Internationale Beispiele

 

British Taxpayers Select Their Favorite Budget Cuts

Die Britische Regierung fragte kürzlich ihre Bürgerinnen und Bürger, wo gespart werden kann und sollte. Wie das Onlineangebot von NPR (National Public Radio) USA berichtet, gingen mehr als 100 000 Vorschläge ein:

Facing a 155 billion pound budget deficit, Britain asked its citizens to suggest areas where the government could cut spending. The public made more than 100,000 suggestions, ranging from withdrawing troops from Afghanistan to phasing out line-painting on backroads.

Noch bis 31. August können nun 40 000 dieser Vorschläge bewertet werden:

Britain’s Treasury Department compiled more than 40,000 of them onto its „Spending Challenge“ Web site. Citizens have until Aug. 31 to visit the site and vote on the suggestions, using a five-star system.

Zum Artikel von NPR >>>

Spending Challenge Website >>>

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Bürgerhaushalt in La Plata in Argentinien für Reinhard Mohn Preis vorgeschlagen

Der Bürgerhaushalt in La Plata in Argentinien (ca. 570 000 Einwohner) findet seit 2008 jährlich statt. Jetzt ist das Projekt für den Reinhard Mohn Preis 2011 der Bertelsmann Stiftung vorgeschlagen: „With the upcoming Reinhard Mohn Prize 2011, the Bertelsmann Stiftung will therefore focus on the crucial topic of „Vitalizing Democracy through Participation“.

Zur Projektbeschreibung auf der Bertelsmann-Seite >>>

Ein innovatives Konzept mit verschiedenen Beteiligungskanälen und eine hohe Beteiligung (92000 Bürgerinnen und Bürger) sprechen für das Projekt im argentinischen La Plata:

La Plata’s Multi-Channel PB uses an innovative combination of offline, online and mobile channels to promote the engagement of citizens in the direct allocation of the investment budget of the city. The municipality’s unique participatory design, combining face-to-face deliberation with remote voting (e.g. mobile voting), has produced outstanding results, with over 92.000 participants having engaged in the process so far.

Der Beteiligungsprozess gliedert sich in 3 Phasen:

During the first phase, face-to-face deliberative meetings are held across the city, where citizens are entitled to directly allocate up to 30 percent of the total budget available (USD 5.3 million in 2010), and to present a list of options for the allocation of the remaining 70 percent of the budget.

The second phase consists of a larger process of voting between the options previously selected by the deliberative meetings, where a secured system allowed votes to be remotely cast through paper ballots, electronic ballots and text messages (SMS).

In a third moment the projects selected by the citizens are executed by the citizen administration while monitored by the citizens.

Zu den Auswirkungen auf die lokale Poltik und Demokratie und der Rolle des Internets ist in der Projektbeschreibung folgendes zu lesen:

In La Plata’s PB incentives are created for a variety of citizens – who are willing to bear diverse costs of participation – to engage in the process.

First, by giving citizens who attend the meetings the opportunity to definitively allocate up to 30 percent of the budget and to select the options for the remaining budget to be submitted to vote in the second phase, a strong incentive for residents to attend the deliberative stage of the process is created. These deliberative face-to-face meetings (over 200 in 2010) are held across different areas of the city, in order to reflect the variety of demands geographically dispersed across the municipality.

Nonetheless, the participation costs that are traditionally associated with face-to-face processes keep a number of citizens from taking part in the process. In order to counter this effect, citizens are able to remotely participate in the process (e.g. mobile voting) by selecting options for public investment that have been previously generated during the deliberative phase.

The effectiveness of this measure with regard to citizen participation levels is inevitable. Each year, the number of participants in the remote voting process (ⅰ.e. mobile, electronic ballots) is on average 10 times higher than in that of face-to-face participation. In other words, the creation of additional channels of participation comes to address a significant demand of citizens who are willing to participate in the process once the participation costs are lowered.

Finally, the municipality has deployed a specific website relating to the initiative with information about the process (e.g. voting points). This has been effective as it is relayed by traditional media, thus reaching broader audiences.

Zur Website Presupuesto Participativo La Plata >>>

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Gastbeitrag | Der Bürgerhaushalt in Rosario. Ein Beitrag zur Demokratisierung der lokalen Ebene

von Eva Roeder

roeder

Zusammenfassung der gleichnamigen Publikation

Auch wenn der Bürgerhaushalt ursprünglich aus der brasilianischen Stadt Porto Alegre stammt, liegen zu seiner Ausprägung in anderen lateinamerikanischen Staaten zumindest in deutscher Sprache nur wenige Untersuchungen vor. Dabei implementierte auch die argentinische Stadt Rosario (ca. 1 Mio. Einwohner) den Bürgerhaushalt (Presupuesto Participativo – PP) im Jahr 2002 als erste Stadt des Landes und konnte ähnlich wie Porto Alegre internationale Aufmerksamkeit als Beispiel für eine gute Regierungsführung auf sich ziehen. Die Studie beleuchtet detailliert die Erfahrungen in Rosario und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur vergleichenden Analyse in der Bürgerhaushaltsforschung. Besonders hervorzuheben sind neben den Lernerfahrungen der Bürger-Delegierten auch der Jugend-Bürgerhaushalt und der spezifische Gender-Ansatz.

Argentinien kehrte im Jahr 1983 zur Demokratie zurück. Bis heute wird diese jedoch von einem hohen Maß an Klientelismus und Korruption untergraben und weist Probleme in Bereichen der Rechtsstaatlichkeit und Responsivität auf. Die erschwerte Ausübung des Bürgerstatus wird durch die soziale Exklusion großer Bevölkerungsteile bzw. stark ausgeprägte sozialer Ungleichheit erheblich verstärkt. Die Bevölkerung reagiert mit dem Rückzug ins Private und auch die Zivilgesellschaft versteht sich bis heute überwiegend als Gegenpol zum Staat. Es besteht demnach die Herausforderung, nicht nur die demokratischen Institutionen zu stärken, sondern auch die substantielle und sozietale Dimensionen einer Demokratie (Chancengleichheit und Werteinstellungen).

Lokale Demokratie stärken
Die lokale Ebene bietet in diesem Zusammenhang einen geeigneten Ansatzpunkt; hier wird Politik für die BürgerInnen greif‑ und erfahrbar. An dieser Stelle setzt auch der Bürgerhaushalt an, welcher als ein deliberatives, kooperatives Beteiligungsverfahren charakterisiert wird, das auf den Prinzipien der partizipativen Demokratietheorie basiert. Im Fokus steht dabei die Wechselwirkung zwischen repräsentativer und direkter Demokratie. Es wird im ersten Schritt die These aufgestellt, dass der Bürgerhaushalt die lokale Demokratie stärken kann und die Herausbildung einer Bürgergesellschaft fördert. Zweitens gehört zu den zentralen Erkenntnissen der Studie, dass der Bürgerhaushalt nicht isoliert betrachtet werden kann. Nur durch seine Einbettung in einen umfassenden Öffnungs‑ und Transformationsprozess der lokalen Demokratie kann er seine volle Wirksamkeit entfalten. Umgekehrt bietet der Bürgerhaushalt den Raum, die korrespondierenden Programme und Regierungsinstrumente in sich aufzunehmen und dadurch zu stärken.

Die erfolgreiche und effektive Umsetzung des Bürgerhaushaltes hängt von unterschiedlichen Einflussfaktoren ab. Im Hinblick auf den Entstehungskontext und die äußeren Rahmenbedingungen wirken Faktoren wie der relativ hohe Dezentralisierungsgrad des politischen Systems sowie die Machtkonstellation der (zivil‑)gesellschaftlichen und politischen Akteure. Die Stadt wird seit dem Jahr 1989 von der sozialistischen Partei (Partido Socialista – PS) regiert, welche die Prinzipien der partizipativen Demokratietheorie in ihr Parteiprogramm integriert. Im argentinischen Parteiensystem spielt sie jedoch eine untergeordnete bzw. oppositionelle Rolle. Die schwere Wirtschaftskrise in Argentinien im Jahr 2001 bewirkte die völlige Diskreditierung der politischen Eliten durch die Bevölkerung. In Verbindung mit der geschwächten Opposition eröffnete sich ein Handlungsfenster für die PS, das letztendlich zur Implementierung des Bürgerhaushaltes führte. Schon in den vorangegangenen Jahren leitete die PS eine Verwaltungsmodernisierung (bzw. Dekonzentration) ein, erstellte ein städtisches Leitbild und wandte weitere Methoden für eine bürgernahe Politik an. Die korrespondierende Stadtplanung und Regierungsprogramme zeugen insofern von der Einleitung eines umfassenden Transformationsprozesses der lokalen Demokratie.

Institutionelles Design
Der Bürgerhaushalt von Rosario orientiert sich am Modell von Porto Alegre. Basierend auf einem Analyserahmen von Yves Cabannes wird das institutionelle Design des Bürgerhaushaltes hinsichtlich seiner finanziellen, partizipativen, legalen und territorialen Dimension bzw. Reichweite untersucht. Bei den Stadtteilversammlungen in den sechs Distrikten der Stadt werden Ideen gesammelt und Bürger-Delegierte gewählt. Diese bilden anschließend den Beteiligungsrat des Distriktes und erarbeiten in enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung die Projektvorschläge. An dieser Stelle finden tiefgehende deliberative Austauschprozesse statt. Die Projektvorschläge werden anschließend der gesamten Bevölkerung zur Wahl gestellt und verbindlich umgesetzt. Das elektronische Votum erlaubt es, die Bürger mit innovativen Regierungsinstrumenten vertraut zu machen. Durch das hohe Maß an Verbindlichkeit und Entscheidungskompetenz führte der Bürgerhaushalt in Rosario zu einem umfassenden Machttransfer. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen dagegen bei der Kontroll-Instanz, der interdistriktalen Zusammenarbeit für gesamtstädtische Angelegenheiten, der finanziellen Umverteilung (bisher ist kein Umverteilungsschlüssel für benachteiligte Stadtviertel vorgesehen) und hinsichtlich ergänzenden Partizipationskanälen für zivilgesellschaftliche Organisationen.

Josh Lerner und Daniel Schugurensky untersuchten im Rahmen einer Studie die Lernerfahrungen der Bürgerdelegierten. In allen vier Kategorien (Wissen, Fähigkeiten, Meinung und Praxis) konnten positive Veränderungen nachgewiesen werden, wobei die stärksten im Bereich Wissen anzusiedeln sind (z.B. lokale Vernetzung, Abläufe und Verantwortlichkeiten innerhalb der Stadtverwaltung oder der Haushaltsplanung). Es zeigt sich, dass die Delegierten ein bedeutsames empowerment und wichtige Lernerfahrungen erfuhren, die den Weg für eine entstehende Bürgergesellschaft bereiten. Der Bürgerhaushalt stärkt insofern die sozietale Dimension der Demokratie und das Sozialkapital.

Gender Mainstreaming
Die substantielle Dimension der Demokratie wird durch die spezielle Förderung von Frauen und Jugendlichen gestärkt. Die Programme zielen auf die politische und soziale Inklusion dieser Gruppen. Im Rahmen des Gender Mainstreaming werden die Bürger für bestehende Geschlechterverhältnisse sensibilisiert und befähigt, so dass auch im Hinblick auf die Haushaltsausgaben mehr Geschlechtergerechtigkeit entwickelt werden kann (Gender Budgeting). Im Plan der Chancengleichheit und Gleichbehandlung von Männer und Frauen (PIO) wurde festgelegt, dass 50 % der gewählten Bürger-Delegierten weiblich sein müssen, Spielecken und Kinderbetreuung während den Sitzungen zur Verfügung gestellt werden, eine nicht-diskriminierende Sprache verwendet sowie das Programm Bürgerhaushalt und aktive Bürgerschaft der Frau umgesetzt wird. Im letztgenannten Programm werden verschiedene Workshops angeboten, an denen inzwischen auch männliche Delegierte teilnehmen, da auch sie die Geschlechterverhältnisse reproduzieren. Im Zeitverlauf konnten positive Auswirkungen verzeichnet werden: In den Jahren 2006 und 2007 nahmen mehr Frauen als Männer am PP teil. Weiterhin wurden vermehrt Projekte mit Gender-Komponente vorgeschlagen und gewählt, was sich positiv auf die Geschlechtergerechtigkeit des finanziellen Haushaltes auswirkt. Dieser Erfolg ist nicht nur der politischen Entscheidung zu verdanken, Gender Mainstreaming querschnittsmäßig in Politik und Verwaltung zu verankern, sondern auch der aktiven Teilnahme an internationalen Netzwerken und Programmen mit entsprechenden technischen und finanziellen Ressourcen.

Jugendbürgerhaushalt
Der Jugendbürgerhaushalt (PP Joven) stellt ein weiteres innovatives Element dar. Er richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren und wird seit 2005 unter der Leitung des städtischen Jugendzentrums (Centro de Juventud) durchgeführt. Auch wenn die Methodik speziell an die Jugendlichen angepasst wurde, gleichen Aufbau und Ablauf dem ‚großem’ Bürgerhaushalt. Mit der frühzeitigen Befähigung zur Ausübung des Bürgerstatus zielt er auf die politische und soziale Inklusion der Jugendlichen und leistet so einen wichtigen Beitrag für ein zukunftsfähiges, stabiles und demokratisches Gemeinwesen. Auch die Erwachsenen werden stärker für die Bedürfnisse der Jugend sensibilisiert und von der freien und kreativen Denkweise der Jugendlichen inspiriert. Durch den erhöhten Kommunikationsfluss kann die Stadtverwaltung adäquate Maßnahmen (z.B. Prävention) gezielter einsetzen und die Beziehung zu den zivilgesellschaftlichen Jugendorganisationen stärken. Die Einbindung der Schulen nimmt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Verfahrens ein. Der Jugend-Integrationsplan – Rosario 100 % jugendlich (Plan Integral de Juventud – Rosario 100 % Joven) bildet seit 2009 das Fundament der städtischen Jugendpolitik und steht in enger Verbindung mit dem PP Joven. Der Bürgerhaushalt verdeutlicht insofern seine Adaptions‑ und Wandelfähigkeit hinsichtlich stadtübergreifender Politikinhalte.

Der Bürgerhaushalt von Rosario verdeutlicht sowohl Potenziale als auch Herausforderungen des Verfahrens. Viele der herausgearbeiteten Voraussetzungen, Einflussfaktoren, Grenzen und Erfolge lassen sich auch auf andere Beispiele übertragen. Die Studie schließt mit dem Fazit, dass kooperative Beteiligungsinstrumente wie der Bürgerhaushalt stets als positive Bereicherung für die repräsentative Demokratie betrachtet und in Zukunft noch verfeinert und vertieft werden sollten.

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„Bürgerhaushalt“ mal anders ODER Top Delinquent Taxpayers online

Die Stadt Los Angeles veröffentlicht die Namen von Firmen die Steuern hinterzogen haben auf der Website „Top Delinquent Taxpayers“ >>>

The City of Los Angeles Municipal Code (LAMC) Section 21.15(n) directs the Office of Finance to publish a quarterly list of the top 250 tax delinquencies in excess of $100,000. Before we publish the list, we mail each taxpayer who may potentially be on the list a certified letter, return receipt requested. The letter provides them an opportunity to voluntarily settle their liability.

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America Speaks – Bürgerbeteiligungen am Haushalt in den USA

AmericaSpeaks – USA-Budgetdiscussion

AmericaSpeaks ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat die Amerikanische Demokratie zu beleben und die Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen.

Mit diesem Ziel werden auch am 26.06.2010 landesweit große öffentliche Diskussionsveranstaltungen zum Thema Haushalt und Staatsfinanzen – „AmericaSpeaks – Our Budget, Our Economy“ – durchgeführt.

„AmericaSpeaks: Our Budget, Our Economy is a national discussion to find common ground on tough choices about our federal budget. Americans from across the country will come together to weigh-in on strategies to ensure a sustainable fiscal future and a strong economic recovery. As a part of this national discussion, on June 26, 2010, thousands of Americans across the country will participate simultaneously in an unprecedented National Town Meeting.“

Zur Website AmericaSpeaks – Our Budget, Our Economy >>>

By the people, for the people – Participatory Budgeting in 49th Ward of Chicago

Scheinbar der erste Bürgerhaushalt in den USA: findet im 49. Stadtbezirk der Stadt Chicago statt:

Sick of old-style Chicago politics? In a truly innovative experiment in direct democracy, transparency, and economic reform, this year Alderman Joe Moore is asking YOU, the residents of the 49th Ward, to decide directly how to spend his $1.3 million capital budget for 2010.

Chicago: Participatory Budgeting 49th Ward >>>

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Weltsichten – Bürgerhaushalte in Deutschland und Lateinamerika

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Weltsichten – Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit – sind zwei Artikel zum Thema Bürgerhaushalt erschienen.

Mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung
Bürgerhaushalte in Lateinamerika und in Deutschland >>>

Weltweit können in rund 2000 Städten die Bürger über die Verwendung öffentlicher Haushalte mitentscheiden. Vorbild ist die brasilianische Stadt Porto Alegre, die seit mehr als zwanzig Jahren einen Bürgerhaushalt hat. Auf einer internationalen Konferenz der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von InWent in Berlin wurde auch über die Fallstricke dieser Form der Beteiligung diskutiert.

„Bürgerhaushalte müssen sich an Ergebnissen messen lassen“
Interview mit George Matovu, einem Experten für Kommunalpolitik von der Organisation Municipal Development Partnership in Simbabwe >>>

Lateinamerika gilt als Heimat der Bürgerhaushalte. Aber auch in Afrika gibt es Beispiele. Laut George Matovu, einem Experten für Kommunalpolitik von der Organisation Municipal Development Partnership (MDP) in Simbabwe, passen sie gut zu dem Kontinent, weil dort Beteiligung und Konsensbildung traditionell wichtig sind.

Zur Website der Zeitschrift Weltsichten >>>

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Servicestelle Kommunen in der Einen Welt: Mit Bürgerhaushalt Wandel erreichen

Erfolgreicher internationaler Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin
Pressemitteilung vom 26.01.2010

Am 21. und 22. Januar 2010 diskutierten in Berlin über 160 internationale Experten und Praktiker aus 13 Ländern über den kommunalen Bürgerhaushalt. In vielen Teilen der Welt – etwa in Afrika und Südamerika – erweist sich der Bürgerhaushalt als erfolgreiches Instrument der Bürgerbeteiligung. Deutsche Kommunen scheinen – bisher – noch zögerlich zu sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Centre Marc Bloch und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH luden deshalb zum internationalen Erfahrungsaustausch ein. In Foren und Diskussionsrunden analysierten die Teilnehmer die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes und ihre Eignung für Deutschland.

Eröffnungspodium Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den Vertretern aus deutschen Kommunen dabei auf großes Interesse, auch wenn Instrumente oft nicht eins zu eins übertragbar sind. „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der bpb. „Der Bürgerhaushalt ist und kann ein erfolgreiches Beteiligungsinstrument für alle Bürgerinnen und Bürger werden; für Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren.“

So fand beispielsweise ein in der senegalesischen Gemeinde Fissel praktizierter Bürgerhaushalt viel Beachtung und Anerkennung. „Afrika ist hier viel weiter als wir!“, stellte einer der Teilnehmer fest. Anita Reddy, Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt, SKEW, ergänzt: „Afrika ist ein Kontinent, der reich an sehr unterschiedlichen Beispielen des Bürgerhaushalts ist. Das könnte in Zukunft zu neuen Modellen führen, in denen Demokratisierung als ein wesentliches Thema erfasst wird, die aber auch die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zu Bildung, Wissen und politische Einflussnahme einbeziehen.“

Doch beim Bürgerhaushalt geht es um mehr als die Verteilung knapper Ressourcen: er mobilisiert Menschen zur Teilhabe an Demokratie, fördert soziale Gerechtigkeit, politische Bildung und Armutsbekämpfung. Wichtig ist dabei sowohl die Einbettung des Bürgerhaushaltes in ein nachhaltiges kommunales Beteiligungskonzept als auch die Transparenz des Verfahrens. Allerdings ist es schwierig, die gelungene Implementation sichtbar zu machen, denn die Wirkung eines Bürgerhaushaltes ist nur schwer messbar.

Doch angesichts vieler neuer Herausforderungen der Kommunen bietet sich der Bürgerhaushalt als ein Instrument an, um den Wandel mitzugestalten. „Wandel ist eine inhärente Eigenschaft des Bürgerhaushaltes, er inspiriert Menschen, etwas zum Guten zu verändern,“ bilanziert Josh Lerner von der New School for Social Research in New York. „Deshalb muss ein Bürgerhaushalt nicht perfekt sein: beginnen Sie einfach und verbessern Sie ihren Haushalt Jahr für Jahr.“

Die Veranstaltung war hierfür ein interessanter Impulsgeber. Dr. Béatrice von Hirschhausen, Stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch (cmb), sagt: „Ein spannender und anregender Kongress, der den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch befördern soll.“

Antworten, Ideen und Kontakte mit Experten, wie dem nationalen Netzwerk der Bürgerhaushälter, bietet die bpb und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt.

Quelle, InWEnt, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt >>>

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Neue Publikation: Der Bürgerhaushalt in Rosario

Der Bürgerhaushalt in Rosario (Argentinien) In Argentinien setzen mehrere Städte den Bürgerhaushalt um. Die Stadt Rosario (ca. 1 Mio. Einwohner) implementierte das Verfahren im Jahr 2002 als erste Stadt des Landes und konnte ähnlich wie Porto Alegre internationale Aufmerksamkeit als Beispiel für eine gute Regierungsführung auf sich ziehen. In der internationalen Forschung hingegen wurde der Bürgerhaushalt von Rosario bisher jedoch weniger berücksichtigt. Eva Roeder beleuchtet im Rahmen dieser Publikation detailliert die Erfahrungen in Rosario und untersucht neben den Lernerfahrungen der Bürger-Delegierten auch den Jugend-Bürgerhaushalt sowie den spezifische Gender-Ansatz.

Eva Roeder: „Der Bürgerhaushalt in Rosario (Argentinien) – Ein Beitrag zur Demokratisierung der lokalen Ebene“ Erschienen im LIT-Verlag in der Reihe/Region – Nation – Europa,/Bd. 60, ISBN 978–3–643–10508–0.
Zur Verlagsseite: http://www.lit-verlag.de/isbn/3–643–10508–0.

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Mit Bürgerhaushalt Wandel erreichen – Internationaler Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin

Pressemitteilung zum Internationalen Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin der Bundeszentrale für Politische Bildung und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt

Am 21. und 22. Januar 2010 diskutierten in Berlin über 160 internationale Experten und Praktiker aus 13 Ländern über den kommunalen Bürgerhaushalt. In vielen Teilen der Welt – etwa in Afrika und Südamerika – erweist sich der Bürgerhaushalt als erfolgreiches Instrument der Bürgerbeteiligung. Deutsche Kommunen scheinen bisher noch zögerlich zu sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Centre Marc Bloch und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH luden deshalb zum internationalen Erfahrungsaustausch ein. In Foren und Diskussionsrunden analysierten die Teilnehmer die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes und ihre Eignung für Deutschland.

Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den Vertretern aus deutschen Kommunen auf großes Interesse, auch wenn Instrumente oft nicht eins zu eins übertragbar sind. „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der bpb. „Der Bürgerhaushalt ist und kann ein erfolgreiches Beteiligungsinstrument für alle Bürgerinnen und Bürger werden; für Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren.“

So fand beispielsweise ein in der senegalesischen Gemeinde Fissel praktizierter Bürgerhaushalt viel Beachtung und Anerkennung. „Afrika ist hier viel weiter als wir!“, stellte einer der Teilnehmer fest. Anita Reddy, Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt, SKEW, ergänzt: „Afrika ist ein Kontinent, der reich an sehr unterschiedlichen Beispielen des Bürgerhaushaltes ist. Das könnte in Zukunft zu neuen Modellen führen, in denen Demokratisierung als ein wesentliches Thema erfasst wird, die aber auch die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zu Bildung, Wissen und politische Einflussnahme einbeziehen.“

Doch beim Bürgerhaushalt geht es um mehr als die Verteilung knapper Ressourcen: er mobilisiert Menschen zur Teilhabe an Demokratie, fördert soziale Gerechtigkeit, politische Bildung und Armutsbekämpfung. Wichtig ist dabei sowohl die Einbettung des Bürgerhaushaltes in ein nachhaltiges kommunales Beteiligungskonzept als auch die Transparenz des Verfahrens. Allerdings ist es schwierig, die gelungene Implementation sichtbar zu machen, denn die Wirkung eines Bürgerhaushaltes ist nur schwer messbar.

Angesichts vieler neuer Herausforderungen der Kommunen bietet sich der Bürgerhaushalt als Instrument an, um den Wandel mitzugestalten. „Wandel ist eine inhärente Eigenschaft des Bürgerhaushaltes, er inspiriert Menschen, etwas zum Guten zu verändern,“ bilanziert Josh Lerner von der New School for Social Research in New York. „Deshalb muss ein Bürgerhaushalt nicht perfekt sein: beginnen Sie einfach und verbessern Sie ihren Haushalt Jahr für Jahr.“

Die Veranstaltung war hierfür ein wichtiger Impulsgeber. Dr. Béatrice von Hirschhausen, Stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch (cmb), sagt: „Ein spannender und anregender Kongress, der den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch befördern soll.“

Antworten, Ideen und Kontakte mit Experten, wie dem nationalen Netzwerk der Bürgerhaushälter, bieten die bpb und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt.

Pressekontakt
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH
Heike Wülfing
Friedrich-Ebert-Allee 40
53113 Bonn
Mobil: 0171 5400 920
hf.wuelfing@t-online.de

Pressekontakt/bpb
Bundeszentrale für politische Bildung
Daniel Kraft
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515–200
Fax +49 (0)228 99515–293
presse@bpb.de

Die Pressemitteilung als PDF-Dokument (59 KB) >>>

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Internationaler Kongress zu Modellen des Bürgerhaushaltes 2010

Vom 21. bis 22.01.2010 findet in Berlin der erste internationale Kongress zu Modellen des Bürgerhaushaltes in Deutschland statt. Die Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung, der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, InWent sowie dem Centre Marc Bloch richtet sich an Entscheidungsträger/innen und Meinungsführer/innen aus Politik und Verwaltung (mit Erfahrung im Bürgerhaushalt und ohne) aus ganz Europa.

Ort:
InWEnt gGmbH, Europahaus
Stresemannstr. 92, 10963 Berlin

Zeit:
21.01.2010, 12 : 00 – 18:30 Uhr
22.01.2010, 09 : 30 – 15:00 Uhr

Veranstalter:
Bundeszentrale für politische Bildung
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
Centre Marc Bloch, Berlin

Sprachen:
Deutsch und Englisch mit Übersetzung

Teilnahmegebühr:
Für die Teilnahme wird eine Gebühr in Höhe von 50 Euro erhoben, die vor der Veranstaltung vor Ort zu entrichten ist. Eine vergünstigte Gebühr ist auf Anfrage möglich.

Zum Inhalt:
Der Bürgerhaushalt ist eines der erfolgreichsten Instrumente der Bürgerbeteiligung in den Kommunen. Ausgehend von Porto Alegre in Brasilien im Jahr 1989 hat die Idee einer Bürgerbeteiligung am Haushalt mittlerweile in weiteren Schwellenländern, aber auch in vielen Industrienationen Verbreitung gefunden. So gibt es in Europa mittlerweile über 200 solcher Verfahren und noch einmal so viele in Asien, Afrika und anderen Teilen der Welt.

Das Verfahren steht jedoch vor großen Herausforderungen, was sich u.a. darin zeigt, dass in Deutschland nur knapp 40 bis 50 Kommunen einen Bürgerhaushalt eingeführt haben. Einige mehr diskutieren über diese Möglichkeit der Bürgerbeteiligung. Im europäischen Kontext gibt es zwar eine stetig wachsende Zahl von Beispielen, aber die Erfahrung von Porto Alegre scheint nicht einfach wiederholbar zu sein. Ist ein wirkungsvoller Bürgerhaushalt in Europa also eine Utopie?

Die Konferenz soll den Meinungsbildungsprozess auf der administrativen und politischen Ebene im nationalen und internationalen Kontext voran bringen. Sie ist als ein Anreiz für Politiker/innen und Verwaltungsfachleute als auch Vertreter/innen der organisierten Zivilgesellschaft gedacht, den Bürgerhaushalt einzuführen bzw. sich hierfür einzusetzen. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die mit dem Bürgerhaushalt verknüpften Fragen und Kontroversen um seine Rolle für Good Governance, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und politische Bildung – in Deutschland und weltweit.

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Programm
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21.01.2009

12.00 Begrüßung

  • Grußworte Bundeszentrale für politische Bildung und InWEnt

12.20–13.45 Eröffnungsvorträge

  • Verfahren und Modelle des Bürgerhaushalts, Prof. Dr. Yves Sintomer, Centre Marc Bloch
  • Kurzfilm „Bürgerhaushalt“
  • Herausforderungen der Bürgerhaushalte in Deutschland, Dr. Carsten Herzberg, Centre Marc Bloch

Diskussion und Nachfragen

14.00–17.30 Foren inkl. Kaffeepause

  • Forum Ⅰ: Bundesweite und internationale Beispiele (Impulsvorträge mit anschl. Diskussion)
  • Forum Ⅱ: Repräsentative Demokratie, Föderalismus und politische Bildung (World-Cafe)
  • Forum Ⅲ: Soziale Gerechtigkeit und Gender Budgeting (Workshop)
  • Forum Ⅳ: Medien, Modernisierung und Evaluation (Podiumsgespräch mit Diskussion)

Die Referentinnen und Referenten der Foren finden Sie in der angehängten PDF!

17.30–18.30 Vom Süden lernen?

  • Film über Bürgerhaushalte aus dem globalen Süden
  • Internationale Kooperationsnetzwerke zum Bürgerhaushalt. Möglichkeiten der Kooperation für Kommunen, Dr. Giovanni Allegretti, Centro Estudos Sociais (Portugal)
  • Herausforderungen für die kommunale Entwicklungszusammenarbeit, Anita Reddy, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt bei InWEnt (Deutschland)

18.30 Ende

22.01.2009

9.30–12.45 Wiederholung der Foren mit veränderten thematischen Schwerpunkten

12.45–14.00 Mittagessen

14.00–15.00 Impulse und Perspektiven für den Bürgerhaushalt in Deutschland

15.00 Ende

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Einladung und Programm (aktualisiert am 7.1.2009)

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Los Angeles Budget Challenge

LA Budget

Die Stadt Los Angeles führt aktuell eine Bürgerbeteiligung am Haushalt durch. Wie viele Städte weltweit nicht nur in den USA steht LA vor der Herausforderung eine Haushaltssicherung durch Einsparungen und Einnahmeerhöhungen vorzunehmen. Auf der Seite Los Angeles Budget Challenge können die Bürgerinnen und Bürger zwischen verschiedenen Vorschläge zum Haushalt auswählen und jeweils nachvollziehen wie sich Ihre Vorschläge auf das (einzusparende) Budget der Stadt auswirken. Auch wenn es sich hier nicht im engeren Sinne um einen Bürgerhaushalt handelt, ist das Projekt der Stadt Los Angeles dennoch ein sehr interessantes Beispiel für Bürgerbeteiligung über das Internet.

How will you balance the City’s budget?

The General Fund deficit for next fiscal year is projected to be about $408 million. Therefore the „status quo“ bar sets that budget deficit at $400 million. The „Your Budget“ bar shows your budget deficit before your current choice. The „New Budget“ bar shows your budget deficit after your current choice. The Los Angeles Budget Challenge attempts to provide you with enough spending reduction options and revenue options to adequately address this deficit.

Zur Bürgerbeteiligung der Stadt Los Angeles >>>

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International Congress on Participatory Budgeting Models, 2010.01.21–22, Berlin, Germany

Participatory budgeting generates a number of question marks and controversial issues that the congress will aim to address. Invited are decision makers and opinion makers from the spheres of policy making and administration (both with and without experience in people’s budgeting) from right across Europe.

21.01. – 22.01.2010 – Berlin, Germany
InWEnt Congress Centre
Stresemannstr. 92, 10963 Berlin
2010–01–21, 12 : 00 – 18 : 30
2010–01–22, 09 : 30 – 15 : 00

Goals and content:

The success of participatory budgeting depends in many areas on the frameworks put in place by policy makers and administrators. This congress will engage decision makers and opinion makers from the spheres of policy making and administration in constructive dialogue. Furthermore, experiences with existing people’s budgeting models in the European context will be compared and discussed. The debate will be enriched with non-European expertise provided by selected distinguished speakers.

The congress is designed to move forward the opinion-making process at the municipal and policy-making levels in the national and international contexts. It is envisaged that both policy makers and administrative specialists will then be motivated to introduce people’s budgeting.

Invitation and program – new version now available! (PDF) >>>
registration form (PDF) >>>

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neue Literatur: Bürgerbeteiligung und Macht und Bürgerhaushalte in Europa

Zwei neue Titel im Bereich Bürgerbeteiligung und neue Medien sind kürzlich erschienen:

„Von der Bürger zur Solidarkommune – Lokale Demokratie
in Zeiten der Globalisierung“
von Carsten Herzberg:

Ausgehend von den Bürgerhaushalten in Deutschland und einigen internationalen Beispielen diskutiert Carsten Herzberg die Frage der Macht bei Verfahren der Bürgerbeteiligung. Welchen Einfluss haben Bürger auf die lokale Demokratie, wie kann Partizipation zu einer Entlastung von Kommunen in Zeiten der Globalisierung beitragen?

Und „Der Bürgerhaushalt in Europa – eine realistische Utopie?“ von Yves Sintomer, Carsten Herzberg und Anja Röcke:

Es gibt eine Wahlverwandtschaft von Partizipation und Verwaltungsmodernisierung – dies ist die zentrale These des Buches, die anhand einer systematisch-vergleichenden Studie zum Bürgerhaushalt in Europa vorgestellt wird. Bürgerhaushalte gehören zu den innovativsten
Verfahren der Bürgerpartizipation heute und haben sich während der letzten Jahre in mehreren europäischen Ländern entwickelt. In diesem Buch werden die Verfahrensweise und Ergebnisse der Bürgerhaushalte in Europa vorgestellt sowie eine Typologie der partizipativen Demokratie allgemein. Darüber hinaus gibt das Buch Einblick in die Parallelen und Differenzen lokalpolitischer Systeme und der (lokalen) Demokratie in Europa heute.

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Gastbeitrag | Der Bürgerhaushalt der Gymnasien in Poitou Charentes (Frankreich)– zwischen Verwaltungsmodernisierung und partizipativer Demokratie

von Anja Röcke und Yves Sintomer

Anja Roecke Yves Sintomer

Der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ (budget participatif des lycées) in der Region Poitou-Charentes ist das interessanteste Beispiel partizipativer Haushaltspolitik in Frankreich sowie das erste Verfahren auf regionaler Ebene in Europa. Der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ basiert auf dem starken politischen Willen der Regionalpräsidentin Ségolène Royal und verleiht den Teilnehmern direkte Entscheidungskompetenzen (über 10 Millionen Euro jährlich, das heißt 10 % des Budgets für Gymnasien) sowie einen indirekten Einfluss auf Entscheidungen der regionalen Schulpolitik allgemein.

Wie funktioniert das Verfahren, das die Organisatoren unter das Motto der „partizipativen Demokratie“ gestellt haben? Was waren bisher die wichtigsten Ergebnisse?

Ein Zyklus der Beteiligung

Der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ wurde im Jahr 2004 von der neu gewählten Regionalpräsidentin S. Royal (Sozialistische Partei) initiiert und ist seitdem jährlich durchgeführt und weiter entwickelt worden. Das Verfahren basiert auf zwei Versammlungen, die in jedem der 93 Gymnasien organisiert werden und allen betroffenen Akteuren offen stehen: Schülern, Lehrern, Personal (Küchen‑ und Reinigungskräfte, Hausmeister…), Verwaltungsangestellten, Eltern und dem Schuldirektor. Die Sitzungen, auf denen stets auch ein Vertreter der Regionalverwaltung und des Regionalrates sind, werden von externen Diskussionsleitern animiert. Zu Beginn des ersten Treffens (November-Dezember) wird zunächst das Verfahren vorgestellt. In einem zweiten Schritt werden Arbeitsgruppen gebildet, um Projekte zur Verbesserung des Schulalltags zu diskutieren. Schließlich stellen Vertreter jeder Gruppe die jeweiligen Ergebnisse im allgemeinen Plenum vor.

In den darauf folgenden Wochen begutachtet die regionale Verwaltung die einzelnen Vorschläge (maximale Summe pro Vorschlag: 150.000 Euro), bewertet, ob sie unter den Zuständigkeitsbereich der Region fallen und berechnet, wenn dies der Fall ist, die Kosten. Eventuell findet zur Spezifizierung eines Projekts noch ein weiteres Treffen zwischen den Antragstellern und einem regionalen Verwaltungsmitarbeiter statt. Auf der zweiten Versammlung (Januar-Februar) werden die derart begutachteten Projekte von dem Repräsentanten der Region vorgestellt. Es folgt eine Diskussion über die Notwendigkeit und den Nutzen der verschiedenen Anträge, wonach die Abstimmung stattfindet. Der Regionalrat hat sich verpflichtet, im Gesamtrahmen der 10 Millionen Euro die vorrangigen Projekte jedes Gymnasiums zu realisieren. Die Ergebnisse der Abstimmung, sowie alle weiteren Dokumente können auf der Internetseite des Bürgerhaushaltes eingesehen werden.

Ergebnisse: Demokratisierung und Verwaltungsmodernisierung

Im Schuljahr 2007⁄2008 haben 16.400 Menschen an beiden Runden teilgenommen, das heißt 7–8 % der eingeladenen Bürger (Gesamtzahl 120.000) sowie 40 % aus der Gruppe der Schüler. Dies ist ein sehr beachtliches Ergebnis im Vergleich zu vielen anderen Beteiligungsverfahren, bei denen die Beteiligungsrate oft um 1 % liegt. Im Hinblick auf die Vielzahl der Versammlungen (insgesamt 186), der eingesetzten logistischen wie personellen Mittel sowie der in manchen Schulen vorherrschenden Beteiligungsverpflichtung der Schüler erscheinen die Ergebnisse hingegen etwas weniger weit reichend. In den einzelnen Schulen hängen das Niveau der Beteiligung sowie die Qualität der Debatten maßgeblich davon ab, ob der Bürgerhaushalt von den Lehrern und dem Schuldirektor unterstützt wird.

Bezüglich des konkreten Einflusses der Teilnehmer verfügen diese einerseits über eine beachtliche Autonomie, da sie die Rangfolge der Projekte in einer Wahl festlegen, die von der Region akzeptiert wird (de facto Entscheidungskompetenz); andererseits wird der Prozess fast ausschließlich „von oben“ organisiert, also von der Regionalregierung und den in ihrem Auftrag arbeitenden Moderatoren. Nichts desto trotz berücksichtigen die Organisatoren in wachsendem Maße die Perspektiven der Teilnehmer auf das Verfahren sowie auf die regionalen Prioritäten in der Schulpolitik allgemein. Aus diesem Grund verleiht der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ den Teilnehmern auch einen indirekten Einfluss auf weiter reichende politische Fragen als konkrete Projekte in einzelnen Schulen (mehr als 700 Projekte in den Jahren 2004–2007).
Eine zweite Beteiligungsebene, die eine Diskussion zwischen einzelnen Schulen ermöglicht hätte, wurde bisher nicht realisiert, ist aber für den Zeitraum nach den Regionalwahlen 2010 geplant (im Falle eines erneuten Wahlsiegs der Sozialistischen Partei).

Aus diesem Grund lassen sich aus dem Verfahren keine direkten sozialen Umverteilungseffekte ableiten, sondern diese entstehen über die Prioritätensetzung auf regionaler Ebene. Die wichtige Rolle der der Schüler, die in den bestehenden repräsentativen Gremien in den Schulen eine sehr geringe Rolle spielen, hat zu neuen Informationen über den Zustand in den einzelnen Schulen geführt. Die regionalen Verantwortlichen konnten konkrete Antworten auf die neu entdeckten Probleme entwickeln, z.B. eine bessere Ausstattung in Internaten, mehr kulturelle Aktivitäten für Schüler oder mehr lokale Produkte in Schulkantinen. Durch die größere Transparenz von Entscheidungen, der besseren Kommunikation zwischen Schulen (nicht nur dem Direktor) und Verwaltung sowie der größeren Kontrolle von Entscheidungen hat der „Bürgerhaushalt der Gymnasien“ zu einem umfassenden Reformprozess in der regionalen Verwaltung geführt. Auch wenn es tatsächlich in Richtung einer „partizipativen Demokratie“ im Sinne einer Verbindung von direkter Partizipation und repräsentativen Institutionen geht, ist dieses Verfahren daher an erster Stelle ein gelungenes Beispiel von einer Modernisierung der Verwaltung durch Partizipation und daher auch von besonderem Interesse für die Diskussion zum Bürgerhaushalt in Deutschland.

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Bürgerhaushalte weltweit

Eine Karte mit Bürgerhaushalten in der ganzen Welt gibt es hier >>>

Erstellt wurde sie von Tiago Peixoto einem Wissenschaftler am European University Institute in Florenz. Für Deutschand ist die Karte nicht ganz vollständig, zeigt aber einen interessanten Überblick, was sich weltweit tut zum Thema „Participatory Budgeting“.

Weltkarte Bürgerhaushalte >>>

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