Internationale Beispiele

 

Broschüre: 7. Netzwerktreffen Bürgerhaushalt

Zum Thema „Sparen mit dem Bürgerhaushalt“ fand im Februar 2011 das Siebte Netzwerktreffen Bürgerhaushalt in Eisenach statt, u.a. mit einem Gastbeitrag zu den Haushaltskonsultationen in Solingen und Essen. Dazu gab es Weitere Schwerpunkte zu den Themenbereichen Netzwerkentwicklung und internationale Projekte. Hier ging es vor allem um die Weiterentwicklung von Landesnetzwerken (am Beispiel Thüringen) und internationale Erfahrungsberichte (Argentinien, Peru). Eine Dokumenation des Treffens ist nun online verfügbar oder kann kostenlos als Heftversion bestellt werden.

Link zur Dokumentation mit den Ergebnissen des siebten Netzwerktreffens

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Kenia: Haushaltsvorschläge über Social Media

Online-Bürgerhaushalte müssen nicht immer über aufwändige Plattformen umgesetzt werden. Wie Vorschläge auf simple Weise über Social-Media-Kanäle generiert werden können, zeigt ausgerechnet der stellvertretende kenianische Ministerpräsident und Finanzminister Uhuru Kenyatta.

Sein Facebook‑ und Twitter-Account erfreut sich schon seit längerem großer Beliebtheit (70.500 Fans auf Facebook, 4.150 Follower bei Twitter) und diese Popularität nutzte Kenyatta nun, um den kenianischen Bürgern eine Partizipationsplattform zu bieten: Er rief dazu auf, eigene Haushaltsvorschläge in ein Google-Dokument einzutragen. Diese Möglichkeit wurde insgesamt gut aufgenommen und verbreitet, viele posteten ihr Anliegen als Kommentar auf Facebook, einige trugen ihre Vorschläge direkt in das Dokument ein.

Seit dem 13. Mai ist die Beteiligungsmöglichkeit nun vorbei, Mitte Juni wird der aktuelle Haushalt Kenias beschlossen.

Link zum vollständigen Bericht über den kenianischen „Bürgerhaushalt“

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Weltkarte der Bürgerhaushalte

Tiago Peixoto (@participatory), Doktorant am European University Institute in Florenz, stellt im Internet eine Karte weltweiter Bürgerhaushalte zur Verfügung. Die „PB-Weltkarte“, die Karte der Participatory Budgeting Aktivitäten zeigt, dass Bürgerhaushalte (in ihren unterschiedlichsten Varianten) mittlerweile eine weltweite Verbreitung gefunden haben. Auch wenn die Karte lückenhaft sein mag – so fehlen auf der Weltkarte viele deutsche Kommunen (vergleiche Deutschlandkarte dieser Plattform) – stellt sie dennoch eine beeindruckende Zusammenstellung dar.

Ausschnitt aus der Weltkarte Participatory Budgeting

Andererseits: Die Karte kann auch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Weg zu einer wirklichen nachhaltigen Verbreitung noch weit ist. Es gibt viele Länder ohne jegliche dokumentierte Aktiviäten, und in den „Bürgerhaushalts-Ländern“ stellen die Aktiviäten immer noch eine Erscheinung weniger Kommunen dar.

Link: Weltkarte der Bürgerhaushalte
Linkempfehlung: Siehe auch Meldung Studie: Bürgerhaushalte weltweit

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Studie: Bürgerhaushalte weltweit

Studie über weltweite Bürgerhaushalte

Die Servicestelle hat die Studie „Vom Süden lernen: Bürgerhaushalte weltweit – eine Einladung zur globalen Kooperation“ herausgegeben. Ein internationales AutorInnenteam, welches sich aus Dr. Carsten Herzberg, Prof. Dr. Yves Sintomer, Giovanni Allegretti und Dr. Anja Röcke zusammensetzt, nimmt die LeserInnen mit auf eine Reise rund um den Globus, auf der ganz unterschiedliche Formen und Ausprägungen des „Bürgerhaushalt“ kennen gelernt werden.

Bürgerhaushalte sind ein besonderes Projekt der Entwicklungskooperation: Im globalen Süden erfunden, wurden sie von Ländern des Nordens aufgegriffen. Bürgerhaushalte sind in sehr unterschiedlichen Gesellschaften, Kulturen und politischen Systemen zu finden. Während sie in manchen Fällen für eine Stärkung der Bürgergesellschaft oder für eine Vertiefung der repräsentativen Demokratie stehen, dienen sie in anderen zur Bekämpfung von Korruption oder einer ersten Öffnung verschlossener Strukturen.

Aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen und Formen bieten sich Bürgerhaushalte für einen weltweiten Dialog an. Die Studie über die Bürgerhaushalte in der Welt stellt diese Vielfalt dar und zeigt Beispiele aus verschiedenen Kontinenten auf. Die Publikation richtet sich an jene, die in Praxis und Wissenschaft an der Weiterentwicklung von Bürgerhaushalten interessiert sind. Es werden verschiedene Methoden vorgestellt, als auch über Hintergründe und Netzwerke berichtet. Die Dokumentation ist als deutsche und englische Ausgabe verfügbar und kann kostenfrei bei der Servicestelle bestellt oder hier heruntergeladen werden:

Hier als PDF herunterladen:
Vom Süden lernen: Bürgerhaushalte weltweit – eine Einladung zur globalen Kooperation (PDF, 1,9 MB)

Download the English version here:
Study – Learning from the South: Participatory Budgeting Worldwide – an Invitation to Global Cooperation (PDF, 1,8 MB)

Kontakt:
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, Christian Wilhelm, Fon 0228⁄4460–1631, Fax 0228⁄4460–1601, www.service-eine-welt.de/publikationen/publikationen-start.html

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Jetzt online: Dokumentation zum internationalen Bürgerhaushaltskongress

Mehr als 160 ExpertInnen und PraktikerInnen aus 13 Ländern diskutierten am 21. und 22. Januar 2010 in Berlin über den kommunalen Bürgerhaushalt. Alle Vorträge und Diskussionsrunden über die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes finden sich in dieser Dokumentation. Die Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den deutschen KommunalvertreterInnen auf großes Interesse und haben gezeigt, dass der globale Süden in einigen Fällen weiter ist als Deutschland. Die Dokumentation soll helfen, neue Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes kennen zu lernen und dazu anregen, darüber nachzudenken, was Ihre Kommune austauschen, übernehmen oder anpassen kann. Die Dokumentation ist als deutsche und englische Ausgabe verfügbar und kann kostenfrei bei der Servicestelle bestellt oder hier direkt heruntergeladen werden.

Hier Studie Herunterladen:
Dokumentation Internationaler Kongress zu Modellen des Bürgerhaushaltes (PDF, 3,5 MB).

Download the documentation in English language:

International Congress on Models of Participatroy Budgeting (PDF, 3,3 MB)

Kontakt:
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, Christian Wilhelm, Fon 0228⁄4460–1631, Fax 0228⁄4460–1601, www.service-eine-welt.de/publikationen/publikationen-start.html

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Veranstaltung „Beteiligungshaushalte in Europa – mehr Demokratie wagen auch in Freiburg?“

FREIBURG: Beteiligungshaushalte in Europa
Mehr Demokratie wagen – auch in Freiburg?
Veranstaltung mit Dr. Carsten Herzberg (Potsdam)

Sehr geehrte Damen und Herren,

zwei Jahre nach dem ersten Freiburger Beteiligungshaushalt möchten wir die Debatte um diese zukunftsweisende Form der Bürgerbeteiligung erneuern. Dazu soll der Blick über Freiburg hinaus auf Europa gehen. Über 50 Städte haben in Europa mit einem Beteiligungshaushalt begonnen.

Mit Dr. Carsten Herzberg aus Potsdam konnten wir den deutschen Fachmann für Europäische Beteiligungshaushalte gewinnen, um der Freiburger Diskussion Anregungen zu geben. Wir laden Sie herzlich ein am

Donnerstag, 30. September 2010, 20–22 Uhr in die Landeszentrale für politische Bildung, Bertoldstr. 55 in Freiburg

Dr. Herzberg zeigt, welche Chancen ein Bürgerhaushalt bietet. Dazu schöpft er aus seinem Wissen über Beteiligungshaushalte bei vielen europäischen Nachbarn. Er geht u.a. der Frage nach, ob Bürgerbeteiligung nur ein Mittel zur Legitimation von Kürzungen ist oder doch die Möglichkeit besteht, Einwohner in die Gestaltung einzubeziehen. Dazu: Was sind Kriterien einer „guten Partizipation“? Worauf ist zu achten, wenn Bürgerbeteiligung eine positive Wirkung haben soll? Welche Rolle können Stadtteile bei einem solchen Beteiligungsverfahren haben?

Carsten Herzberg, Politikwissenschaftler am Berliner Centre Marc Bloch, ist derzeit an der Leitung einer Arbeitsgruppe zu partizipativer Demokratie beteiligt sowie an einem Projekt über öffentliche Wasserunternehmen. Von 2005 bis 2009 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Europäische Bürgerhaushalte“. Aus diesem kenntnisreichen Vortrag möchten wir Schlussfolgerungen für die Freiburger
Bürgerbeteiligung ziehen, es wird also Zeit für Fragen und Diskussion sein. Wir freuen uns auf die Debatte mit Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen,
Franz-Albert Heimer
(Lokale Agenda Freiburg)
Dr. Michael Wehner
(Landeszentrale für politische Bildung Projektgruppe Beteiligungshaushalt, Außenstelle Freiburg)

Eine Veranstaltung der:
Landeszentrale für politische Bildung
Baden-Württemberg
Außenstelle Freiburg
Dr. Michael Wehner
Bertoldstr. 55
Ⅾ – 79098 Freiburg ⅰ. Br.
Tel.: +49 761 20773–0
Fax: +49 761 20773–99
E-Mail: freiburg [ät] lpb.bwl.de

und
Lokale Agenda 21 Freiburg
Projektgruppe Beteiligungshaushalt
Franz-Albert Heimer
Treffpunkt Freiburg
Schwarzwaldstr. 78d
79117 Freiburg
Email: info [ät] treffpunkt-freiburg.de

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British Taxpayers Select Their Favorite Budget Cuts

Die Britische Regierung fragte kürzlich ihre Bürgerinnen und Bürger, wo gespart werden kann und sollte. Wie das Onlineangebot von NPR (National Public Radio) USA berichtet, gingen mehr als 100 000 Vorschläge ein:

Facing a 155 billion pound budget deficit, Britain asked its citizens to suggest areas where the government could cut spending. The public made more than 100,000 suggestions, ranging from withdrawing troops from Afghanistan to phasing out line-painting on backroads.

Noch bis 31. August können nun 40 000 dieser Vorschläge bewertet werden:

Britain’s Treasury Department compiled more than 40,000 of them onto its „Spending Challenge“ Web site. Citizens have until Aug. 31 to visit the site and vote on the suggestions, using a five-star system.

Zum Artikel von NPR >>>

Spending Challenge Website >>>

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Bürgerhaushalt in La Plata in Argentinien für Reinhard Mohn Preis vorgeschlagen

Der Bürgerhaushalt in La Plata in Argentinien (ca. 570 000 Einwohner) findet seit 2008 jährlich statt. Jetzt ist das Projekt für den Reinhard Mohn Preis 2011 der Bertelsmann Stiftung vorgeschlagen: „With the upcoming Reinhard Mohn Prize 2011, the Bertelsmann Stiftung will therefore focus on the crucial topic of „Vitalizing Democracy through Participation“.

Zur Projektbeschreibung auf der Bertelsmann-Seite >>>

Ein innovatives Konzept mit verschiedenen Beteiligungskanälen und eine hohe Beteiligung (92000 Bürgerinnen und Bürger) sprechen für das Projekt im argentinischen La Plata:

La Plata’s Multi-Channel PB uses an innovative combination of offline, online and mobile channels to promote the engagement of citizens in the direct allocation of the investment budget of the city. The municipality’s unique participatory design, combining face-to-face deliberation with remote voting (e.g. mobile voting), has produced outstanding results, with over 92.000 participants having engaged in the process so far.

Der Beteiligungsprozess gliedert sich in 3 Phasen:

During the first phase, face-to-face deliberative meetings are held across the city, where citizens are entitled to directly allocate up to 30 percent of the total budget available (USD 5.3 million in 2010), and to present a list of options for the allocation of the remaining 70 percent of the budget.

The second phase consists of a larger process of voting between the options previously selected by the deliberative meetings, where a secured system allowed votes to be remotely cast through paper ballots, electronic ballots and text messages (SMS).

In a third moment the projects selected by the citizens are executed by the citizen administration while monitored by the citizens.

Zu den Auswirkungen auf die lokale Poltik und Demokratie und der Rolle des Internets ist in der Projektbeschreibung folgendes zu lesen:

In La Plata’s PB incentives are created for a variety of citizens – who are willing to bear diverse costs of participation – to engage in the process.

First, by giving citizens who attend the meetings the opportunity to definitively allocate up to 30 percent of the budget and to select the options for the remaining budget to be submitted to vote in the second phase, a strong incentive for residents to attend the deliberative stage of the process is created. These deliberative face-to-face meetings (over 200 in 2010) are held across different areas of the city, in order to reflect the variety of demands geographically dispersed across the municipality.

Nonetheless, the participation costs that are traditionally associated with face-to-face processes keep a number of citizens from taking part in the process. In order to counter this effect, citizens are able to remotely participate in the process (e.g. mobile voting) by selecting options for public investment that have been previously generated during the deliberative phase.

The effectiveness of this measure with regard to citizen participation levels is inevitable. Each year, the number of participants in the remote voting process (ⅰ.e. mobile, electronic ballots) is on average 10 times higher than in that of face-to-face participation. In other words, the creation of additional channels of participation comes to address a significant demand of citizens who are willing to participate in the process once the participation costs are lowered.

Finally, the municipality has deployed a specific website relating to the initiative with information about the process (e.g. voting points). This has been effective as it is relayed by traditional media, thus reaching broader audiences.

Zur Website Presupuesto Participativo La Plata >>>

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Gastbeitrag | Der Bürgerhaushalt in Rosario. Ein Beitrag zur Demokratisierung der lokalen Ebene

von Eva Roeder

roeder

Zusammenfassung der gleichnamigen Publikation

Auch wenn der Bürgerhaushalt ursprünglich aus der brasilianischen Stadt Porto Alegre stammt, liegen zu seiner Ausprägung in anderen lateinamerikanischen Staaten zumindest in deutscher Sprache nur wenige Untersuchungen vor. Dabei implementierte auch die argentinische Stadt Rosario (ca. 1 Mio. Einwohner) den Bürgerhaushalt (Presupuesto Participativo – PP) im Jahr 2002 als erste Stadt des Landes und konnte ähnlich wie Porto Alegre internationale Aufmerksamkeit als Beispiel für eine gute Regierungsführung auf sich ziehen. Die Studie beleuchtet detailliert die Erfahrungen in Rosario und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur vergleichenden Analyse in der Bürgerhaushaltsforschung. Besonders hervorzuheben sind neben den Lernerfahrungen der Bürger-Delegierten auch der Jugend-Bürgerhaushalt und der spezifische Gender-Ansatz.

Argentinien kehrte im Jahr 1983 zur Demokratie zurück. Bis heute wird diese jedoch von einem hohen Maß an Klientelismus und Korruption untergraben und weist Probleme in Bereichen der Rechtsstaatlichkeit und Responsivität auf. Die erschwerte Ausübung des Bürgerstatus wird durch die soziale Exklusion großer Bevölkerungsteile bzw. stark ausgeprägte sozialer Ungleichheit erheblich verstärkt. Die Bevölkerung reagiert mit dem Rückzug ins Private und auch die Zivilgesellschaft versteht sich bis heute überwiegend als Gegenpol zum Staat. Es besteht demnach die Herausforderung, nicht nur die demokratischen Institutionen zu stärken, sondern auch die substantielle und sozietale Dimensionen einer Demokratie (Chancengleichheit und Werteinstellungen).

Lokale Demokratie stärken
Die lokale Ebene bietet in diesem Zusammenhang einen geeigneten Ansatzpunkt; hier wird Politik für die BürgerInnen greif‑ und erfahrbar. An dieser Stelle setzt auch der Bürgerhaushalt an, welcher als ein deliberatives, kooperatives Beteiligungsverfahren charakterisiert wird, das auf den Prinzipien der partizipativen Demokratietheorie basiert. Im Fokus steht dabei die Wechselwirkung zwischen repräsentativer und direkter Demokratie. Es wird im ersten Schritt die These aufgestellt, dass der Bürgerhaushalt die lokale Demokratie stärken kann und die Herausbildung einer Bürgergesellschaft fördert. Zweitens gehört zu den zentralen Erkenntnissen der Studie, dass der Bürgerhaushalt nicht isoliert betrachtet werden kann. Nur durch seine Einbettung in einen umfassenden Öffnungs‑ und Transformationsprozess der lokalen Demokratie kann er seine volle Wirksamkeit entfalten. Umgekehrt bietet der Bürgerhaushalt den Raum, die korrespondierenden Programme und Regierungsinstrumente in sich aufzunehmen und dadurch zu stärken.

Die erfolgreiche und effektive Umsetzung des Bürgerhaushaltes hängt von unterschiedlichen Einflussfaktoren ab. Im Hinblick auf den Entstehungskontext und die äußeren Rahmenbedingungen wirken Faktoren wie der relativ hohe Dezentralisierungsgrad des politischen Systems sowie die Machtkonstellation der (zivil‑)gesellschaftlichen und politischen Akteure. Die Stadt wird seit dem Jahr 1989 von der sozialistischen Partei (Partido Socialista – PS) regiert, welche die Prinzipien der partizipativen Demokratietheorie in ihr Parteiprogramm integriert. Im argentinischen Parteiensystem spielt sie jedoch eine untergeordnete bzw. oppositionelle Rolle. Die schwere Wirtschaftskrise in Argentinien im Jahr 2001 bewirkte die völlige Diskreditierung der politischen Eliten durch die Bevölkerung. In Verbindung mit der geschwächten Opposition eröffnete sich ein Handlungsfenster für die PS, das letztendlich zur Implementierung des Bürgerhaushaltes führte. Schon in den vorangegangenen Jahren leitete die PS eine Verwaltungsmodernisierung (bzw. Dekonzentration) ein, erstellte ein städtisches Leitbild und wandte weitere Methoden für eine bürgernahe Politik an. Die korrespondierende Stadtplanung und Regierungsprogramme zeugen insofern von der Einleitung eines umfassenden Transformationsprozesses der lokalen Demokratie.

Institutionelles Design
Der Bürgerhaushalt von Rosario orientiert sich am Modell von Porto Alegre. Basierend auf einem Analyserahmen von Yves Cabannes wird das institutionelle Design des Bürgerhaushaltes hinsichtlich seiner finanziellen, partizipativen, legalen und territorialen Dimension bzw. Reichweite untersucht. Bei den Stadtteilversammlungen in den sechs Distrikten der Stadt werden Ideen gesammelt und Bürger-Delegierte gewählt. Diese bilden anschließend den Beteiligungsrat des Distriktes und erarbeiten in enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung die Projektvorschläge. An dieser Stelle finden tiefgehende deliberative Austauschprozesse statt. Die Projektvorschläge werden anschließend der gesamten Bevölkerung zur Wahl gestellt und verbindlich umgesetzt. Das elektronische Votum erlaubt es, die Bürger mit innovativen Regierungsinstrumenten vertraut zu machen. Durch das hohe Maß an Verbindlichkeit und Entscheidungskompetenz führte der Bürgerhaushalt in Rosario zu einem umfassenden Machttransfer. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen dagegen bei der Kontroll-Instanz, der interdistriktalen Zusammenarbeit für gesamtstädtische Angelegenheiten, der finanziellen Umverteilung (bisher ist kein Umverteilungsschlüssel für benachteiligte Stadtviertel vorgesehen) und hinsichtlich ergänzenden Partizipationskanälen für zivilgesellschaftliche Organisationen.

Josh Lerner und Daniel Schugurensky untersuchten im Rahmen einer Studie die Lernerfahrungen der Bürgerdelegierten. In allen vier Kategorien (Wissen, Fähigkeiten, Meinung und Praxis) konnten positive Veränderungen nachgewiesen werden, wobei die stärksten im Bereich Wissen anzusiedeln sind (z.B. lokale Vernetzung, Abläufe und Verantwortlichkeiten innerhalb der Stadtverwaltung oder der Haushaltsplanung). Es zeigt sich, dass die Delegierten ein bedeutsames empowerment und wichtige Lernerfahrungen erfuhren, die den Weg für eine entstehende Bürgergesellschaft bereiten. Der Bürgerhaushalt stärkt insofern die sozietale Dimension der Demokratie und das Sozialkapital.

Gender Mainstreaming
Die substantielle Dimension der Demokratie wird durch die spezielle Förderung von Frauen und Jugendlichen gestärkt. Die Programme zielen auf die politische und soziale Inklusion dieser Gruppen. Im Rahmen des Gender Mainstreaming werden die Bürger für bestehende Geschlechterverhältnisse sensibilisiert und befähigt, so dass auch im Hinblick auf die Haushaltsausgaben mehr Geschlechtergerechtigkeit entwickelt werden kann (Gender Budgeting). Im Plan der Chancengleichheit und Gleichbehandlung von Männer und Frauen (PIO) wurde festgelegt, dass 50 % der gewählten Bürger-Delegierten weiblich sein müssen, Spielecken und Kinderbetreuung während den Sitzungen zur Verfügung gestellt werden, eine nicht-diskriminierende Sprache verwendet sowie das Programm Bürgerhaushalt und aktive Bürgerschaft der Frau umgesetzt wird. Im letztgenannten Programm werden verschiedene Workshops angeboten, an denen inzwischen auch männliche Delegierte teilnehmen, da auch sie die Geschlechterverhältnisse reproduzieren. Im Zeitverlauf konnten positive Auswirkungen verzeichnet werden: In den Jahren 2006 und 2007 nahmen mehr Frauen als Männer am PP teil. Weiterhin wurden vermehrt Projekte mit Gender-Komponente vorgeschlagen und gewählt, was sich positiv auf die Geschlechtergerechtigkeit des finanziellen Haushaltes auswirkt. Dieser Erfolg ist nicht nur der politischen Entscheidung zu verdanken, Gender Mainstreaming querschnittsmäßig in Politik und Verwaltung zu verankern, sondern auch der aktiven Teilnahme an internationalen Netzwerken und Programmen mit entsprechenden technischen und finanziellen Ressourcen.

Jugendbürgerhaushalt
Der Jugendbürgerhaushalt (PP Joven) stellt ein weiteres innovatives Element dar. Er richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren und wird seit 2005 unter der Leitung des städtischen Jugendzentrums (Centro de Juventud) durchgeführt. Auch wenn die Methodik speziell an die Jugendlichen angepasst wurde, gleichen Aufbau und Ablauf dem ‚großem’ Bürgerhaushalt. Mit der frühzeitigen Befähigung zur Ausübung des Bürgerstatus zielt er auf die politische und soziale Inklusion der Jugendlichen und leistet so einen wichtigen Beitrag für ein zukunftsfähiges, stabiles und demokratisches Gemeinwesen. Auch die Erwachsenen werden stärker für die Bedürfnisse der Jugend sensibilisiert und von der freien und kreativen Denkweise der Jugendlichen inspiriert. Durch den erhöhten Kommunikationsfluss kann die Stadtverwaltung adäquate Maßnahmen (z.B. Prävention) gezielter einsetzen und die Beziehung zu den zivilgesellschaftlichen Jugendorganisationen stärken. Die Einbindung der Schulen nimmt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Verfahrens ein. Der Jugend-Integrationsplan – Rosario 100 % jugendlich (Plan Integral de Juventud – Rosario 100 % Joven) bildet seit 2009 das Fundament der städtischen Jugendpolitik und steht in enger Verbindung mit dem PP Joven. Der Bürgerhaushalt verdeutlicht insofern seine Adaptions‑ und Wandelfähigkeit hinsichtlich stadtübergreifender Politikinhalte.

Der Bürgerhaushalt von Rosario verdeutlicht sowohl Potenziale als auch Herausforderungen des Verfahrens. Viele der herausgearbeiteten Voraussetzungen, Einflussfaktoren, Grenzen und Erfolge lassen sich auch auf andere Beispiele übertragen. Die Studie schließt mit dem Fazit, dass kooperative Beteiligungsinstrumente wie der Bürgerhaushalt stets als positive Bereicherung für die repräsentative Demokratie betrachtet und in Zukunft noch verfeinert und vertieft werden sollten.

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„Bürgerhaushalt“ mal anders ODER Top Delinquent Taxpayers online

Die Stadt Los Angeles veröffentlicht die Namen von Firmen die Steuern hinterzogen haben auf der Website „Top Delinquent Taxpayers“ >>>

The City of Los Angeles Municipal Code (LAMC) Section 21.15(n) directs the Office of Finance to publish a quarterly list of the top 250 tax delinquencies in excess of $100,000. Before we publish the list, we mail each taxpayer who may potentially be on the list a certified letter, return receipt requested. The letter provides them an opportunity to voluntarily settle their liability.

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America Speaks – Bürgerbeteiligungen am Haushalt in den USA

AmericaSpeaks – USA-Budgetdiscussion

AmericaSpeaks ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat die Amerikanische Demokratie zu beleben und die Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen.

Mit diesem Ziel werden auch am 26.06.2010 landesweit große öffentliche Diskussionsveranstaltungen zum Thema Haushalt und Staatsfinanzen – „AmericaSpeaks – Our Budget, Our Economy“ – durchgeführt.

„AmericaSpeaks: Our Budget, Our Economy is a national discussion to find common ground on tough choices about our federal budget. Americans from across the country will come together to weigh-in on strategies to ensure a sustainable fiscal future and a strong economic recovery. As a part of this national discussion, on June 26, 2010, thousands of Americans across the country will participate simultaneously in an unprecedented National Town Meeting.“

Zur Website AmericaSpeaks – Our Budget, Our Economy >>>

By the people, for the people – Participatory Budgeting in 49th Ward of Chicago

Scheinbar der erste Bürgerhaushalt in den USA: findet im 49. Stadtbezirk der Stadt Chicago statt:

Sick of old-style Chicago politics? In a truly innovative experiment in direct democracy, transparency, and economic reform, this year Alderman Joe Moore is asking YOU, the residents of the 49th Ward, to decide directly how to spend his $1.3 million capital budget for 2010.

Chicago: Participatory Budgeting 49th Ward >>>

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Weltsichten – Bürgerhaushalte in Deutschland und Lateinamerika

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Weltsichten – Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit – sind zwei Artikel zum Thema Bürgerhaushalt erschienen.

Mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung
Bürgerhaushalte in Lateinamerika und in Deutschland >>>

Weltweit können in rund 2000 Städten die Bürger über die Verwendung öffentlicher Haushalte mitentscheiden. Vorbild ist die brasilianische Stadt Porto Alegre, die seit mehr als zwanzig Jahren einen Bürgerhaushalt hat. Auf einer internationalen Konferenz der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von InWent in Berlin wurde auch über die Fallstricke dieser Form der Beteiligung diskutiert.

„Bürgerhaushalte müssen sich an Ergebnissen messen lassen“
Interview mit George Matovu, einem Experten für Kommunalpolitik von der Organisation Municipal Development Partnership in Simbabwe >>>

Lateinamerika gilt als Heimat der Bürgerhaushalte. Aber auch in Afrika gibt es Beispiele. Laut George Matovu, einem Experten für Kommunalpolitik von der Organisation Municipal Development Partnership (MDP) in Simbabwe, passen sie gut zu dem Kontinent, weil dort Beteiligung und Konsensbildung traditionell wichtig sind.

Zur Website der Zeitschrift Weltsichten >>>

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Servicestelle Kommunen in der Einen Welt: Mit Bürgerhaushalt Wandel erreichen

Erfolgreicher internationaler Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin
Pressemitteilung vom 26.01.2010

Am 21. und 22. Januar 2010 diskutierten in Berlin über 160 internationale Experten und Praktiker aus 13 Ländern über den kommunalen Bürgerhaushalt. In vielen Teilen der Welt – etwa in Afrika und Südamerika – erweist sich der Bürgerhaushalt als erfolgreiches Instrument der Bürgerbeteiligung. Deutsche Kommunen scheinen – bisher – noch zögerlich zu sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Centre Marc Bloch und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH luden deshalb zum internationalen Erfahrungsaustausch ein. In Foren und Diskussionsrunden analysierten die Teilnehmer die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes und ihre Eignung für Deutschland.

Eröffnungspodium

Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den Vertretern aus deutschen Kommunen dabei auf großes Interesse, auch wenn Instrumente oft nicht eins zu eins übertragbar sind. „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der bpb. „Der Bürgerhaushalt ist und kann ein erfolgreiches Beteiligungsinstrument für alle Bürgerinnen und Bürger werden; für Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren.“

So fand beispielsweise ein in der senegalesischen Gemeinde Fissel praktizierter Bürgerhaushalt viel Beachtung und Anerkennung. „Afrika ist hier viel weiter als wir!“, stellte einer der Teilnehmer fest. Anita Reddy, Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt, SKEW, ergänzt: „Afrika ist ein Kontinent, der reich an sehr unterschiedlichen Beispielen des Bürgerhaushalts ist. Das könnte in Zukunft zu neuen Modellen führen, in denen Demokratisierung als ein wesentliches Thema erfasst wird, die aber auch die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zu Bildung, Wissen und politische Einflussnahme einbeziehen.“

Doch beim Bürgerhaushalt geht es um mehr als die Verteilung knapper Ressourcen: er mobilisiert Menschen zur Teilhabe an Demokratie, fördert soziale Gerechtigkeit, politische Bildung und Armutsbekämpfung. Wichtig ist dabei sowohl die Einbettung des Bürgerhaushaltes in ein nachhaltiges kommunales Beteiligungskonzept als auch die Transparenz des Verfahrens. Allerdings ist es schwierig, die gelungene Implementation sichtbar zu machen, denn die Wirkung eines Bürgerhaushaltes ist nur schwer messbar.

Doch angesichts vieler neuer Herausforderungen der Kommunen bietet sich der Bürgerhaushalt als ein Instrument an, um den Wandel mitzugestalten. „Wandel ist eine inhärente Eigenschaft des Bürgerhaushaltes, er inspiriert Menschen, etwas zum Guten zu verändern,“ bilanziert Josh Lerner von der New School for Social Research in New York. „Deshalb muss ein Bürgerhaushalt nicht perfekt sein: beginnen Sie einfach und verbessern Sie ihren Haushalt Jahr für Jahr.“

Die Veranstaltung war hierfür ein interessanter Impulsgeber. Dr. Béatrice von Hirschhausen, Stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch (cmb), sagt: „Ein spannender und anregender Kongress, der den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch befördern soll.“

Antworten, Ideen und Kontakte mit Experten, wie dem nationalen Netzwerk der Bürgerhaushälter, bietet die bpb und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt.

Quelle, InWEnt, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt >>>

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Neue Publikation: Der Bürgerhaushalt in Rosario

Der Bürgerhaushalt in Rosario (Argentinien) In Argentinien setzen mehrere Städte den Bürgerhaushalt um. Die Stadt Rosario (ca. 1 Mio. Einwohner) implementierte das Verfahren im Jahr 2002 als erste Stadt des Landes und konnte ähnlich wie Porto Alegre internationale Aufmerksamkeit als Beispiel für eine gute Regierungsführung auf sich ziehen. In der internationalen Forschung hingegen wurde der Bürgerhaushalt von Rosario bisher jedoch weniger berücksichtigt. Eva Roeder beleuchtet im Rahmen dieser Publikation detailliert die Erfahrungen in Rosario und untersucht neben den Lernerfahrungen der Bürger-Delegierten auch den Jugend-Bürgerhaushalt sowie den spezifische Gender-Ansatz.

Eva Roeder: „Der Bürgerhaushalt in Rosario (Argentinien) – Ein Beitrag zur Demokratisierung der lokalen Ebene“ Erschienen im LIT-Verlag in der Reihe/Region – Nation – Europa,/Bd. 60, ISBN 978–3–643–10508–0.
Zur Verlagsseite: http://www.lit-verlag.de/isbn/3–643–10508–0.

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Mit Bürgerhaushalt Wandel erreichen – Internationaler Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin

Pressemitteilung zum Internationalen Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin der Bundeszentrale für Politische Bildung und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt

Am 21. und 22. Januar 2010 diskutierten in Berlin über 160 internationale Experten und Praktiker aus 13 Ländern über den kommunalen Bürgerhaushalt. In vielen Teilen der Welt – etwa in Afrika und Südamerika – erweist sich der Bürgerhaushalt als erfolgreiches Instrument der Bürgerbeteiligung. Deutsche Kommunen scheinen bisher noch zögerlich zu sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Centre Marc Bloch und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH luden deshalb zum internationalen Erfahrungsaustausch ein. In Foren und Diskussionsrunden analysierten die Teilnehmer die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes und ihre Eignung für Deutschland.

Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den Vertretern aus deutschen Kommunen auf großes Interesse, auch wenn Instrumente oft nicht eins zu eins übertragbar sind. „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der bpb. „Der Bürgerhaushalt ist und kann ein erfolgreiches Beteiligungsinstrument für alle Bürgerinnen und Bürger werden; für Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren.“

So fand beispielsweise ein in der senegalesischen Gemeinde Fissel praktizierter Bürgerhaushalt viel Beachtung und Anerkennung. „Afrika ist hier viel weiter als wir!“, stellte einer der Teilnehmer fest. Anita Reddy, Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt, SKEW, ergänzt: „Afrika ist ein Kontinent, der reich an sehr unterschiedlichen Beispielen des Bürgerhaushaltes ist. Das könnte in Zukunft zu neuen Modellen führen, in denen Demokratisierung als ein wesentliches Thema erfasst wird, die aber auch die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zu Bildung, Wissen und politische Einflussnahme einbeziehen.“

Doch beim Bürgerhaushalt geht es um mehr als die Verteilung knapper Ressourcen: er mobilisiert Menschen zur Teilhabe an Demokratie, fördert soziale Gerechtigkeit, politische Bildung und Armutsbekämpfung. Wichtig ist dabei sowohl die Einbettung des Bürgerhaushaltes in ein nachhaltiges kommunales Beteiligungskonzept als auch die Transparenz des Verfahrens. Allerdings ist es schwierig, die gelungene Implementation sichtbar zu machen, denn die Wirkung eines Bürgerhaushaltes ist nur schwer messbar.

Angesichts vieler neuer Herausforderungen der Kommunen bietet sich der Bürgerhaushalt als Instrument an, um den Wandel mitzugestalten. „Wandel ist eine inhärente Eigenschaft des Bürgerhaushaltes, er inspiriert Menschen, etwas zum Guten zu verändern,“ bilanziert Josh Lerner von der New School for Social Research in New York. „Deshalb muss ein Bürgerhaushalt nicht perfekt sein: beginnen Sie einfach und verbessern Sie ihren Haushalt Jahr für Jahr.“

Die Veranstaltung war hierfür ein wichtiger Impulsgeber. Dr. Béatrice von Hirschhausen, Stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch (cmb), sagt: „Ein spannender und anregender Kongress, der den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch befördern soll.“

Antworten, Ideen und Kontakte mit Experten, wie dem nationalen Netzwerk der Bürgerhaushälter, bieten die bpb und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt.

Pressekontakt
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH
Heike Wülfing
Friedrich-Ebert-Allee 40
53113 Bonn
Mobil: 0171 5400 920
hf.wuelfing@t-online.de

Pressekontakt/bpb
Bundeszentrale für politische Bildung
Daniel Kraft
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515–200
Fax +49 (0)228 99515–293
presse@bpb.de

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