Partizipation per SMS in Kamerun

Partizipation per SMS in Kamerun

Pressebericht |  Internationales |  Redaktion |  17.06.2013
Partizipation per SMS in Kamerun

Eine 2004 von der Regierung in Kamerun gestartete Initiative, die durch Dezentralisierung und Stärkung von kommunalen Entscheidungsstrukturen die Armut vor Ort bekämpfen sollte, sah sich zuletzt mit großen Herausforderungen konfrontiert. Fehlende Partizipationskultur, wenige zugängliche Plattformen für den Dialog, der Mangel an lokalen Mitteln und nicht zuletzt deren schwer zu kontrollierende Verteilung vor Ort gefährdeten den Erfolg der Initiative.

 

An dieser Stelle erwies sich die statistische Erkenntnis, dass ungefähr die Hälfte der Bevölkerung in Kamerun über ein Handy verfügt – im Gegensatz zu nur etwa 700.000 Menschen mit Internetzugang – als nützlich. Das Projekt ODTA-ICT4GOV, hinter dem sich das Institut Information and Communications Technology for Governance (ICT4GOV) der Weltbank sowie die Open Development Technology Alliance (ODTA) verbergen, versuchte 2012 erstmals, die verbreiteten Mobiltelefone für einen Bürgerhaushalt zu nutzen. In einem innovativen Experiment konnten Bürger/Innen in zwei Bezirken der Hauptstadt Yaoundé per SMS aktiv an Entscheidungsprozessen teilnehmen. Involviert in das Projekt waren lokale Stakeholder und andere Akteure, die in Workshops, Kollaborationen und Aktionen das Projekt förderten und die Bürger/Innen mobilisierten.

 

Verdopplung der Beteiligung

 

Das Experiment bestand aus fünf Schritten. Zunächst wurden die Bürger/Innen per SMS über das Projekt, wichtige Termine und die Rahmenbedingungen informiert. Als nächstes wurden in Nachbarschaftsforen die wichtigsten Probleme identifiziert und Repräsentanten gewählt. Die Delegierten kamen daraufhin zusammen und erstellten mit der Unterstützung lokaler Behörden eine Nachhaltigkeitsstudie zu den verschiedenen Projektvorschlägen aus den Nachbarschaften. In einem abschließenden kommunalen Meeting konnten dann die Bürger/Innen direkt oder per SMS abstimmen, welche Projekte sie im nächsten Haushalt berücksichtigt sehen wollten. Die Integration der so ausgewählten Projekte in den folgenden kommunalen Haushalt schloss den Kreis. Während des gesamten Prozesses wurden die Bürger/Innen via SMS-Service über alle Entscheidungen und Entwicklungen informiert.

 

Die Ergebnisse des Experimentes lassen hoffen: Durch die Einbindung von SMS-Services in den Bürgerhaushaltsprozess konnte die Bürgerbeteiligung signifikant erhöht werden – insgesamt wurden rund 3000 Bürger/Innen in den zwei Bezirken mobilisiert, was einer Verdopplung der Beteiligung gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Die ausgewählten Projekte in den Bereichen Straßenausbau und -beleuchtung sowie Wasser- und Sanitärversorgung verbesserten die lokale Infrastruktur spürbar. Gleichzeitig ließ sich ODTA zufolge ein Anstieg der Transparenz und Verantwortlichkeit in kommunalen Entscheidungsprozessen sowie eine Stärkung lokaler Vernetzung und zivilgesellschaftlicher Anteilnahme beobachten.

 

Ein Präzedenzfall für den internationalen Diskurs

 

Das Experiment habe gezeigt, so heisst es bei ODTA weiter, dass der kluge Einsatz von Technologien wie Mobilfunk große positive Veränderungen hervorbringen kann. Gleichwohl offenbare das Experiment auch einige zukünftige Herausforderungen: so liege etwa die Mobilfunkauslastung in Kamerun mit 51% noch deutlich unter dem afrikanischen Durchschnitt.

 

Das erfolgreiche Projekt hat aber bereits über den lokalen Raum hinaus fruchtbare Wurzeln getragen. Es schafft einen Präzedenzfall für den positiven Ausgang solcher partizipatorischer Initiativen und kann für den internationalen Diskurs in ganz Afrika als Referenz dienen. Außerdem hat die Europäische Union bereits ein Folgeprojekt beschlossen – es sieht so aus, als stünde der Siegeszug der SMS in der kommunalen Bürgerbeteiligung in den Startlöchern.

 

Bilder: www.odta.net

 

Links:

Link zum Original-Artikel (eng.) auf odta.net

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