E-Partizipation

 

3. Statusbericht: Bürgerhaushalte in Deutschland (März 2010)

Der 3. Statusbericht seit dem Bestehen der Seite Buergerhaushalt.de bietet einen kurzen Überblick über alle auf der Seite dokumentierten Bürgerhaushalt-Kommunen und ihre Status. Alle Kommunen sind nach ihren Status in einer Tabelle gelistet.

140 Kommunen sind inzwischen in die Karte der Bürgerhaushalte in Deutschland aufgenommen. 67 davon sind bereits aktive Kommunen, das heißt sie haben einen Bürgerhaushalt beschlossen (Status „B“), eingeführt („E“), fortgeführt („F“) oder informieren ihre Bürger über den Haushalt („I“) – zum Vergleich im Juli 2009 waren es 58 aktive Kommunen.

Innerhalb der aktiven oder diskutierenden Kommunen gab es außerdem einige Statusänderungen im vergangenen halben Jahr. Für Münster änderte sich der Status von „I“ zu „D“. Bei den Kommunen Ingolstadt, Hürth, Strausberg und Jüterbog änderte sich der Status von „D“ zu „E“. In Solingen und Trier änderte sich der Status zunächst von „D“ zu „B“ und dann weiter zu „E“. Oldenburg veränderte seinen Status von „B“ zu „E“. Für Bad Wildungen änderte sich der Status von „E“ zu „F“.

Seit dem letzten Statusbericht im Juli 2009 ist besonders die Zahl der Kommunen, in denen ein Bürgerhaushalt diskutiert wird – Kommunen mit Status „D“ – angestiegen, von 52 auf 69. Diese Entwicklung zeigt, dass das Thema Bürgerhaushalt besonders in Zeiten knapper Kassen in immer mehr Kommunen zum Thema wird.

Der 3. Statusbericht als PDF zum Download >>>

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Seminar im April 2010 „Mehr Mitverantwortung wagen“

Am 21. und 22. April 2010 findet in Berlin ein Seminar des Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und Governance International zum Thema

Mehr Mitverantwortung wagen –
Bürgerschaftliches Engagement als Chance in
der Finanzkrise?

statt. Aus dem Programm:

Bei erkennbar drastisch abnehmenden Ressourcen im öffentlichen Sektor sind neue Lösungen gefragt, um das bisherige Leistungsniveau gerade im freiwilligen Bereich zu halten. Eine Chance wird darin gesehen, zusätzlich zu dem Fachwissen der Verwaltung auch Alltagswissen und die aktive Mitwirkung der betroffenen Bürger einzubeziehen. Dazu muss die Verwaltung nicht bei Null beginnen, denn in vielen Kommunen bestehen bereits Initiativen zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements. Zumeist handelt es sich jedoch um Beteiligungsinseln, die für sich stehen oder nur für Ehrenamt und Selbsthilfe aktivieren wollen.

Sie liefern für eine Mitverantwortung und belastbare Ergebnispartnerschaften noch keine greifbaren Zielbeiträge. Vor diesem Hintergrund sollen Strategien und Maßnahmen zur Einbindung von bürgerschaftlichem Engagement als partnerschaftliche Produktion von Leistungen und Verantwortung für Resultate dargestellt und anhand praktischer Beispiele und Veränderungsprojekten aus deutschen und europäischen Verwaltungen erörtert werden. Es werden beispielhafte Lösungswege aufgezeigt, wie

 – Plattformen für Information und Dialog mit Bürgerinnen und Bürgen aufgebaut werden können;

 – gemeinsam mit Bürgern Leistungen konzipiert und realisiert werden können, die an den Wirkungen ansetzen;

 – Bürgerinnen und Bürger in die aktive Bereitstellung von Leistungen eingebunden werden, um die
Mitverantwortung zu steigern und Kosten zu senken;

 – die Bereitschaft zu aktiver Koproduktion durch Bürgerinnen und Bürger unterstützt werden kann;

 – und wie sich Verwaltungen über kooperative Strategieprozesse und dezentralisierte Verantwortlichkeiten bürgernäher aufstellen können.

Das Programm als PDF zum Download >>>

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Gastbeitrag | Qualitätskriterien für die Gestaltung von Bürgerhaushalten

von Helmut Klages

Die grundlegende Bedingung für das Vorhandensein eines „Bürgerhaushalts“

Mit dem Begriff „Bürgerhaushalt“ verbinden sich gegenwärtig höchst verschiedenartige Vorstellungen, die nur schwer auf einen Nenner zu bringen sind. Bevor man sich an eine Klassifizierung macht, um wertfrei verschiedene Begriffsverständnisse und Methodenansätze zu unterscheiden, erscheint eine grundsätzliche Abgrenzung erforderlich: Streng genommen sollte der anspruchsvolle Name „Bürgerhaushalt“ eigentlich nur für solche Beteiligungsansätze verwendet werden, bei denen die Bürger/innen eine reale Chance erhalten, an dem politischen und administrativen Prozess der Haushaltsaufstellung direkt und aktiv mitzuwirken und in den Haushalt ihrer Kommune eigene Vorstellungen (Präferenzen, Prioritäten, Wünsche, Empfehlungen …) einzubringen.

Die Notwendigkeit einer solchen Abgrenzung wird angesichts der Tatsache erkennbar, dass eine direkte und aktive Beteiligung der Bürger/innen an der Haushaltsaufstellung in der Mehrzahl der Fälle, in denen man heute von einem „Bürgerhaushalt“ spricht, nicht – oder noch nicht – erfolgt. In der Mehrzahl der Kommunen, die einen „Bürgerhaushalt“ für sich reklamieren, erfolgt bisher eine Beteiligung der Bürger/innen nur im Sinne eines „Vorschlagswesens“ (oder auch „Beschwerdemanagements“): Den Bürgern wird eine Möglichkeit eingeräumt, in zeitlicher Verbindung mit der Haushaltsaufstellung eigene Vorschläge für wünschbare Verbesserungen einzubringen, wobei in einem Teil der Fälle Verfahren zur Anwendung gelangen, welche es ihnen ermöglichen, die Vorschläge selbst zu bündeln und zu bewerten, ⅾ.h. eine Zusammenfassung deckungsgleicher Vorschläge vorzunehmen und eine Rangfolge zwischen ihnen herzustellen.

Es kann zwar keinen Zweifel daran geben, dass solche Ansätze für die Bürger/innen nutzbringend sind. Die zeitliche Koppelung des Vorschlags‑ oder Beschwerdewesens mit der Haushaltsaufstellung bringt überdies eine Mehrzahl von praktischen Vorteilen mit sich. Es wird sich auch kein ernsthafter Einwand dagegen erheben können, dass sich der Stadt‑ oder Gemeinderat in der Regel eine Letztbewertung der Einsendungen der Bürger vorbehält, die durch Stellungnahmen der Verwaltung abgestützt ist. Das elementare Recht des Rates, letztverantwortlich über den Haushalt zu beschließen, wird ihm schließlich kaum jemand ernsthaft streitig machen wollen, der auf dem Boden der repräsentativen Demokratie steht, wie sie sich in unserem Lande etabliert hat.

Ein entscheidender Einwand muss aber von der Tatsache ausgehen, dass die Bürgerbeteiligung bei solchen Ansätzen als ein Parallelverfahren zur eigentlichen Haushaltsaufstellung stattfindet, die nach wie vor bei den Ämtern und Ausschüssen verbleibt, ohne dass die Bürger dabei ernsthaft „mitreden“ können. De facto wird die Entscheidung über die Verwendung der verfügbaren Haushaltsmittel bei solchen Ansätzen durch die Bürgerbeteiligung nur am Rande tangiert, denn die Bürger halten sich bei ihren Vorschlägen in der Regel an ihren alltäglichen Erfahrungs‑ und Interessenhorizont und damit ans „Kleinteilige“. Dem „Eingemachten“, mit dem sich die Ämter und Ausschüsse beschäftigen, kommen sie dabei meist schon von sich aus nicht allzu nahe, so dass es kaum irgendwelcher absichernder Barrieren bedarf. Es braucht angesichts dessen auch nicht allzu sehr zu verwundern, dass die Bürgervorschläge vielfach finanziell gesehen kaum zu Buch schlagen (bei dem ersten Kölner Bürgerhaushalt addierten sich die mit ihnen verbundenen Zusatzaufwendungen insgesamt zu ca. 0,1 Promille des zur Entscheidung anstehenden Doppelhaushalts der Stadt und konnten aus einer Haushaltsreserve finanziert werden, ohne dass der Haushaltsentwurf selbst in irgend einer Weise tangiert wurde).

Als „Bürgerhaushalte“ im eigentlichen Sinn des Wortes sollten dem gegenüber nur solche Beteiligungsansätze angesehen werden, bei denen die Bürger frühzeitig und nachhaltig in den Prozess der Haushaltsaufstellung selbst einbezogen werden. Es stehen hierfür Verfahren zur Verfügung, die es den Bürgern ermöglichen, bezüglich der Verteilung der disponiblen Mittel der Kommune auf die verschiedenen Verwendungsbereiche Priorisierungen vorzunehmen, ⅾ.h. zum Ausdruck zu bringen, wie wichtig und dringlich diese in ihren Augen sind. Die Ergebnisse können dann dem Rat in aggregierter, oder auch in gruppenspezifisch ausdifferenzierter Form als Ausdruck des Bürgerwillens zur Kenntnis gebracht werden, so dass er die Möglichkeit erhält, die Standpunkte der Bürgerschaft kennen zu lernen und sie – ggf. unter Beteiligung von Bürgervertretern – in seine Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Weitere Qualitätskriterien für die Bewertung von Bürgerhaushalten

Ergänzend hierzu lassen sich vor allem die folgenden Qualitätskriterien von Bürgerhaushalten nennen:

Breite des Ansatzes, Größe der Teilnehmerzahl: Bürgerhauhalte sollten grundsätzlich von möglichst zahlreichen Bürgern aktiv mitgetragen werden.

Zugänglichkeit, Barrierefreiheit, keine Selektivität: Bürgerhaushalte sollten nicht nur eine Sache der leicht mobilisierbaren „Berufsbürger“ oder „üblichen Verdächtigen“ sein. Entgegen einer da und dort auffindbaren Auffassung weichen deren Prioritäten an wichtigen Punkten von den Wünschen und Bewertungen der „schweigenden“ Bevölkerungsmehrheit ab, so dass sich schwerwiegende Verzerrungen ergeben, wenn man ausschließlich ihre Äußerungen be-rücksichtigt. Insbesondere klammert man dann aber auch die schwer erreichbaren bildungs-fernen, sozial benachteiligten und kulturell nicht ausreichend integrierten Gruppen der Bevöl-kerung aus. Grundsätzlich sollte ebenso wie bei anderen Anlässen der Bürgerbeteiligung eine möglichst ausgewogene, im Idealfall „repräsentative“ Beteiligung der Bevölkerung angestrebt werden.

Gleichheit der Mitwirkungschancen der Teilnehmer: Insbesondere für Beteiligungsverfahren, die auf der physischen Präsenz und face‑.to-face-Interaktion von Menschen aufbauen, sollte der Grundsatz der Sicherung gleicher Beteiligungschancen gelten. So z.B. sollte bei Bürger-versammlungen unter allen Umständen vermieden werden, dass sich die häufig beobachtbare Situation der „Meinungsführerschaft“ weniger lautstarker Teilnehmer einstellt, die beanspru-chen, für die Mehrheit zu sprechen, ohne hierfür jedoch eine Legitimitätsgrundlage zu besit-zen.

Ausreichendes Ausmaß der Interessenberücksichtigung, des „Gehörs“: Moderne Bürger sind mehrheitlich „aufgeklärt“ genug, um nicht von der unerfüllbaren Erwartung auszugehen, dass ihre Vorstellungen 1 : 1 von den Entscheidern übernommen werden. Auf der anderen Seite gehört es aber ebenso zu ihrer Aufgeklärtheit hinzu, dass sie ein Unterscheidungsvermögen für „begründete“ und „unbegründete“, etwa auf das Einwirken von Macht‑ oder Profitinteressen zurückgehende Nichtberücksichtigungen ihrer Äußerungen besitzen. Die Entscheider brauchen sich bei der Zustimmung zur Einführung eines „echten“ Bürgerhaushalt zwar kei-neswegs vor einem akuten Machtverlust zu fürchten. Sie werden sich aber vor Augen halten müssen, dass bei der Abwägung von Bürgervoten viel auf dem Spiel steht. Sie können hierbei Legitimität gewinnen, oder auch verlieren.

Ablegung von Rechenschaft: Es gehört zum “deliberativen“ Umgang mit Bürgervoten hinzu, über deren Berücksichtigung oder Nichtberücksichtigung öffentlich „Rechenschaft“ abzulegen. Es sollte dies zu den selbstverständlichen Bestandteilen einer demokratischen Kultur gehören. Insbesondere sollte auf eine sorgsame Rechenschaftslegung auch und gerade in denjenigen Fällen geachtet werden, in denen Bürgervoten nicht entsprochen wird. Das Ziel der Entscheider sollte dabei sein, den Bürgern eine Chance zur Einsicht in die vernünftigen Gründe hierfür zu vermitteln. Beide Seiten sollten in diesem Zusammenhang einen erfolgreichen Prozess des „Demokratielernens“ vollziehen.

Institutionalisierung: Den Bürgern sollte bezüglich der Bereitschaft der Entscheider, ihnen Gehör zu schenken, nicht bloße „Gläubigkeit“ abgefordert werden. Vielmehr sollten sie in der Lage versetzt werden, diesbezüglich ein Vertrauen zu entwickeln, das durch rechtsverbindliche Garantieren untersetzt ist. Konkret gesagt sollte es in den Kommunen in Zukunft Rahmenordnungen für die Bürgerbeteiligung mit Satzungsrang geben, in denen dem Bürgerhaushalt im vollen Sinne des Wortes ein gesicherter Stellenwert zukommt.

Win-Win-Situation: Die Regelungen, die den Bürgerhaushalt betreffen, sollten nicht einseitig nur den Bürgerinteressen dienen. Vielmehr sollten diese Regelungen so gestaltet sein, dass sie gleichzeitig auch den legitimen Interessen der Entscheider entgegenkommen. Bürgerhaushalte sollten somit ebenso wie alle anderen Ansätze der Bürgerbeteiligung eine „Win-Win-Veranstaltung“ für alle Beteiligten sein, um eine allseitige Kooperationsbereitschaft zu sichern.

Zum Autor:
Helmut Klages ist emeritierter Professor für Verwaltungswissenschaften und Soziologie und forscht unter anderem zum Thema Bürgerbeteiligung. Zuletzt war er an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer tätig.

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Solingen: Bürger sparen mit

Wie die RP-Online berichtet, wird in Solingen (160.000 EW) Anfang März 2010 der Startschuss für den ersten Bürgerhaushalt fallen. Demnach werden die Solinger Bürgerinnen und Bürger vor allem dazu aufgerufen, Sparvorschläge der Verwaltung zu bewerten:

45 Millionen Euro muss die Stadt Solingen einsparen, damit sie nicht im Jahr 2013 pleite ist und von einem Sparkommissar regiert wird. Und damit die Einwohner mitbestimmen können, wo die finanzielle Daumenschraube fester oder lockerer angesetzt werden soll, wird es demnächst einen Bürgerhaushalt geben. „Auf einer Internetplattform können die Bürger Sparvorschläge bewerten, kommentieren und auch eigene Vorschläge machen“, erklärte Thomas Koch, Koordinator beim Stadtkämmerer, gestern im Seniorenbeirat und zuvor bereits im Behindertenbeirat.

Der Auftrag an die Bürgerinnen und Bürger ist also, sich am Sparen zu beteiligen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, wird das Angebot daher auch kritisch gesehen. So heißt es im Bericht von Susanne GENATH vom 28. Januar auch:

Die Mitglieder des Seniorenbeirates begrüßten den ersten Solinger Bürgerhaushalt, bedauerten aber, dass die Bürger keine freien Gestaltungsmöglichkeiten hätten, sondern nur über Sparmaßnahmen entscheiden dürften. „So können wir nur zwischen Pest und Cholera wählen“, sagte Julia Freiwald (Grüne) und erntete dafür Zustimmung in der Runde. Nichtsdestotrotz regte Vorsitzender Herbert Gerbig (SPD) an, dass sich möglichst viele an der Umfrage beteiligten.

Lesen Sie hier den gesamten Artikel >>>

Wir haben in unserer Karte für Solingen den Status von „B“ auf „E“ geändert (E = Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden).

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Mit Bürgerhaushalt Wandel erreichen – Internationaler Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin

Pressemitteilung zum Internationalen Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin der Bundeszentrale für Politische Bildung und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt

Am 21. und 22. Januar 2010 diskutierten in Berlin über 160 internationale Experten und Praktiker aus 13 Ländern über den kommunalen Bürgerhaushalt. In vielen Teilen der Welt – etwa in Afrika und Südamerika – erweist sich der Bürgerhaushalt als erfolgreiches Instrument der Bürgerbeteiligung. Deutsche Kommunen scheinen bisher noch zögerlich zu sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Centre Marc Bloch und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH luden deshalb zum internationalen Erfahrungsaustausch ein. In Foren und Diskussionsrunden analysierten die Teilnehmer die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes und ihre Eignung für Deutschland.

Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den Vertretern aus deutschen Kommunen auf großes Interesse, auch wenn Instrumente oft nicht eins zu eins übertragbar sind. „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der bpb. „Der Bürgerhaushalt ist und kann ein erfolgreiches Beteiligungsinstrument für alle Bürgerinnen und Bürger werden; für Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren.“

So fand beispielsweise ein in der senegalesischen Gemeinde Fissel praktizierter Bürgerhaushalt viel Beachtung und Anerkennung. „Afrika ist hier viel weiter als wir!“, stellte einer der Teilnehmer fest. Anita Reddy, Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt, SKEW, ergänzt: „Afrika ist ein Kontinent, der reich an sehr unterschiedlichen Beispielen des Bürgerhaushaltes ist. Das könnte in Zukunft zu neuen Modellen führen, in denen Demokratisierung als ein wesentliches Thema erfasst wird, die aber auch die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zu Bildung, Wissen und politische Einflussnahme einbeziehen.“

Doch beim Bürgerhaushalt geht es um mehr als die Verteilung knapper Ressourcen: er mobilisiert Menschen zur Teilhabe an Demokratie, fördert soziale Gerechtigkeit, politische Bildung und Armutsbekämpfung. Wichtig ist dabei sowohl die Einbettung des Bürgerhaushaltes in ein nachhaltiges kommunales Beteiligungskonzept als auch die Transparenz des Verfahrens. Allerdings ist es schwierig, die gelungene Implementation sichtbar zu machen, denn die Wirkung eines Bürgerhaushaltes ist nur schwer messbar.

Angesichts vieler neuer Herausforderungen der Kommunen bietet sich der Bürgerhaushalt als Instrument an, um den Wandel mitzugestalten. „Wandel ist eine inhärente Eigenschaft des Bürgerhaushaltes, er inspiriert Menschen, etwas zum Guten zu verändern,“ bilanziert Josh Lerner von der New School for Social Research in New York. „Deshalb muss ein Bürgerhaushalt nicht perfekt sein: beginnen Sie einfach und verbessern Sie ihren Haushalt Jahr für Jahr.“

Die Veranstaltung war hierfür ein wichtiger Impulsgeber. Dr. Béatrice von Hirschhausen, Stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch (cmb), sagt: „Ein spannender und anregender Kongress, der den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch befördern soll.“

Antworten, Ideen und Kontakte mit Experten, wie dem nationalen Netzwerk der Bürgerhaushälter, bieten die bpb und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt.

Pressekontakt
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH
Heike Wülfing
Friedrich-Ebert-Allee 40
53113 Bonn
Mobil: 0171 5400 920
hf.wuelfing@t-online.de

Pressekontakt/bpb
Bundeszentrale für politische Bildung
Daniel Kraft
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515–200
Fax +49 (0)228 99515–293
presse@bpb.de

Die Pressemitteilung als PDF-Dokument (59 KB) >>>

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Los Angeles Budget Challenge

LA Budget

Die Stadt Los Angeles führt aktuell eine Bürgerbeteiligung am Haushalt durch. Wie viele Städte weltweit nicht nur in den USA steht LA vor der Herausforderung eine Haushaltssicherung durch Einsparungen und Einnahmeerhöhungen vorzunehmen. Auf der Seite Los Angeles Budget Challenge können die Bürgerinnen und Bürger zwischen verschiedenen Vorschläge zum Haushalt auswählen und jeweils nachvollziehen wie sich Ihre Vorschläge auf das (einzusparende) Budget der Stadt auswirken. Auch wenn es sich hier nicht im engeren Sinne um einen Bürgerhaushalt handelt, ist das Projekt der Stadt Los Angeles dennoch ein sehr interessantes Beispiel für Bürgerbeteiligung über das Internet.

How will you balance the City’s budget?

The General Fund deficit for next fiscal year is projected to be about $408 million. Therefore the „status quo“ bar sets that budget deficit at $400 million. The „Your Budget“ bar shows your budget deficit before your current choice. The „New Budget“ bar shows your budget deficit after your current choice. The Los Angeles Budget Challenge attempts to provide you with enough spending reduction options and revenue options to adequately address this deficit.

Zur Bürgerbeteiligung der Stadt Los Angeles >>>

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Dauerbrenner Stadt Hilden

In Hilden (57.000 EW, NRW) wird der Bürgerhaushalt nunmehr zum 8. durchgeführt. Erneut werden die Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, wobei diesmal wieder eine ganz besondere Form der Informationsvermittlung zum Haushalt gewählt wird. So berichtet CHRISTOPH SCHMIDT der RP-Online (23.12.2009):

2010 steht die Informationsveranstaltung unter dem Titel „Hildopoly“. Am Samstag, 23. Januar, können interessierte Einwohner von 11 bis 13 Uhr in der Sporthalle am Weidenweg erleben, was die Stadt mit ihren Einrichtungen leistet und was das kostet. „Beim letzten „Hildopoly“ vor sieben Jahren waren wir von der Resonanz positiv überrascht“, erläuterte Stadtkämmerer Heinrich Klausgrete gestern bei der Vorstellung des Programms: „Über 550 Bürger ließen sich informieren und füllten 135 Fragebögen mit 65 Anregungen zum damaligen Haushalt aus.“ Ein Beispiel: Die Feuerwehr stellte damals die Uniform eines Brandbekämpfers aus und versah jedes Teil mit einem Preisschild. „Das hat die Besucher sehr beeindruckt“, erinnert sich Bürgermeister Horst Thiele. Die Stadt habe den 29 teilnehmenden Einrichtungen keine Vorgaben gemacht: „Es wird spannend sein zu sehen, wie sich jedes Amt präsentiert.“ Vorstellen werden sich unter anderem das Amt für Finanzdienstleistungen, die Musikschule, das Tiefbauamt, die Bücherei, der Bauhof, Musikschule, Sportbüro, die Sozialpädagogische Einrichtung SPE Mühle, aber auch die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, die Stadtwerke und die Volkshochschule. Sie repräsentieren mit ihren Dienstleistungen rund die Hälfte der gut 160 Millionen Euro, die die Stadt im kommenden Jahr ausgeben will.

Damit greift die Stadt Hilden auf ein bereits 2002 erfolgreich durchgeführtes Beteiligungs-Instrument zurück, durch das auf eine spielerische Art und Weise vermittelt wird, für welche Leistungen die Stadt welche finanziellen Mittel aufwenden muss. Ein Format, das auch für andere Städte als Vorbild dienen kann.

Aus unserer Sicht hat die Stadt Hilden allerdings noch Nachholbedarf was die Konsultation Ihrer Bürgerinnen und Bürger angeht. Um die Bürgerinnen und Bürger als Ideen‑ und Vorschlagsgeber und Prioritätensetzer in die kommunale Haushaltsplanung einzubeziehen, ist sicherlich eine Weiterentwicklung des Bürgerhaushaltes mit Blick auf „Konsultation“ notwendig. Das können Vor-Ort-Formate sein, die stärker darauf ausgerichtet sind, zusammen mit den Teilnehmenden Vorschläge für die kommunale Haushaltsplanung zu entwickeln. Oder – wie in den allermeisten Neueinsteiger-Kommunen – elektronisch unterstützte Beteiligungsformate (E-Partizipation), um den Bürgerhaushalt eine stadtweite Sichtbarkeit zu verleihen und um eine hohe Beteiligung zu erreichen, die über diejenige von Vor-Ort-Veranstaltungen deutlich hinaus geht.

Hier geht es zum Beitrag der RP-Online:
„Hildopoly: Wo bleibt das Geld der Bürger?“ >>>

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neue Literatur: Bürgerbeteiligung und Macht und Bürgerhaushalte in Europa

Zwei neue Titel im Bereich Bürgerbeteiligung und neue Medien sind kürzlich erschienen:

„Von der Bürger zur Solidarkommune – Lokale Demokratie
in Zeiten der Globalisierung“
von Carsten Herzberg:

Ausgehend von den Bürgerhaushalten in Deutschland und einigen internationalen Beispielen diskutiert Carsten Herzberg die Frage der Macht bei Verfahren der Bürgerbeteiligung. Welchen Einfluss haben Bürger auf die lokale Demokratie, wie kann Partizipation zu einer Entlastung von Kommunen in Zeiten der Globalisierung beitragen?

Und „Der Bürgerhaushalt in Europa – eine realistische Utopie?“ von Yves Sintomer, Carsten Herzberg und Anja Röcke:

Es gibt eine Wahlverwandtschaft von Partizipation und Verwaltungsmodernisierung – dies ist die zentrale These des Buches, die anhand einer systematisch-vergleichenden Studie zum Bürgerhaushalt in Europa vorgestellt wird. Bürgerhaushalte gehören zu den innovativsten
Verfahren der Bürgerpartizipation heute und haben sich während der letzten Jahre in mehreren europäischen Ländern entwickelt. In diesem Buch werden die Verfahrensweise und Ergebnisse der Bürgerhaushalte in Europa vorgestellt sowie eine Typologie der partizipativen Demokratie allgemein. Darüber hinaus gibt das Buch Einblick in die Parallelen und Differenzen lokalpolitischer Systeme und der (lokalen) Demokratie in Europa heute.

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Bürgerhaushalt Köln gestartet

Über dreihundert Besucherinnen und Besucher kamen zur Auftaktveranstaltung am 17. November in den Kölner Gürzenich.

Als Oberbürgermeister Jürgen Roters die Veranstaltung kurz nach 18 Uhr im großen Saal des Gürzenichs eröffnete, waren bereits über einhundert Vorschläge zu den Themen Bildung/Schule und Umweltschutz auf der Internetplattform eingegangen, die pünktlich um 0 Uhr freigeschaltet worden war. Oberbürgermeister Roters ging in seiner Begrüßungsrede noch einmal auf den viel beachteten Erfolg des ersten Bürgerhaushalts 2008 ein und wünschte der zweiten Auflage ein ebenso gutes Gelingen. Er werde diesen Weg der aktiven Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Haushaltsplanung der Stadt, der in der Amtszeit seines Vorgängers begonnen wurde, weiter unterstützen und fortführen.

Zu den Themenbereichen Bildung/Schule und Umwelt hatten die beteiligten städtischen Fachbereiche Informationsstände aufgebaut. Das Amt für Umweltschutz präsentierte zum Beispiel ein Aquarium mit Flusskrebsen, um auf die Gefahren der heimischen Population hinzuweisen. Das Schulverwaltungsamt informierte unter anderem über die regionale Bildungslandschaft.

Durch den Abend führte die Journalistin Anke Bruns, die im Anschluss an die Eröffnungsansprache von Oberbürgermeister Roters Stadtkämmer Dr. Norbert Walter-Borjans interviewte. Der Haushaltsentwurf für 2010 war einen Tag zuvor in den Rat eingebracht worden. Laut dem Stadtkämmerer weist der Haushalt des Jahres 2009 nach der Planung einen Fehlbetrag von rund 102,5 Millionen Euro aus. Unter Berücksichtigung aller bisher bekannten Verbesserungen und Verschlechterungen zeichne sich nach aktueller Hochrechnung für 2009 ein fortgeschriebener Fehlbetrag von rund 125,0 Millionen Euro ab. Ein konsequenter Sparkurs ist daher unabdingbar. Es gilt, Prioritäten für die Verwendung der städtischen Haushaltsmittel zu setzen. Umso wichtiger ist es, die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Vorschlägen in die Haushaltsplanung einzubeziehen.

Wie Dr. Josef Wehner (Fraunhofer Institut IAIS) und Dr. Oliver Märker (Zebralog) in ihren Präsentationen erläuterten, weist das diesjährige Beteiligungsverfahren neben Bewährtem einige Neuerungen auf:

Im Mittelpunkt steht wie gehabt die Internetplattform. Ebenso möglich ist wieder die Beteiligung per Telefon über das Call-Center unter der Rufnummer 0221⁄221–33330 sowie über schriftliche Antwortbögen. Die Online-Phase läuft diesmal über 5 Wochen vom 17. November bis zum 20. Dezember 2009. In den ersten dreieinhalb Wochen bis zum 11. Dezember können Sie Vorschläge machen, kommentieren und bewerten. Die Bewertung und Kommentierung ist noch weiter möglich bis zum 20. Dezember 2009. Danach bleiben alle Vorschläge weiterhin im Internet einsehbar. Schriftliche Vorschläge und Bewertungen müssen jedoch bis spätestens zum 8. Dezember 2009, 24 Uhr, vorliegen, um in das Verfahren aufgenommen werden zu können.

Den Schusspunkt der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Politikern der im Rat vertretenen Fraktionen und Mitgliedern des Lenkungsausschusses Bürgerhaushalt.

Zur Beteiligungsplattform http://buergerhaushalt.stadt-koeln.de
Mehr Informationen zum Bürgerhaushalt auf stadt-koeln.de/buergerhaushalt >>>

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Köln: Zentrale Auftaktveranstaltung am 17.11.09 zum Bürgerhaushalt 2010

Zum Start des Bürgerhaushalts 2010 findet die zentrale Informationsveranstaltung wieder im Kölner Gürzenich statt: 17. November, 18:00 Uhr.

Die Begrüßungsansprache wird Oberbürgermeister Jürgen Roters halten. Im diesjährigen Bürgerhaushalt stehen die Themenbereiche Bildung/Schule und Umweltschutz im Mittelpunkt. Die beteiligten Fachbereiche der Verwaltung präsentieren mit Informationsständen ihre jeweiligen Aufgaben und Angebote. Außerdem werden die Bürgerinnen und Bürger über den konkreten Ablauf des Bürgerhaushalts und Ihre Beteiligungsmöglichkeiten informiert (Internet, schriftlich, telefonisch).

Die aktuelle Wirtschafts‑ und Finanzkrise wirkt sich spürbar auch auf die Finanzen der Stadt Köln aus. In Zeiten knapper Kassen und in Anbetracht der angespannten finanziellen Situation sollen im diesjährigen Bürgerhaushalt daher Vorschläge zu Einsparungen größeres Gehör finden. Es gilt, Prioritäten zu setzen und die verbleibenden Gelder innerhalb der bestehenden Budgets zu verschieben.

In Podiumsrunden werden Vertreterinnen und Vertreter des Beirats sowie der Kölner Ratsfraktionen über die Ziele des Verfahrens diskutieren. Das Publikum erhält die Möglichkeit, Fragen zu stellen und wird in die Diskussion einbezogen.

Mehr Informationen >>>

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e-Participatory Budgeting in Germany

PEP-NET (Pan European eParticipation Network) ist eine Plattform, die über Bürgerbeteiligungen in Europa informieren und Akteure vernetzen will. Der Beitrag „e-Participatory Budgeting in Germany“ informiert in englischer Sprache über Bürgerhaushalte in Deutschland.

Der Artikel geht auf die unterschiedlichen Möglichkeiten und Modelle für Bürgerbeteiligungen am Haushalt ein. Näher beleuchtet werden die Bürgerhaushalte in Hamburg, Berlin, Leipzig, Köln und Freiburg.

Like in other European countries participatory budgeting is one of the most prominent examples of citizen participation in politics in Germany. More than 115 municipalities or cities are currently about to implement or have already implemented participatory budgeting projects.
[…]

Zum Beitrag bei PEP-NET >>>

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Gastbeitrag | Bürgerhaushalte als elektronisch unterstütztes Verwaltungsverfahren

Guido Kahlenvon Guido Kahlen

Als erste deutsche Großstadt führte Köln einen Bürgerhaushalt auf Basis des Neuen Kommunalen Finanzmanagements durch. Mit dem Pilotprojekt zum Bürgerhaushalt 2008 wurde dabei gleichzeitig „E-Participation“ als neuer Service der Stadtverwaltung eingeführt, der das Ziel verfolgt, Bürgerbeteiligung mit Hilfe des Internets effektiv, transparent und handlungsorientiert zu unterstützen. Köln hat damit ein national sowie international viel beachtetes Projekt zur Entwicklung einer modernen Bürgerkommune erfolgreich in die Tat umgesetzt. Dieser Weg wird durch Beschluss des Stadtrates getragen, fortgeführt und ausgebaut.

War das Internet bis vor kurzem eher ein Informationspool einiger weniger „Eingeweihter“, die sporadisch auch eigene Inhalte veröffentlichten ist das sog. Web 2.0 mittlerweile in aller Munde.
Mit dem Begriff Web 2.0 verbindet sich der Gedanke, aus dem Internet einen virtuellen Ort der Partizipation und gemeinsamen Problemlösung zu machen. Gerade wir als Kommune können dieses Prinzip nutzen, indem wir Bürger stärker an Planungs‑ und Entscheidungsprozessen beteiligen. Unter den derzeit praktizierten Beteiligungsverfahren ragen vor allem solche zur Haushaltsplanung hervor, denn wie viele andere Kommunen in Deutschland rechnet auch Köln für die nächsten Jahre mit großen wirtschaftpolitischen Herausforderungen.

Warum sollte man diese Herausforderung ohne Konsultation der Bürger annehmen? In einer Zeit, in der Millionen Menschen die gängigen interaktiven Internet-Plattformen aktiv nutzen um sich mitzuteilen, sich am täglichen Geschehen beteiligen und an gemeinsamen Projekten mitwirken wollen. Wir in der Kommune haben diese Entwicklung lange Zeit nur als »Zaungast« beobachtet. Es geht nun darum, dieses Partizipationsverhalten aufzunehmen und uns aktiver in das mediale Geschehen und die Dialoge einzubringen. Dabei gilt es, nicht den Fehler zu machen, die Kommunikationsmöglichkeiten die das „Web 2.0“ bietet und die vom Bürger als „State of the Art“ erwartet werden, außer Acht zu lassen. Wie die direkte Kommentierung von Artikel in den Internet-Ausgaben vieler Zeitungen müssen Partizipationsverfahren Dialog-orientiert, leicht zugänglich, schnell und übersichtlich sein. Das Thema E-Partizipation ist relevanter Bestandteil unserer E-Government-Strategie. Wir dürfen die Gestaltung dieses zusätzlichen, jedoch immer wichtiger werdenden öffentlichen Raumes nicht ausschließlich der Web 2.0 Generation oder der Wirtschaft überlassen.

In Köln haben wir unser Projekt vorrangig unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet. Erfolg hat Bürgerbeteiligung wenn mehrere Herausforderungen gemeistert werden: Das Verfahren ist zum einen so zu gestalten, dass es in den Alltagswelten der Bürger der Kommune Resonanz findet und zur Beteiligung motiviert; zum anderen ist das Verfahren auch in den politischen und behördlichen Alltag möglichst reibungsarm zu integrieren. Beide Verankerungen verlangten eine technisch-organisatorische Gestaltung des Verfahrens. Gleichzeitig wollten wir das Projekt im Rahmen unserer E-Partizipation-Strategie auch als integralen Bestandteil des Ideen‑ und Wissensmanagements der kommunalen Verwaltung verstanden wissen. Sieht man diese Arbeiten im Gesamtkontext mit dem Projekt D115 und der Umsetzung der EU-DLR, zeigt sich die Stadt Köln als eine moderne, kundenorientierte Verwaltung.

Der Autor
Guido Kahlen ist seit Juni 2006 Stadtdirektor der Stadt Köln. Er leitet das Dezernat Ⅰ – Allgemeine Verwaltung, Ordnung und Recht und hat das Projekt Kölner Bürgerhaushalt von Anfang an verantwortlich begleitet.

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Interview: „Hat sich der Bürgerhaushalt durchgesetzt oder bleibt er ein Experimentierfeld der Kommunalpolitik?“

Im Interview mit der Märkischen Allgemeinen spricht Christian Wilhelm von der Servicestelle „Kommunen in der einen Welt“ (InWent) über den Bürgerhaushalt als Instrument in der Kommunalpolitik. Im Rahmen seiner Arbeit bei der Servicestelle, die die Seite Buergerhaushalt.de mit ins Leben gerufen hat, begleitet Christian Wilhelm die Entwicklung des Thema Bürgerhaushalt bereits seit längerem.

Reden die Bürger wirklich mit bei den Bürgerhaushalten oder bekommen sie nur Häppchen vorgeworfen?

Wilhelm: Es gibt unterschiedliche Systeme – je nachdem, was man bezweckt. Die Städte können ihre Haushalte in Teilen oder als Ganzes zur Disposition stellen. In Köln wurden zum Beispiel bestimmte Bereiche ausgesucht. Es kamen dann 5000 Vorschläge. Das sind ungeheuer viele. So wird auf Missstände aufmerksam gemacht, die sonst nicht gesehen wurden. Wenn Jüterbog 5000 Euro einstellt, ist das zwar eine magere Summe. Aber es geht nicht nur ums Geld, sondern darum, dass Politik und Verwaltung erkennen, wo den Bürgern der Schuh drückt.
[…]

Das vollständige Interview in der Märkischen Allgemeinen >>>

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Grußwort von Dr. Wolfgang Schäuble

Demokratie braucht Bürgerbeteiligung, Meinungsaustausch und transparente Entscheidungsprozesse. Sie sind das beste Mittel gegen Politikmüdigkeit und Politikverdrossenheit. Deshalb unterstützt die Bundesregierung gute Angebote, die den konstruktiven, zielorientierten Dialog zwischen staatlichen Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern fördern.

Zu solchen Angeboten zählen auf kommunaler Ebene die Bürgerhaushalte. Es gibt sie in Deutschland erst seit einigen Jahren. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen können wir sagen: Das Verfahren hat sich bewährt.

Beim Bürgerhaushalt können sich Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen und Interessenlagen beteiligen. Vielfalt der Meinungen und Ideen ist erwünscht. Moderne Abstimmungsverfahren via Internet machen politische Mitwirkung einfacher und attraktiver, auch für diejenigen, die sich schwer tun mit den traditionellen Verfahren in der kommunalen Selbstverwaltung.

Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und angesichts von Finanz‑ und Wirtschaftskrise ist es gut, wenn Menschen wissen und auch im konkreten Fall mitbestimmen, wofür ihre Steuergelder ausgegeben werden. Die Chance liegt in einem Zugewinn an Transparenz und Gestaltungskraft und, darauf aufbauend, in einer Stärkung des Vertrauens der Bürger in Politik und Verwaltung. Beide Seiten lernen voneinander, die Qualität und auch die Akzeptanz von Entscheidungen wachsen.

Die Internetseite www.buergerhaushalt.de bietet vielfältige Informationen und Erfahrungsberichte, Wissenswertes aus Theorie und Praxis. Ich wünsche all denen, die hier fündig werden und sich in ihrer Kommune für Bürgerhaushalte stark machen wollen, viel Erfolg.

Dr. Wolfgang Schäuble MdB
Bundesminister des Innern



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Erfurt: Bürgerhaushalt startet

Laut einer Meldung auf www.erfurt.de, startet die Beteiligungsphase zum Bürgerhaushalt in Erfurt am 4. September 2009. Dabei wird erstmals auch auf E-Partizipation als neuen Beteiligungskanal mithilfe eines „Online-Forums“ gesetzt. Aus der aktuellen Pressemitteilung „Weltfinanzkrise und Bürgerbeteiligungshaushalt?“ vom 1. September erfahren wir:

Vom 4. September bis zum 11. Oktober 2009 findet die öffentliche Konsultations-Phase im dritten Erfurter Bürgerbeteiligungs­haushalt statt. Mit dem Pilotprojekt eines Online-Forums unter www.erfurt.de und in diesem Jahr vier Informationsveranstaltungen im Stadtgebiet wurde das Beteiligungsangebot erneut erweitert. Ziele des Bürgerbeteiligungshaushaltes in Erfurt sind die Transparenz des städtischen Haushaltes und seiner Prozesse, die Stärkung des Dialoges zwischen den Bürgern, den Parteien und der Verwaltung und die Einbringung der Bürgeranregungen in die Haushaltsberatungen.

Die Fragestellung in diesem Jahr: Auf welche der folgenden Themen/Stichwörter sollten aus Ihrer Sicht im städtischen Haushalt 2010 stärkere Akzente gesetzt werden?

Schulen und Turnhallen ● Volkshochschule, Bibliotheken ● Spielplätze ● Bau, Unter­haltung und Sanierung von Sportstätten und Bädern ● Sanierung von städtebaulich bedeutenden Brachen ● Geh – und Radwegenetz, Pflege/Unterhaltung von Wegen und Plätzen ● Naherholung, Verbesserung/Ausbau von Grün‑ und Parkanlagen ● Öf­fentlicher Nahverkehr – Stadtbahn und Bus ● Ordnung und Sicherheit in der Stadt und im öffentlichen Nahverkehr ● Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing ● e nergieeffi­ziente Stadt, Kostensenkung bei Heizung und Strom etc. ● Museen und Theater ● freie Kultur, Soziokultur und Stadtteilzentren ● Bürgerhäuser und Bürgerzentren ● Entwick­lungskonzepte für Ortsteile ● Kindereinrichtungen, Aktionen für Kinder ● Jugendsozi­alarbeit und Jugendförderung ● Seniorenpflege/-betreuung, barrierefreie Stadt, Ver­anstaltungen ● Sozialer, moderner, altersgerechter und bezahlbarer Wohnraum

Die diesjährige Bürgerbeteiligung steht vor dem Hintergrund von Welt­finanzkrise, Abwrackprämie und Steuereinbrüchen. Hinzu kommen zur weiteren Verunsicherung fast im wöchentlichen Rhythmus andere Prognosen: die Krise ist vorbei, sanfte Landung, harte Landung…

Positiv ist, dass aus dem Konjunkturpaket dringend notwendige Maß­nahmen in Erfurt realisiert werden können. Sanierungsmaßnahmen, wie sie insbesondere an unseren Schulen und Kindertagesstätten seit Jahren dringend notwendig waren. Dies ist allerdings auch verbunden mit hohen finanziellen Belastungen, die die Stadt zu schultern hat.

All diese Rahmenbedingungen machen die Aufstellung eines ausgegli­chenen Haushaltes für das Jahr 2010 – aber auch die Bürgerbeteili­gung – zu einer besonderen Herausforderung, auch an die Ernsthaftigkeit und Dialogkultur aller Beteiligten.

Ein Haushaltsentwurf liegt während der Beteiligungsphase, anders als in den vergangenen Jahren, noch nicht vor. Es kann somit nicht über konkrete Zahlen diskutiert werden. Stattdessen werden die obigen 19 Themen/Stichwörter zur Diskussion angeboten, zu denen Anregungen und konkrete Vorschläge erfragt werden. Insbesondere der Gedanke von zusätzlicher Effizienz und sinnvollen finan­ziellen Einsparmöglich­keiten sollte stärker als in den ersten beiden Jahren bei der Erarbei­tung und Diskussion der Vorschläge einen Rolle spielen. Angesichts der absehbaren Haushaltsentwicklung bieten die Anregungen aus der Bür­gerschaft einen Rahmen, der den Stadträten bei der Entscheiungs­findung helfen wird.

Hierzu eignet sich insbesondere die mit dem Pilotprojekt des Online-Forums gegebene Möglichkeit, Ideen einzubringen, zu kommentieren und gemeinsam mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern weiterzuent­wi­ckeln und zu konkretisieren. Es besteht natürlich wie 2007 und 2008 die Möglichkeit, in einem einfachen Online-Formular oder per Post an die Stadtverwaltung, Anregungen in den Konsultationsprozess einzu­bringen. Diese werden dann anonymisiert und in das Forum zur weiteren Diskussion eingespeist. Ziele des Bürgerbeteiligungs­haushaltes in Erfurt sind die Transparenz des Haushaltes und seiner Prozesse, die Stärkung des Dialoges zwi­schen den Bürgern, den Parteien und der Verwaltung und die Einbrin­gung der Bürgeranregungen in den Haushalt. Die abschlie­ßende Ent­scheidung über den Haushalt verbleibt beim gewählten Stadtrat. Nach Beschluss des Haushaltes soll im Frühjahr 2010 darüber informiert werden, welche Vorschläge Mehrheiten gefunden haben und in den Haushalt 2010 aufgenommen werden konnten, beziehungsweise wel­che nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt realisierbar sind.

Damit zeigen sich auch in Erfurt zwei Trends in der aktuellen Bürgerhaushalte-Landschaft in Deutschland: Zum einem wird zunehmend auf das Internet als Beteiligungsmedium gesetzt (neben anderen). Zum anderen werden die Bürger/innen aufgefordet, Vorschläge zu vorgegebenen Themenschwerpunkten zu formulieren, die dann in die Haushaltsberatungen einfließen. Dadurch scheint die Anschlussfähigkeit des Verfahrens an die politisch-administrativen Beratungsprozesse am ehesten gewährleistet zu sein. Wir werden das Verfahren in Erfurt beobachten und hier wieder darüber berichten.

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