Web 2.0

 

Gastbeitrag | Bürgerhaushalte als elektronisch unterstütztes Verwaltungsverfahren

Guido Kahlenvon Guido Kahlen

Als erste deutsche Großstadt führte Köln einen Bürgerhaushalt auf Basis des Neuen Kommunalen Finanzmanagements durch. Mit dem Pilotprojekt zum Bürgerhaushalt 2008 wurde dabei gleichzeitig „E-Participation“ als neuer Service der Stadtverwaltung eingeführt, der das Ziel verfolgt, Bürgerbeteiligung mit Hilfe des Internets effektiv, transparent und handlungsorientiert zu unterstützen. Köln hat damit ein national sowie international viel beachtetes Projekt zur Entwicklung einer modernen Bürgerkommune erfolgreich in die Tat umgesetzt. Dieser Weg wird durch Beschluss des Stadtrates getragen, fortgeführt und ausgebaut.

War das Internet bis vor kurzem eher ein Informationspool einiger weniger „Eingeweihter“, die sporadisch auch eigene Inhalte veröffentlichten ist das sog. Web 2.0 mittlerweile in aller Munde.
Mit dem Begriff Web 2.0 verbindet sich der Gedanke, aus dem Internet einen virtuellen Ort der Partizipation und gemeinsamen Problemlösung zu machen. Gerade wir als Kommune können dieses Prinzip nutzen, indem wir Bürger stärker an Planungs‑ und Entscheidungsprozessen beteiligen. Unter den derzeit praktizierten Beteiligungsverfahren ragen vor allem solche zur Haushaltsplanung hervor, denn wie viele andere Kommunen in Deutschland rechnet auch Köln für die nächsten Jahre mit großen wirtschaftpolitischen Herausforderungen.

Warum sollte man diese Herausforderung ohne Konsultation der Bürger annehmen? In einer Zeit, in der Millionen Menschen die gängigen interaktiven Internet-Plattformen aktiv nutzen um sich mitzuteilen, sich am täglichen Geschehen beteiligen und an gemeinsamen Projekten mitwirken wollen. Wir in der Kommune haben diese Entwicklung lange Zeit nur als »Zaungast« beobachtet. Es geht nun darum, dieses Partizipationsverhalten aufzunehmen und uns aktiver in das mediale Geschehen und die Dialoge einzubringen. Dabei gilt es, nicht den Fehler zu machen, die Kommunikationsmöglichkeiten die das „Web 2.0“ bietet und die vom Bürger als „State of the Art“ erwartet werden, außer Acht zu lassen. Wie die direkte Kommentierung von Artikel in den Internet-Ausgaben vieler Zeitungen müssen Partizipationsverfahren Dialog-orientiert, leicht zugänglich, schnell und übersichtlich sein. Das Thema E-Partizipation ist relevanter Bestandteil unserer E-Government-Strategie. Wir dürfen die Gestaltung dieses zusätzlichen, jedoch immer wichtiger werdenden öffentlichen Raumes nicht ausschließlich der Web 2.0 Generation oder der Wirtschaft überlassen.

In Köln haben wir unser Projekt vorrangig unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet. Erfolg hat Bürgerbeteiligung wenn mehrere Herausforderungen gemeistert werden: Das Verfahren ist zum einen so zu gestalten, dass es in den Alltagswelten der Bürger der Kommune Resonanz findet und zur Beteiligung motiviert; zum anderen ist das Verfahren auch in den politischen und behördlichen Alltag möglichst reibungsarm zu integrieren. Beide Verankerungen verlangten eine technisch-organisatorische Gestaltung des Verfahrens. Gleichzeitig wollten wir das Projekt im Rahmen unserer E-Partizipation-Strategie auch als integralen Bestandteil des Ideen‑ und Wissensmanagements der kommunalen Verwaltung verstanden wissen. Sieht man diese Arbeiten im Gesamtkontext mit dem Projekt D115 und der Umsetzung der EU-DLR, zeigt sich die Stadt Köln als eine moderne, kundenorientierte Verwaltung.

Der Autor
Guido Kahlen ist seit Juni 2006 Stadtdirektor der Stadt Köln. Er leitet das Dezernat Ⅰ – Allgemeine Verwaltung, Ordnung und Recht und hat das Projekt Kölner Bürgerhaushalt von Anfang an verantwortlich begleitet.

[mehr]

 

E-Partizipation und Haushaltsplanung 2.0

Die Seite Partizipation & Nachhaltige Entwicklung in Europa des österreichischen Bundesministeriums für Land‑ und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft bietet diverse Informationen zum Thema E-Partizipation.

Mehr als 70 interessante Praxisbeispiele gelungener Partizipationsprozesse, einen Überblick über unterschiedliche Methoden der Beteiligung, eine Übersicht über Fachliteratur, Veranstaltungen zum Thema und vieles mehr.

Sie informiert über verschiedene Projekte in Österreich und im Ausland zum Beispiel zu den Themen E-Partizipation und Umwelt oder Haushaltsplanung 2.0.

In diesem Zusammenhang informiert ein Artikel von Markus Klima, Oliver Märker und Josef Wehner über Elektronische Bürgerbeteiligung in der kommunalen Haushaltsplanung. Weiterhin informiert ein Steckbrief über den Bürgerhaushalt Köln als Praxisbeispiel.

Zur Seite „Partizipation & Nachhaltige Entwicklung in Europa“ >>>

[mehr]

 

Praxisbericht: Film über Kölner Bürgerhaushalt zum Download

Über den inzwischen mehrfach ausgezeichneten Kölner Bürgerhaushalt wurde ein Film gedreht, der jetzt online als Download verfügbar ist.

In dem Film „Deine Stadt – Dein Geld“ (21 Minuten) wird das elektronisch unterstützte Beteiligungsverfahren, seine Ziele und Beteiligungsmöglichkeiten und seine Ergebnisse aus der Perspektive verschiedener Akteure der Stadt Köln dargestellt. Zu Wort kommen u.a. der Oberbürgermeister, der Stadtdirektor, der Stadtkämmerer, der Leiter der Online-Dienste, ein Journalist und Bürgerinnen und Bürger.

Hier geht es zur Download-Seite „Deine Stadt – Dein Geld“ >>>

[mehr]

 

Transparenter Haushalt in den USA: The Interactive Federal Budget Project

Ein Projekt der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs in Austin, Texas, möchte durch einen transparenten Staatshaushalt die Politikverdrossenheit der US-Bürger mindern:

The U.S. federal government can promote civic engagement and ensure accountability by becoming a dependable source of public, usable information. Transparency projects can facilitate „consumer confidence“ in government, and interoperability standards, combined with the ease of online research, can promote efficiency in government operations.

In dem Projekt geht es darum, Informationen über den Staatshaushalt der USA im Internet nicht nur zu veröffentlichen, sondern auch verständlich aufzubereiten und darüber in einen Dialog mit den Bürgern zu treten. Das bereits vorhandene „E-Budget“, das Haushaltsinformationen bereit stellt, soll nun informativer und interaktiver gestaltet werden:

Currently, the Office of Management and Budget (OMB) provides Presidential budget data online in PDF, XLS, CSV, and HTML formats. These formats make it difficult for users to extract, sort, mine, and tag data according to their interests. Although the „E-Budget“ introduced by OMB in 2008 is an important step, we want to make the Presidential budget not only Web-accessible, but also as interactive and informative as possible.

Mehr Informationen zum Projekt sind bislang noch nicht online. Auf der Seite der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs ist eine 14-minütige Präsentation mit den Zielen des Projekts abrufbar. Mal sehen, was tatsächlich davon verwirklicht werden wird.

Zur Seite des The Interactive Federal Budget Project mit einer Präsentation zum Project >>>

[mehr]

 

Berlin: Kommunalkongress 2009 der Bertelsmann Stiftung

Am 9. und 10. März findet in Berlin der 6. Kommunalkongress, der Kommunalkongress 2009 der Bertelsmann Stiftung statt. Im Mittelpunkt steht das Thema „Superwahljahr“ und „Führung“ und damit Fragen wie

→ Welchen Einfluss hat unser Führungsverhalten auf die Beziehungen zwischen Bürgern und ihrer Kommune?
→ Wird es gelingen, die Bürger für die gemeinsame Sache zu aktivieren?
→ Wie motivieren wir uns selbst?

Im Zusammenhang mit der Beteiligung der Bürger an der kommunalen Haushaltsplanung sind aus unserer Sicht insbesondere die angebotenen Foren 1 und 3 am ersten der beiden Kongresstage interessant:

1. Führen statt verführen: Finanzpolitik zwischen Wahlversprechen und Finanzkrise Nachhaltige Haushaltspolitik braucht neben der Methodenkompetenz insbesondere Führungspersönlichkeiten. Wie können die Verantwortlichen in den Kommunen wieder stärker in die Rolle des Gestalters kommen und wie sollen die notwendigen Kurskorrekturen kommuniziert werden?

Bürgerhaushalte könnten als ein Führungsinstrument in Zeiten der Finanzkrise eingesetzt werden, nicht nur um die kritische Situation in Kommunen besser für die Bürgerinnen und Bürger verständlich zu machen. Sie liefern auch wichtige Bürgerexpertise für das Führungspersonal, das dadurch seine Entscheidungen zusätzlich qualifizieren könnte. Und das aus Sicht des Führungspersonal entscheidendste ist wohl, dass durch Bürgerhaushalte die politischen Akteure und ihre verantwortungsvolle Rolle wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken würde. Dass durch mehr Bürgerbeteiligung ein mehr an Führung möglich werden könnte, klingt zunächst paradox.
Es bleibt daher abzuwarten, inwiefern in dem 1. Forum das Thema „Führung durch Bürgerbeteiligung“ zur Sprache kommt, oder ob Instrumente wie Bürgerhaushalte überhaupt in diesem Zusammenhang diskutiert werden. Und wenn, ob sie dann eher als „führungshinderlich“ angesehen werden?

3. Web 2.0: neue Formen der Beteiligung Web 2.0 ermöglicht vollkommen neue Formen der Öffentlichkeit und der Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Bürgern. Wie lässt sich diese zweite Generation des Internets sinnvoll einsetzen, um Beteiligung zu effektivieren? Wir stellen innovative Instrumente vor.

Auch dieses Forum ist für das Thema Bürgerhaushalt interessant, da Bürgerhaushaltsverfahren auch auf das Internet als Beteiligungskanal setzen, wie etwa der Bürgerhaushalt Lichtenberg seit vielen Jahren das Internet als zusätzlichen Beteiligungskanal anbietet. Auch die Bürgerhaushalte in Bergheim, Freiburg, Jena, Köln oder Potsdam setzen auf das sogenannte „Mitmachweb“, das Web 2.0. In diesem Forum wird daher auch der Bürgerhaushalt 2008 in Köln von Guido Kahlen (Stadtdirektor, Stadt Köln) vorgestellt, an dem sich mehrere tausend Kölner/innen über eine Beteiligungsplattform mit ihren Vorschlägen zum Haushalt beteiligten.

Mehr Infos:
www.kommunalkongress.de >>>
www.bertelsmann-stiftung.de >>>
Mehr zu Bürgerhaushalte u. Web 2.0 auf dieser Plattform >>>
Mehr zum Bürgerhaushalt Köln auf dieser Plattform >>>

[mehr]