Interview mit Licenia Pinillo, Gründerin von „Fundación al rescate del Pacífico“

Interview mit Licenia Pinillo, Gründerin von „Fundación al rescate del Pacífico“

Bericht |  Internationales |  Redaktion |  21.01.2021
Interview mit Licenia Pinillo, Gründerin von „Fundación al rescate del Pacífico“
Das Logo der Fundación al rescate del Pacífico

Teilnahme an Bürgerhaushalten ist in Kolumbien für viele Bürger*innen sehr schwierig, weil sie nicht die erforderlichen Kriterien erfüllen - das gilt auch und insbesondere für Frauen. Um dem entgegenzuwirken und den Menschen eine Plattform der gesellschaftlichen Teilhabe zu ermöglichen, gründete die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Licenia Pinillo, gemeinsam mit 15 weiteren Anwält*innen und Sozialarbeiter*innen, eine Bürgerbewegung, die sie „Fundación al rescate del pacífico“ nennen. Übersetzt heißt das: Stiftung zur Rettung der Pazifikregion.

Einen Überblick über die Hintergründe des Projekts finden Sie im Text „Selbst ist die kolumbianische Frau“.


Unsere Redakteurin Eliana Lang hat sich mit Licenia Pinillo über ihr Projekt unterhalten.

Liebe Licenia, wie ist die aktuelle Lage in Kolumbien?

Für Frauen ist es schwierig sich an Bürgerhaushalten zu beteiligen. Dafür müssen sie zu viele formale Bedingungen erfüllen, so einfach ist das nicht. Vor allem die Frauen der Pazifikküste und des ländlichen Raums haben wenig Mittel um das zu erreichen, was sie sich wünschen. Der Staat unterstützt sie nicht.

Welche Projekte stehen aktuell an und wie ist ihr Entwicklungsprozess?

Im Moment haben wir ein Projekt, in dem selbstbewusste Frauen lernen, wie sie sich täglich durchbringen/durchschlagen können. 65 schwarze Frauen nehmen an den Workshops zu Partydekoration und dem Einpacken von Weihnachtsgeschenken teil. Außerdem lehren wir Elemente der Schneiderlehre und wir geben Unterricht für den leichteren Umgang mit dem Internet/Computer. In diesen Workshops reflektieren und wiederholen wir außerdem die Rechte der Menschen und zeigen auf, wie wichtig es ist, sich wertzuschätzen.

Zurzeit mieten wir Räume im Corregimiento de Rozo, Municipio de Palmira. Dort laden wir Psychologen, Anwälte, Sozialarbeiter, Lehrer etc. ein. Das Projekt findet fünf Mal die Woche statt und wird insgesamt zwei bis drei Monate dauern.

Wie ist der Austausch zwischen Kommunen innerhalb Kolumbiens, aber auch in ganz Südamerika? Gibt es internationale Vernetzungen? (Bsp.: bhh.org

Es gibt, soweit ich weiß, keinen Austausch. Im Dezember 2020 hat das Innenministerium Gelder für einen „Wettbewerb“ bereitgestellt, in dem 167 von 300 Projekten ausgewählt wurden. Sie wurden ausgewählt, um Mitglieder des städtischen Frauenrundtisches zu werden. Unter den Gewinnerprojekten ist auch unseres in diesem Jahr.

Welche Zielgruppen beteiligen sich an dem Projekt und wie haben sie davon erfahren?

An diesem Projekt nehmen nur Frauen teil. Wir haben sie informiert, in dem wir von Tür zu Tür gegangen sind und sie angerufen haben. Die Frauen kannten uns bereits. Unsere Organisation „Fundación al rescate del Pacífico“ unterstützt seit zwei Jahren eine Gruppe älterer Menschen (insgesamt sind es 135 Personen). Um Gelder für die Unterstützung der Menschen zu bekommen, haben wir Gerichte verkauft.

Gibt es eine Jugendbeteiligung?

Das Projekt ist sehr durchwachsen, es beteiligen sich 18 bis 65-jährige Frauen. Tatsächlich sind es aber mehr jüngere, als ältere Frauen.

Die Guerilla ist noch heute in einigen Kommunen Kolumbiens verstärkt präsent. Hat sie Einfluss auf das Geschehen der Bürgerbeteiligung? Hat es in der Vergangenheit Fälle gegeben?

In der Vergangenheit hat es immer Entführungen und Gewaltverbrechen gegeben. Dieser Fakt sorgt für Kriminalität, deren Verbreitung gilt es zu verhindern. Auch aus diesem Grund klären wir die Frauen in unserem Projekt über ihre Rechte auf.

Welche Bereiche werden von der Bevölkerung bevorzugt bzw. wo ist am meisten Bedarf?

Die meisten bevorzugen den Bereich der Bildung. Sie wollen Dinge lernen, sich verteidigen können und somit ihre Lebensqualität verbessern. Sie wollen ihr „täglich Brot“ selbst verdienen, auch, um nicht mehr von ihrem Mann abhängig zu sein.

Wie haben sie die Corona-Pandemie erlebt?

Es gab einen Umstieg auf virtuelle Workshops. Dieser Wechsel war sehr abrupt. Wir mögen die Nähe der Menschen und Umarmungen sehr. Diese plötzliche Distanz und das Grüßen aus der Ferne hat uns hart getroffen. Allmählich geben wir wieder persönliche Workshops, natürlich beachten wir die geltenden Abstands- und Hygienebestimmungen.

Welche konkreten Projekte wurden erfolgreich in die Tat umgesetzt?

Das ist das erste in dieser Art.

Gibt es Perspektiven für zukünftige Projekte? Welche?

Nein, noch nicht!

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