Franz-Albert Heimer, Lokale Agenda 21 Freiburg – Projektgruppe Beteiligungshaushalt, berichtet über den aktuellen Stand des Bürgerbeteiligungshaushaltes der Stadt Freiburg:
Es gibt Neuigkeiten vom Freiburger Beteiligungshaushalt zu berichten. Die „Schlagzeilen“
1. Neuer Durchlauf
2. Neue Strukturen
3. Neue Presseberichte
4. Neue Aktivitäten der Projektgruppe
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1. Der zweite Durchlauf ist im Gang. Wenn auch drastisch reduziert +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
a) Bürgerumfrage: Vor einigen Monaten wurde die alle zwei Jahre fällige Bürgerumfrage 2010 abgeschlossen, bei der einige Fragen (3 von 60) zu den städtischen Finanzen und einige zur politischen Beteiligung gestellt wurden. Die im Januar 2011 veröffentlichte Auswertung finden sich hier:
www.freiburg.de/servlet/PB/menu/1156697/index.html
www[…] beteiligungshaushalt_2011_12.pdf
b) Online-Diskussion: am 8.2. startete die Online-Bürgerbeteiligung, die dem Kölner Modell sehr ähnlich ist – ein Schritt in die richtige Richtung.
Sehr gut ist gleich die prominente Einbindung auf der Startseite:
www.freiburg.de/servlet/PB/menu/-1_l1/index.html
Der städtische Internetauftritt wurde in den letzten Jahren laufend verbessert, ist übersichtlicher und informativer geworden – und damit generell eine gute Umgebung für die Informationen zum Beteiligungshaushalt.
Wer gleich zur eigentlichen Seite des Beteiligungshaushaltes möchte:
beteiligungshaushalt-freiburg.de/drupal/index.php?q=startseite
Was bringt diese neue Form der Online-Beteiligung?
BürgerInnen können in diesem Jahr nun online konkrete Vorschläge machen sowie alle Vorschläge auch diskutieren und bewerten. Das bietet mehr Möglichkeiten als der sog. „Haushaltsrechner“ beim ersten Freiburger Beteiligungshaushalt 2009⁄2010 (bei dem man nur an den abstrakten Haushaltstiteln „drehen“ konnte, die kaum jemand versteht):
– durch die konkreten Vorschläge wird es für alle Beteiligten verständlicher
– durch die Diskussionsmöglichkeit kann man das Meinungsspektrum besser durchschauen und andere Aspekte des Themas kennenlernen (und die Beteiligten nehmen diese Möglichkeit wahr und diskutieren sehr engagiert)
– durch die Bewertung haben alle, einschließlich des Gemeinderats, am Ende eine klare Prioritätenliste der an der Debatte beteiligten BürgerInnen
– außerdem hat das städtische Team vor, auch die Stellungnahmen der Verwaltung und die Beschlüsse politischer Gremien zu den konkreten Vorschlägen gleich dort zu dokumentieren. So weiss man jederzeit, was aus dem Vorschlag eigentlich wird. Und das ist es doch, was so eine Bürgerbeteiligung erst interessant macht: dass die Bürgervorschläge in Verwaltung und Gemeinderat ernsthaft geprüft werden und zumindest teilweise daraus Taten folgen.
Wie nah die Freiburger Variante am Ende dem preisgekrönten Kölner Modell kommt, werden wir sehen. Schauen Sie selbst:
buergerhaushalt.stadt-koeln.de/2010/
Fazit: Aus der Sicht der PG Beteiligungshaushalt ist damit das städtische Konzept zwar auf dem richtigen Weg, aber noch weit vom Ziel entfernt. Für eine erfolgreiche Bürgerbeteiligung sind noch viele weitere Schritte zu gehen, z.B.
– auch direkte Diskussionen ermöglichen: auf der Ebene von Stadtbezirken und Stadtteilen. Die leider vom Gemeinderat beschlossene Kopplung an die Stadtteilentwicklungspläne bedeutet faktisch, dass hier lange nichts oder fast nichts passiert.
– die Beteiligungsformen inhaltlich aufeinander abstimmen und nicht isoliert nebeneinander zu stellen
– mehr Geduld! Ein langer Atem und realistische Erwartungen sind notwendig. Das Vertrauen der BürgerInnen in ein Beteiligungsverfahren wächst nur über Jahre. Der Graben zwischen Verwaltung/Politik hier, BürgerInnen dort – er ist nun mal da, darüber sollte man sich nichts vormachen. Gerade dann nicht, wenn man ihn zuschütten möchte.
Weitere Vorschläge der Projektgruppe finden Sie in unserer Zwischenbilanz zum ersten Durchlauf des Freiburger Beteiligungshaushaltes:
treffpunkt-freiburg.de/PG_Beteiligungshaushalt_Materialien
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2. Innerhalb der Stadtverwaltung neue Strukturen geschaffen
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Einige dieser Maßnahmen bewerten wir als positiv, andere sind nicht so recht nachvollziehbar. Unser Maßstab: wie im Freiburger Nachhaltigkeitsrat vorgeschlagen, wäre die Schaffung einer Organisationseinheit sinnvoll, die die eng verwandten Politikfelder Bürgerbeteiligung, Engagementförderung und Nachhaltigkeitsmanagement (Management des Nachhaltigkeitsprozesses) abdeckt. Die viel zitierten Synergieeffekte wären hier zweifelsfrei gegeben. Dafür gibt es auch Vorbilder aus anderen Städten. Was tut sich dazu in Freiburg?
a) Beteiligungshaushalt: die Verantwortung für das Beteiligungsverfahren ist, so eine organisatorische Grundsatzentscheidung, von der persönlichen Referentin des OBs ins Dezernat Ⅲ gewechselt (das wie schon beim ersten Durchlauf mit Presseamt und Kämmerei zusammenarbeitet). Die PG Beteiligungshaushalt begrüßt es, dass die Verantwortung für den Beteiligungshaushalt an eigens dafür zuständige MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung übertragen wurde, die in kurzer Zeit ein ansehnliches Ergebnis auf die Beine stellten. Dafür wurde zusätzlich eine halbe Stelle befristet bereitgestellt – ob damit schon ausreichend personelle Kapazitäten geschaffen wurden, wird sich zeigen.
b) Bürgerbeteiligung und Engagementförderung: die ebenfalls im Dezernat Ⅲ angesiedelte Stabsstelle Bürgerengagement hat interessanterweise erstmals auch Verantwortung für eine Maßnahme der Bürgerbeteiligung übertragen bekommen: das Bürgerforum 2011:
www.freiburg.de/servlet/PB/menu/1236363_l1/index.html
Inwiefern allerdings dieses Bürgerforum die Bürgerbeteiligung in Freiburg voranbringt (oder eine isolierte Angelegenheit bleibt), wird sich zeigen.
ⅽ) Nachhaltigkeitsprozeß/Agenda 21-Prozeß: eine neue Stabsstelle Nachhaltigkeitsmanagement mit 1,7 Stellen ist zum 1.1.2011 geschaffen worden. Sie ist nach wie vor im Dezernat Ⅰ (OB) angesiedelt. Dieser Kapazitätszuwachs ist erfreulich, denn der Freiburger Agendaprozeß (Nachhaltigkeitsprozeß/Nachhaltigkeitsrat) litt vor allem in den letzten 2 Jahren sehr unter mangelnden Kapazitäten beim Prozessmanagement. Und die Ansiedlung im OB-Dezernat signalisiert, dass der OB das Nachhaltigkeitsmanagement auch weiterhin erfreulicherweise als Chefsache sieht. Jedoch wurde das bisher mit dieser Aufgabe betraute Agenda-Büro davon teilweise entbunden und in ein anderes Dezernat (Dez Ⅲ) verlegt. Inwiefern eine Übergabe stattfindet, wie die Arbeit von Agenda-Büro und Stabsstelle Nachhaltigkeitsmanagement künftig über die Dezernatsgrenzen hinweg verzahnt werden sollen – das sind derzeit noch offene Fragen.
Fazit: Die PG Beteiligungshaushalt betrachtet diese organisatorischen Veränderungen deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge: einerseits gibt es teilweise mehr personelle Kapazitäten und einen langsamen Trend zur Zusammenlegung der Verantwortlichkeiten für die „Drillinge“ Bürgerbeteiligung, Engagementförderung und Nachhaltigkeitsprozeß. Das sind wichtige Schritte. Andererseits ist die Verantwortung für den Nachhaltigkeitsprozeß (Agenda 21-Prozeß) aufgesplittert und auf verschiedene Dezernate verteilt worden. Schade!
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3. Presse
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Die örtliche Badische Zeitung begleitet den Beteiligungshaushalt insgesamt sehr informativ. Zahlreiche Berichte können dort online eingesehen werden (Suchbegriff „Beteiligungshaushalt“; allerdings ist die Datierung der Artikel in der Ergebnisliste oft irreführend):
www.badische-zeitung.de/
Manche dieser Artikel haben wir hier bereits für Sie als Links zusammengestellt:
www.treffpunkt-freiburg.de/PG_Beteiligungshaushalt_Materialien
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4. Aktivitäten der Agenda-Projektgruppe Beteiligungshaushalt ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Im September 2010 führten wir gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Außenstelle Freiburg) eine Veranstaltung mit Dr. Carsten Herzberg durch. Einen Bericht finden Sie hier:
treffpunkt-freiburg.de/PG_Beteiligungshaushalt_Materialien
Und den Bericht der Badischen Zeitung hier:
www.badische-zeitung.de/freiburg/was-heisst-hier-buergerbeteiligung–36632201.html
Ansonsten konzentriert sich die Projektgruppe angesichts der derzeitigen „vorsichtigen“ gemeinderätlichen Beschlusslage darauf, die Entwicklung zu beobachten und gelegentlich Impulse zu setzen.
Wir setzen darauf, dass der Demokratisierungsprozeß unvermeidlich ist, auch wenn es zu jedem Fortschritt auch reichlich Schritte zurück gibt. Er ist ein seit Jahrhunderten beobachtbarer gesellschaftlicher Megatrend, der noch nie deshalb aufhörte, weil er manchen unbequem war. In der heutigen Zeit sind es Ereignisse von „Wyhl“ bis Stuttgart 21, die den zunehmenden Demokratisierungsdruck kennzeichnen – und unter der „Wasseroberfläche“ die zunehmende „Politikverdrossenheit“. Politik und Verwaltung haben nicht die Wahl, ihn zu stoppen. Nur, ihn zu bremsen oder zu beschleunigen. Sie können sich dafür entscheiden, letztlich erfolglose Rückzugsgefechte zu führen – oder dafür, die sich seit einigen Jahrzehnten abzeichnende Stufe im Demokratisierungsprozeß aktiv mitzugestalten. Und dabei gibt es genug zu tun, es ist viel Intelligenz und Kreativität gefragt. Zum Beispiel bei der zentralen und spannenden Frage, wie man repräsentativdemokratische, direktdemokratische und kooperativdemokratische Beteiligungsformen wirkungsvoll miteinander verzahnt, so dass ein stabiles neues Gebäude unserer Demokratie entsteht.
Fazit zum Beteiligungshaushalt Freiburg: die Dinge bewegen sich. Allerdings wird noch viel Wasser die Dreisam hinunterfließen, bis ein optimales Verfahren erreicht ist.
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Tags: Freiburg | Köln