auf Zuschüsse in diesem Bereich gut verzichten könnten: Einer schreibt: „Kultur ist für mich überlebenswichtig“ – und erhält postwendend ein Echo: „Du wirst schon nicht sterben ohne Oper.“
So bestünde also zwischen den 12.739 Teilnehmer/innen absolut kein Konsens über die möglichen Sparmaßnahmen. Das stelle auch den Bonner Oberbürgermeister Nimptsch vor ein Problem: Die bürgerliche Zustimmung reiche gerade mal für Sparmaßnahmen in der Höhe von 45,2 Millionen, nicht genug um den Bonner Haushalt zu sichern.

Neben den Kontroversen auf der Online-Plattform bestünde aber auch das Problem der Stimmen der Online-Sprachlosen, wie es in dem Artikel heißt, also derer, die über keinen Zugang zum Internet verfügten, z.B. Personen in Alten‑ und Pflegeheimen. Dabei würde vor allem über ihre Belange häufig über ihren Kopf hinweg entschieden.

Dieses Phänomen erklärt Professor Lars Holzkamp von der Fernuniversität Hagen: Es bestünde nämlich ein weiterer Interessenskonflikt – während Politik und Verwaltung Entscheidungen in der Regel dazu tendieren, die Akteure unter Zeitdruck zu setzen und in der parlamentarischen Arena möglichst wenig Diskussionsraum und Entscheidungsspielräume einzuräumen, werden zivilgesellschaftliche Akteure bestrebt seien, das Gegenteil zu erreichen, um die Schließung von Einrichtungen und massive Kürzungen abzuwenden. Daraus folge, dass Entscheidungen oft als alternativlos dargestellt würden, in der Hoffnung, Diskussionen darüber zu vermeiden. Dies gelinge besonders gut, bei Themenfeldern, die über keine wirkliche Lobby verfügten, so heißt es im General-Anzeiger.

Und wo bleibt dabei das gesuchte Gemeinwohl? Die Antwort bleibt der Artikel schuldig, eine mögliche Richtung wäre aber: Gemeinwohl gibt es nur, wenn eine Beteiligung auf allen Ebenen gewünscht ist und alle Parteien auch tatsächlich die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen?

Link zum vollständigen Artikel des General Anzeigers

Überarbeitet am 5.7.2011, 10:30 Uhr durch Redaktion

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ruhrbaron.de: Bürgerhaushalte als Beispiel für demokratischen Wandel

Vom Ende der korporatistischen Demokratie spricht Martin Boettger von den Ruhrbaronen in seinem gleichnamigen Artikel und meint damit die kaum mehr aufzuhaltende Entwicklung von einer wirklichkeitsfernen, in eigenen Sphären treibenden zu einer bürgernahen und in der Gesellschaft verankerten Politik.

Alleine internationale Entwicklungen wie der arabische Frühling zeigen, dass Bürger es mittlerweile nicht mehr akzeptieren, von Entscheidungen und Informationen ausgeschlossen zu werden. Auch in Deutschland zeichnet sich diese Entwicklung deutlich ab, Stuttgart21 ist nur eines von viele Beispielen hierfür. Boettger verweist an dieser Stelle auf den Versuch mancher Kommunen, über Bürgerhaushalte einen Rückbezug zum Bürger zu gewinnen. Vor allem traditionelle Verfahren – öffentliche Sitzungen und Versammlungen – kritisiert er hierbei aber als vergeblich, da dorthin immer nur die kommen, die es beruflich bedingt müssen, als lokaler Geschäftsmensch oder PolitikerIn, und die, die viel Zeit und Langeweile haben.

Als erfolgsversprechender bewertet er hingegen Onlinebeteiligungen. Bereits die Bürgerhaushalte in Solingen, Essen und Köln hätten gezeigt, dass online eine größere Anzahl von Beteiligten mobilisiert werden könne. Besonders hervorgehoben wird aber der Bonner Bürgerhaushalt, an dem sich ca. 12.700 Menschen beteiligten (Einwohner Bonn: rund 300.000). Daraus schließt Boettger: Das Bonner Verfahren hat bewiesen: es gibt einen sehr großen Beteiligungsbedarf bei den BürgerInnen. Sie haben jedoch bisher kaum eine Möglichkeit dazu. Und weder die Kommunalverwaltung noch die Parteien kommen damit klar, wenn sich mal ein Beteiligungsventil öffnet. Das parteipolitische Gerangel und die zum Teil vorherrschende Unfähigkeit, mit neuen Beteiligungskanälen umzugehen, zeigten, dass auch Verwaltung und Politik noch an den Möglichkeiten wachsen können und müssen.

Den häufig genannten Kritikpunkt, dass Bürgerhaushalte häufig erst dann durchgeführt würden, wenn die Kassen bereits leer sind, lässt Boettger nicht gelten. Im Gegenteil seien gerade knappe Kassen ein Grund, Bürger stärker zu beteiligen: Sollen wir es deswegen also lieber weiter denen überlassen, die nicht mehr weiter wissen?, fragt er und folgert: Die BürgerInnen sind nicht dümmer, sondern klüger als Verwaltung und politische Klasse. Wer sie mitmachen und mitentscheiden lässt, ist gut beraten und tut was Gutes für seine Stadt und ihren sozialen Zusammenhalt.

Das Fazit des Artikels: Es wird kein Weg daran vorbeiführen, immer mehr kommunale Entscheidungen aus Fraktionssitzungen heraus wieder in die Stadtgesellschaften zu verlagern. Das wird Lobbyinteressen nicht abschaffen, sie vielleicht noch nicht einmal wirklich schwächen. Aber es zwingt zu mehr öffentlicher Rechtfertigung, es erweitert die Diskursfelder. Das ist keine hinreichende, aber eine notwendige Bedingung, um die Demokratie, wie sie das Grundgesetz meinte, zu erhalten.

Link zum vollständigen Artikel auf ruhrbarone.de

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Bertelsmann-Stiftung: Bürgerhaushalte ja, Online-Beteiligung eher nein?

Die Bertelsmann Stiftung hat in einer aktuellen Studie das Interesse der Bevölkerung an politischer Beteiligung untersucht. Das Ergebnis zeigt: Der Trend geht zu verbindlichen Beteiligungsprojekten, aber auch kommunale Fragestellungen – wie Bürgerhaushalte – interessieren die Bürger.

78 Prozent der Befragten sprachen sich für direktdemokratische Beteiligungsformen wie Volksentscheide aus, immerhin 68 Prozent gaben an, an kommunalen Großprojekten, wie z.B. Bauvorhaben, beteiligt zu werden – die Folgen von Stuttgart21 sind spürbar. Aber auch das Interesse an Bürgerhaushalten ist groß: Auch hier sagt fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent), dass sie an solchen Entscheidungen schon einmal mitgewirkt haben oder gern mitwirken würden.

Als bislang überschätzt bezeichnet die Bertelsmann Stiftung hingegen Online-Beteiligungen: In der Studie wurde das Interesse an Online-Umfragen abgefragt und ca. die Hälfte der Beteiligten gab an, diese Beteiligungsform eher abzulehnen: Fast die Hälfte (48 Prozent) lehnt Online-Befragungen für sich ab, und ebenso viele (54 Prozent) sind nicht für Online-Abstimmungen zu haben. Sogar knapp 60 Prozent würden sich nicht an elektronischen Petitionen an Parlamente oder Abgeordnete beteiligen, und mehr als zwei Drittel (67 Prozent) würden keine eigenen Beiträge in Blogs oder Internet-Foren verfassen. Solche Beteiligungsformen seien daher bisher nur für eine qualifizierte Minderheit geeignet. Aufgrund des offensichtlichen Trends zu verbindlicheren Beteiligungsformen und direktdemokratischen Verfahren stellt sich in Bezug auf Online-Verfahren die Frage, ob es diesen bisher an Glaubhaftigkeit und Verwurzlung im politischen Prozess mangelt. (Ob die formulierte Fragestellung, in der lediglich nach Online-Umfragen gefragt wurde, zu diesem wenig verbindlichen Image beiträgt sei zunächst dahingestellt.)

Deutlich wird in der Umfrage jedenfalls, dass die Bürger sich gerne stärker am politischen Entscheidungen beteiligen wollen (87 Prozent bejahten dies) und das auch der kommunale Bereich in Beteiligungsverfahren eine immer größere Rolle spielen wird.

Link zur vollständigen Meldung über die Studienergebnisse der Bertelsmann-Stiftung

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Reinhard-Mohn-Preis: Eine Linkliste

Die Bertelsmann Stiftung hat in diesem Jahr drei Bürgerhaushaltsprojekte mit dem Reinhard-Mohn-Preis ausgezeichnet: Recife (Brasilien), Belo Horizonte (Brasilien) und La Plata (Argentinien). Anlässlich zur Preisverleihung in Gütersloh hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festrede, in der sie sich für mehr Bürgerbeteiligung aussprach. Anbei haben wir eine Linkliste mit verschiedenen Presseberichten zu der Veranstaltung erstellt.

Link zur Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel
Zwischen den Wahlen haben Bürgerinnen und Bürger unterschiedliche Möglichkeiten, sich in öffentliche Diskussionen einzubringen. Wir als Politiker sollten dieses Einbringen schätzen, aufnehmen und damit unsere Arbeit bereichern. Manche können sich laut Gehör verschaffen. Andere bleiben eher leise und zurückhaltend, aber ihre Sorgen und Nöte sind ebenso wichtig. Politik ist dafür da, alle zu hören und für alle da zu sein.

Pressetext von Reuters
Sympathie äußerte die Kanzlerin etwa für das Modell der „Bürgerhaushalte“, das auch in einigen deutschen Kommunen inzwischen eingeführt wurde. Teilweise könnten die Bewohner einer Stadt dabei mit Anregungen den Haushalt mitgestalten. „Das belebt zweifellos die politische Teilhabe“, sagte sie. Sie würdigte, dass mit der brasilianischen Millionenstadt Recife gerade eine Kommune den Reinhard-Mohn-Preis erhalte, die dieses Modell eines Bürgerhaushalts erfolgreich praktiziere.

Focus: Mohn-Preis – Merkel für mehr Bürgerbeteiligung
Die Bertelsmann Stiftung stelle mit dem Preis die entscheidende Frage der demokratischen Gesellschaftsordnung, sagte Merkel: „Wie schaffen wir es, Bürgerinnen und Bürger in die Gestaltung unseres Gemeinwesens einzubinden?“ Mitwirkung beschränke sich nicht auf Parteien und Wahlen.

Stuttgarter Zeitung: Direkte Einflussnahme als wichtige politische Ergänzung
Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen, würdigte die vorbildliche Einbindung der Einwohner Recifes zur Weiterentwicklung der Stadt. Die aktive Beteiligung habe die Akzeptanz von politischen Entscheidungen erhöht. Seit Einführung der Bürgerhaushalte 2001 beteiligten sich jährlich mehr als 100.000 Jugendliche und Erwachsene mit Vorschlägen zu städtebaulichen Maßnahmen am politischen Prozess, über einen Teil der Haushaltsmittel stimmten sie direkt ab.

Hamburger Abendblatt
Die Kanzlerin sieht in Recife ein Vorbild, von dem Deutschland lernen könne – und hat Gesetzesänderungen für mehr Bürgerbeteiligung angekündigt. Das Schlichtungsverfahren zu Stuttgart 21 habe gezeigt, dass man deutlich früher miteinander diskutieren sollte. Den Ausbau des Frankfurter Flughafens nannte Merkel ein gutes Beispiel für gelungene Bürgerbeteiligung. Problematisch seien die häufig sehr komplexen Prozesse. „Denn Engagement setzt funktionierende Kommunikation, Information, Erklären und Verstehen voraus.“

Link zu einem Artikel in der Neuen Westfälischen Zeitung

Link zu einem Artikel in Die Glocke

Link zu einer Kritik der Linken

Sie können uns gerne in den Kommentaren auf weitere spannende Artikel und Links hinweisen!

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Vorerst kein Bürgerhaushalt in Bünde

Der Antrag auf einen Bürgerhaushalt in Bünde wurde von der CDU und der SPD vorerst abgelehnt. Auch nach einem Erfahrungsaustausch mit der Stadt Gütersloh sah man noch eine Menge Fragezeichen, heißt es in einem Bericht der Neuen Westfälischen.

Norbert Monscheidt, der Leiter des Fachbereichs Finanzen, war zu einem Vortrag nach Bünde eingeladen worden, in dem er von den Erfahrungen in Gütersloh berichtete und dabei zugab, dass der Bürgerhaushalt ein gutes Stück Arbeit gewesen sei und zudem die Beteiligungsquoten unter dem angestrebten Ziel von zwei Prozent blieben (1,7 Prozent nahmen teil). Heinz Georg Beneke (CDU) fand die Quote von 1,7 Prozent „sehr ernüchternd.“ SPD-Sprecher Horst Beck sagte, seine Fraktion sei schon mal für einen Bürgerhaushalt gewesen, die Bedenken seien aber größer geworden. „Man darf den Haushalt für 2012 nicht übers Knie brechen“, zitiert die Neue Westfälische. Diese Bedenken führten letztendlich auch dazu, dass der Antrag der FDP, Grünen und UWG abgelehnt wurde.

Link zum vollständigen Artikel der Neuen Westfälischen

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Bürgerhaushalt Lichtenberg geht über Bezirksgrenzen hinaus

Beim diesjährigen siebten Bürgerhaushalt in Lichtenberg gibt es einige entscheidende Änderungen: Die Kategorie der Sparvorschläge entfällt, dafür werden auch Anregungen berücksichtigt, die in den Kompetenzbereich des Landes Berlin fallen.

Vorschläge zu Landesthemen (z.B. neue Straßen, Schwimmbad‑Öffnungszeiten)wurden bei den bisherigen Bürgerhaushalten nicht berücksichtigt, da sie nicht in den Aufgabenbereich der Bezirksregierungen fallen. Beim diesjährigen Verfahren sollen diese Vorschläge aber nicht einfach verfallen, sondern werden stattdessen dem Berliner Senat vorgelegt. Bürgermeisterin Christina Emmrich (Linke): „Wir wollen Ideen und Wünsche der Lichtenberger, die bisher aus der Wertung gefallen waren, in den Bürgerhaushalt integrieren und ihnen damit mehr Nachdruck verleihen. Wir sind gespannt, wie die Senatsverwaltungen reagieren, wenn wir ihnen die Vorschläge unterbreiten“, heißt es in einem Artikel der Berliner Morgenpost.

Intern kritisiert wird allerdings die Entscheidung, auf den Punkt „Einsparungen“ im Bürgerhaushalt zu verzichten. Im letzten Verfahren hätte sich gezeigt, dass die Bürger aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht in der Lage waren, sinnvolle Einsparvorschläge zu machen, so Emmrich: „Die Bürger sind damit nicht klar gekommen.“ Nur knapp tausend von 8000 Bürgern, die sich im vergangenen Jahr für den Haushalt 2012 an den Abstimmungen beteiligten, hatten Punkte für Einsparungen – nach Ansicht von Emmrich allerdings am falschen Ende – vergeben. So wollten die meisten die Abteilung Wirtschaftsförderung im Bezirksamt abschaffen. „Da hat viel Unkenntnis eine Rolle gespielt“, so Emmrich.

Bis zum 31. Juli können online Bürgervorschläge eingereicht werden, in verschiedenen Bürgerversammlungen ist die Vorschlagsabgabe noch bis September möglich.

Link zum Onlineportal der Lichtenberger Bürgerhaushaltes

Link zum vollständigen Artikel der Berliner Morgenpost

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Experimente im Land Schleswig-Holstein

Als Bürgerhaushalt kann das Projekt, das die Grünen in Schlesweg-Holstein initiiert haben, nicht bezeichnet werden, ein interessantes Beispiel ist es aber allemal: Die Fraktion lässt im Internet über Haushaltsvorschläge aller Parteien abstimmen. Mit dem Online-Portal als Haushaltsbeteiligungsprojekt auf Landesebene geht die Partei damit neue Wege.

Rund 40 Punkte stehen derzeit zur Abstimmung, die Bürger haben aber auch die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzureichen. Die Grünen wollen mit diesem Projekt eine Alternative zu den bisherigen Haushaltsverfahren bieten:

Die mit dem Doppelhaushalt 2011⁄12 beschlossenen Kürzungen haben für viel Unmut gesorgt. Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Verbände sowie die Opposition wurden von der Regierung nicht in den Dialog um die beste Lösung einbezogen, sondern mit scheinbarer Alternativlosigkeit verprellt. Gerade weil wir Grüne wissen, dass die Sanierung des Landeshaushaltes immer einzelnen weh tut, fordern wir einen gesellschaftlichen Diskurs um den besten Weg. Einen Weg, der die Menschen mitnimmt, der transparent und gerecht ist,

heißt es im Begrüßungstext auf mitmachhaushalt.de.

„Das Ganze ist ein absolutes Experiment für einen Landeshaushalt“, sagte Finanzexpertin Monika Heinold. Sie hofft „ein Meinungsbild zu erhalten, das wir in unsere politische Diskussion einfließen lassen können“,

zitiert der NDR in einem Artikel zum Thema.

Link zum Onlineportal mitmachhaushalt.de

Link zum vollständigen Artikel auf ndr.de

Ein Beteiligungsprojekt, das lediglich von einer Partei initiiert und durchgeführt wird, kann noch nicht als Bürgerhaushalt bezeichnet werden (siehe Definition des Begriffs „Bürgerhaushalt“

Die Beteiligung findet auf der Ebene der Gesamtstadt oder auf der eines Bezirks mit eigenen politischen und administrativen Kompetenzen statt. Ein Stadtteilfonds allein, ohne Partizipation auf der gesamtstädtischen bzw. bezirklichen Ebene, ist kein Bürgerhaushalt.).

Damit ist auch gemeint, dass ein Beteiligungsangebot kein parteipolitisches Angebot einer Partei sein kann, sondern von einer Institution als Verfahrensträger im Auftrag einer politischen Mehrheit (bestmöglich: aller Parteien) durchzuführen ist. Übertragen auf die Landesebene heißt das, dass die Beteiligung von der Landesregierung, besser noch von dem Parlament beschlossen wurde, das ja auch den Landeshaushalt zu beraten und zu beschließen hat. Und dass der Bürgerhaushalt dort verortet ist, wo der Haushalts aufgestellt wird: beim Finanzministerium, der „Kämmerei des Landes“. Aus diesem Grund haben wir das Land Schleswig-Holstein mit dem Status „D“ wie Diskussion in unsere Karte aufgenommen, obwohl bereits eine Beteiligung wie oben beschrieben stattfindet.

(Artikel aktualisiert und ergänzt am 3. Mai um 18:24 Uhr durch Redaktion)

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