Neuigkeiten

 

3. Statusbericht: Bürgerhaushalte in Deutschland (März 2010)

Der 3. Statusbericht seit dem Bestehen der Seite Buergerhaushalt.de bietet einen kurzen Überblick über alle auf der Seite dokumentierten Bürgerhaushalt-Kommunen und ihre Status. Alle Kommunen sind nach ihren Status in einer Tabelle gelistet.

140 Kommunen sind inzwischen in die Karte der Bürgerhaushalte in Deutschland aufgenommen. 67 davon sind bereits aktive Kommunen, das heißt sie haben einen Bürgerhaushalt beschlossen (Status „B“), eingeführt („E“), fortgeführt („F“) oder informieren ihre Bürger über den Haushalt („I“) – zum Vergleich im Juli 2009 waren es 58 aktive Kommunen.

Innerhalb der aktiven oder diskutierenden Kommunen gab es außerdem einige Statusänderungen im vergangenen halben Jahr. Für Münster änderte sich der Status von „I“ zu „D“. Bei den Kommunen Ingolstadt, Hürth, Strausberg und Jüterbog änderte sich der Status von „D“ zu „E“. In Solingen und Trier änderte sich der Status zunächst von „D“ zu „B“ und dann weiter zu „E“. Oldenburg veränderte seinen Status von „B“ zu „E“. Für Bad Wildungen änderte sich der Status von „E“ zu „F“.

Seit dem letzten Statusbericht im Juli 2009 ist besonders die Zahl der Kommunen, in denen ein Bürgerhaushalt diskutiert wird – Kommunen mit Status „D“ – angestiegen, von 52 auf 69. Diese Entwicklung zeigt, dass das Thema Bürgerhaushalt besonders in Zeiten knapper Kassen in immer mehr Kommunen zum Thema wird.

Der 3. Statusbericht als PDF zum Download >>>

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Ansturm auf solingen-spart.de

Pressemitteilung der Stadt Solingen vom 8. März 2010. Nr. 152/pe – 08.03.2010.

(pa) „Kölner Verhältnisse“ registriert Oliver Märker vom
Beratungsunternehmen zebralog auf der Internetplattform
www.solingen-spart.de. Nur beim Kölner Bürgerhaushalt 2008
habe er eine ähnlich rege Teilnahme in den ersten Onlinetagen
erlebt. Doch Köln sei eine Millionenstadt. Auch wenn der
Zuspruch bis zum 25. März abflauen sollte, rechnet der Experte
damit, dass das Ziel, ein Prozent der Bevölkerung auf die
Beteiligungsplattform zu locken, erreicht, wenn nicht sogar
übertroffen wird.
Am Montag nachmittag, 16:30 Uhr, lagen folgende Nutzerzahlen
vor: 1.285 registrierte Teilnehmende, 6.482 Besucherinnen und
Besucher auf der Seite insgesamt; dazu kamen 1.654
Kommentare und rund 34.000 Pro‑ und Contra-Bewertungen.
Das heißt: durchschnittlich hatte jeder registrierte Nutzer rund
30 Sparvorschläge bewertet. Märker: „Und das nach vier Tagen
 – das sind im Vergleich zu anderen Bürgerhaushalten
hervorragende Beteiligungszahlen.“ Ab Dienstag morgen wird
die Startseite um eine sogenannte „Statistikbox“ erweitert –
dann kann jeder Internetnutzer die Teilnehmerzahlen selbst
verfolgen.

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Weltsichten – Bürgerhaushalte in Deutschland und Lateinamerika

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Weltsichten – Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit – sind zwei Artikel zum Thema Bürgerhaushalt erschienen.

Mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung
Bürgerhaushalte in Lateinamerika und in Deutschland >>>

Weltweit können in rund 2000 Städten die Bürger über die Verwendung öffentlicher Haushalte mitentscheiden. Vorbild ist die brasilianische Stadt Porto Alegre, die seit mehr als zwanzig Jahren einen Bürgerhaushalt hat. Auf einer internationalen Konferenz der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von InWent in Berlin wurde auch über die Fallstricke dieser Form der Beteiligung diskutiert.

„Bürgerhaushalte müssen sich an Ergebnissen messen lassen“
Interview mit George Matovu, einem Experten für Kommunalpolitik von der Organisation Municipal Development Partnership in Simbabwe >>>

Lateinamerika gilt als Heimat der Bürgerhaushalte. Aber auch in Afrika gibt es Beispiele. Laut George Matovu, einem Experten für Kommunalpolitik von der Organisation Municipal Development Partnership (MDP) in Simbabwe, passen sie gut zu dem Kontinent, weil dort Beteiligung und Konsensbildung traditionell wichtig sind.

Zur Website der Zeitschrift Weltsichten >>>

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Rat für Nachhaltige Entwicklung: „Bürgerhaushalte als Chance für kommunale Nachhaltigkeit?“

Der Artikel „Trend Bürgerhaushalte: Chance für kommunale Nachhaltigkeit?“ des Rates für Nachhaltige Entwicklung informiert zum Thema Bürgerhaushalte im Rahmen einer nachhhaltigen Kommunalentwicklung. Gerade Themen wie Umwelt und Bildung bekommen durch Bürgerbeteiligung oftmals mehr Gewicht, heißt es in dem Artikel.

Zum Artikel >>>

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung wurde 2001 von der Bundesregierung berufen. Er besteht aus Fachleuten, Wissenschaftlern und Politikern, die die Bundesregierung zum Thema Nachhaltigkeit beraten.

„Nachhaltigkeitspolitik soll eine wichtige Grundlage schaffen, um die Umwelt zu erhalten und die Lebensqualität, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung in einer integrierten Art und Weise sowohl in Deutschland als auch international voran zu bringen. Ziel ist es dabei, eine ausgewogene und gerechte Balance zwischen den Bedürfnissen der heutigen Generation und den Lebensperspektiven künftiger Generationen zu finden.“

Zum Rat für Nachhaltige Entwicklung >>>

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Wie viel (direkte) Demokratie ist in Bürgerhaushalten möglich? – Bericht vom internationalen Kongress über Modelle des Bürgerhaushalts.

von Carsten Herzberg

Der vorliegende Beitrag erscheint in der Zeitschrift Alternative Kommunalpolitik – AKP, Nr. 2⁄2010

Vom 21. bis 22. Januar fand mit über 160 Wissenschaftlern und Praktikern aus fünf Kontinenten in Berlin eine der weltweit größten Konferenzen zum Bürgerhaushalt statt. So hat z.B. mit Herrn George Matovu von der Kommunalkooperation MDP-ESA zum ersten Mal ein Afrikaner in Deutschland über Bürgerhaushalte auf seinem Kontinent berichtet. Das Gleiche gilt für Herrn Baogang He, einen chinesischen Wissenschaftler. Weiterhin waren mit Leonardo Avritzer und Josh Lerner wichtige Akteure aus Süd‑ und Nordamerika vertreten. Nicht zu vergessen die Kommunen aus Deutschland und Europa. Organisiert wurde dieses Treffen von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH und dem Centre Marc Bloch. Ziel der Veranstaltung war der internationale Erfahrungstransfer: „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, so der Präsident der bpb Thomas Krüger. Derzeit gibt es weltweit ca. 2.000 Beispiele – eine Erfolgsgeschichte. Die Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, Anita Reddy, fasste dies mit einer Metapher zusammen: Die Karavellen, die zu Beginn der Neuzeit aufgebrochen sind, um eine neue Welt zu entdecken, kehren zurück. An Bord haben sie ein innovatives Instrument der Bürgerbeteiligung, das zu einer gleichberechtigten Nord-Süd-Kooperation einlädt (InWEnt 2010).

Als Impulse für eine Weiterentwicklung der hiesigen Bürgerhaushalte könnten insbesondere drei Aspekte von Bedeutung sein: Bürgerhaushalte in kommunalen Unternehmen; Stärkung der Kinder‑ und Jugendbeteiligung und die gleichberechtigte Berücksichtigung der Interessen von Männer und Frauen. Zu letzterem hat bereits im Sommer vergangenen Jahres eine Konferenz in Köln stattgefunden (vgl. Vorwerk 2009). Die Berliner Konferenz griff diesen Ansatz auf. Nach einer Einführung von Manfred Köhnen erläuterte Graciela Ciciliani, Frauenbeauftragte aus dem argentinischen Rosario, das Verfahren ihrer Heimatstadt, das von seiner Grundstruktur dem Bürgerhaushalt der brasilianischen Vorzeigestadt Porto Alegre ähnlich ist: Im Zentrum stehen Investitionsprojekte für Stadtteile und die Gesamtstadt, die auf Bürgerversammlungen und Delegiertengremien diskutiert und de facto auch entschieden werden. Die Besonderheit von Rosario liegt in einer impulsiven Gender-Politik: In einem ersten Schritt hat diese erreicht, dass Frauen ein Drittel der Mitglieder des Bürgerhaushalt-beirates stellen. Dies wurde möglich durch eine Kinderbetreuung während der Veranstaltungen, eine Anpassung der Fachsprache und eine auf Frauen fokussierte Mobilisierung. Der entscheidende, von deutschen Beispielen abweichende Beitrag, liegt jedoch im zweiten Schritt. Die Frauen werden von unabhängigen Nichtregierungsorganisationen geschult. Ziel ist es, dass sie über ihre Bedürfnisse nachdenken. „Am Anfang“, so berichtete Frau Ciciliani, „haben Frauen die Projekte der Männer unterstützt, die sich Fußballplätze und Ähnliches wünschten. Eine Variante bestand darin, dass sie ‚plakative‘ Frauenprojekte in den Bereichen Familie, Gesundheit und Frauenberufen vorgeschlagen haben.“ Mit den Workshops wurde eine Reflexion jenseits der typischen Geschlechterrollen gefördert, was ein wesentliches Anliegen des Gender Budgeting ist. Durch eine Zusammenarbeit mit dem UN-Programm Unifam soll nun eine Gender-Evaluation des Gesamthaushaltes vorgenommen werden (vgl. ausführliche Beschreibung bei Roeder 2010).

Für die deutsche Diskussion könnte weiterhin ein Bürgerhaushalt in kommunalen Unternehmen interessant sein. Diese im Besitz der Kommunen befindlichen Unternehmen, die als Stadtwerke oft die Wasser‑, Energie‑ und Stromversorgung übernehmen, sind durch ihre juristische Eigenständigkeit von der Kommunalverwaltung ein Stück weit entfernt. Dies ist auch bei dem Unternehmen Toronto Community Housing der Fall, dem mit 164.000 Mietern zweitgrößten öffentlichen Wohnungsanbieter in Nordamerika. Im Gegensatz zu den Wohnungsunternehmen in Deutschland haben die Mieter hier eine weitreichende Mitsprache. Steve Floros, der Exekutivdirektor erklärt, dass von den 53 Mio. Kanadischen Dollar (36 Mio. Euro) 9 Mio. Dollar (ca. 6 Mio. Euro) durch die Mieter vergeben werden. 80 Prozent dieser Gelder werden auf dezentralen Veranstaltungen in den Gebäudekomplexen verteilt, die restlichen 20 Prozent auf einer zentralen Veranstaltung, auf der Mieter ihre Projekte vorstellen. Mit den Geldern werden vor allem kleinteilige Maßnahmen wie Verschönerungen an Gebäuden, Spielplätzen und andere Investitionen finanziert. Dieser Bürgerhaushalt hat im doppelten Sinne eine soziale Ausrichtung: Zum einen gehören die Mieter/-innen des Community Housing zum überwiegenden Teil den ärmeren Bevölkerungsgruppen an. Zum anderen versucht man genau diese Menschen in die Realisierung der Projekte mit einzubeziehen: Das heißt z. B., dass sie für Malerarbeiten, Pflanzaktionen und Reparaturleistungen bezahlt werden. In manchen Fällen sind daraus auch dauerhafte Jobs entstanden.

Bereits in verschiedenen Ländern ist die Beteiligung von Kinder und Jugendlichen gut entwickelt (vgl. Nitschke/Ködelpeter 2009). Am weitreichendsten ist dieser Ansatz in Frankreich, wo in der französischen Region „Poitou-Charentes“ in einem Verbund von 93 Gymnasien ein Bürgerhaushalt durchgeführt wird. Insgesamt stehen hierzu 10 Mio. Euro zur Verfügung, die für Projekte mit einem Maximalvolumen von 150.000 Euro ausgegeben werden können (das Gesamtbudget des Schuletats beträgt 110 Mio. Euro). Es handelt sich um eine Idee, die von der Präsidentin der Region Ségolène Royale vorangebracht wurde, die als Kandidatin der sozialdemokratischen Partei mit ihrer partizipativen Politik auch im nationalen Präsidentschaftswahlkampf für Aufsehen gesorgt hatte. Das Verfahren hat sowohl zu einer Bedarfsorientierung in den Schulen geführt als auch zu einem einfacheren Management im Allgemeinen, obwohl der Bürgerhaushalt anfänglich gegen Widerstände in der Verwaltung durchgesetzt werden musste (siehe Sintomer/Röcke 2009).

Die angeführten Beispiele haben gemeinsam, dass Bürger und Bürgerinnen über ein Budget verfügen, was in Deutschland bisher noch nicht der Fall ist (Sintomer et al. 2010.; Herzberg 2009). Für den deutschen Kommunalwissenschaftler Prof. Dr. Nobert Kersting (2008), der derzeit an der Stellenbosch Universität in Südafrika zum Thema Governance forscht, ist dies jedoch eine Zukunftsfrage der hiesigen Bürgerhaushalte. Die begrenzte Delegation von Entscheidungskompetenzen führt nicht zu einer Entmachtung der Mandatsträgers, sondern stärkt sie durch Entlastung. Ein solcher Vorschlag ist auch in dem Konzept der Quartiersfonds wieder zu finden, das 2008 in Berlin für einen Bürgerhaushalt auf Bezirksebene erarbeitet wurde. Inwiefern diese Anregungen aufgegriffen werden, ist noch offen. Regelmäßig informiert wird hierzu auf der Homepage „www.buergerhaushalt.de“, auf der ab dem Frühjahr die Dokumentation der Konferenz als Download bereitstehen wird.

Zur Dokumentation des Bürgerhaushalt Kongress >>>

Literatur

Bpb (Hg.) 2005: Bürgerhaushalt in Großstädten. Arbeitsmaterial für die Umsetzung, Bonn (www.bpb.de/…)

Herzberg, Carsten, 2009: Von der Bürger‑ zur Solidarkommune, VSA Verlag, Hamburg

InWEnt (Hg.) 2010: Vom Süden lernen: Bürgerhaushalte weltweit – eine Einladung zur globalen Kooperation, InWEnt, Bonn

Kersting, Norbert (Hg.), 2008: Politische Beteiligung. Einführung in dialogorientierte Instrumente politischer und gesellschaftlicher Partizipation, VS Verlag, Wiesbaden

Ködelpeter, Thomas/Nitschke, Ulrich, 2008: Jugendliche planen und gestalten Lebenswelten: Partizipation als Antwort auf den gesellschaftlichen Wandel, VS Verlag, Wiesbaden

Roeder, Eva, 2010: Der Bürgerhaushalt von Rosario, Lit Verlag, Münster

Fraktion Bündnis‘90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus (Hg.), 2008: Ist ein grüner Bürgerhaushalt möglich?, Berlin (www.gruene-fraktion-berlin.de/…)

Sintomer, Yves/Herzberg, Carsten/Röcke, Anja, 2010: Der Bürgerhaushalt in Europa – eine realistische Utopie?, VS Verlag, Wiesbaden

Sintomer, Yves/Röcke, Anja 2009: Der Bürgerhaushalt der Gymnasien in der französischen Region Poitou-Charentes (www.buegerhaushalt.org/…)

Vorwerk, Volker, 2009: Bürgerhaushalt und Gender Budgeting – (wie) geht das zusammen? Dokumentation zum Symposium im Kölner Gürzenich am 05.06.2009, Stadt Köln, Köln (www.buergerwissen.de/…)

Zum Autor
Carsten Herzberg ist Dr. der Politikwissenschaft am Centre Marc Bloch, einem deutsch-französischen Forschungsinstitut in Berlin, wo er u.a. zum Thema Bürgerhaushalte forscht.

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Bürgerhaushalt Jena

Der Bürgerhaushalt in Jena – aktiver denn je

von Ralf Reinhardt, Koordinator Bürgerhaushalt Stadt Jena

Nachdem der Stadtrat im April 2009 beschlossen hatte, den Bürgerhaushalt im thüringischen Jena kontinuierlich fortzuführen und auszubauen, kam der Prozess wieder so richtig in Schwung. Zum einen dadurch bedingt, dass für die Koordinierung aller Aktivitäten rund um den Jenaer Bürgerhaushalt ab August 2009 eine feste Planstelle geschaffen wurde. Zum anderen zeigen die Jenaer Bürgerinnen und Bürger riesiges Interesse an den haushaltspolitischen Entscheidungen in ihrer Stadt. Das zeigt sich u. a. darin, dass sich eine Arbeitsgruppe Bürgerhaushalt (AG BHH) gebildet hat, die ausschließlich aus Bürgerinnen und Bürgern besteht. Diese AG BHH trifft sich mindestens einmal monatlich und berät öffentlich zu allen Themen des Bürgerhaushalts. Sie gibt z. B. entsprechende Empfehlungen an Verwaltung und Kommunalpolitik hinsichtlich der Themenwahl sowie zu Vorbereitung, Durchführung und Evaluation der Beteiligungsverfahren.

So ist es wohl auch zu erklären, dass die repräsentative Beteiligungsquote beim Ende 2009 durchgeführten Bürgerbeteiligungsverfahren bei geradezu sensationellen 30 % liegt. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass sich von den 15.000 Bürgerinnen und Bürgern, die per Zufallsverfahren zur Stimmabgabe per Stimmzettel aufgefordert waren, 4.539 Personen an der Abstimmung beteiligt haben. Die Organisatoren des Jenaer Bürgerhaushalts waren von diesem immensen Interesse überwältigt, auch die Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Lokalpolitik horchten auf. Momentan wird durch Sozialwissenschaftler der Fachhochschule Jena die detaillierte Auswertung des Beteiligungsverfahrens vorgenommen. Diese soll im März vorliegen und in allen denkbaren Print‑ und Webmedien veröffentlicht werden. Zudem ist für Ende April bereits eine Bürgerversammlung terminiert, in der die Ergebnisse des letzten Beteiligungsverfahrens öffentlich präsentiert werden. Außerdem soll darüber entschieden werden, welche inhaltlichen Themen auf der Agenda des Bürgerhaushalts 2010 stehen sollen.

Seit Anfang des Jahres diskutiert die AG BHH schon darüber und will in den kommenden Wochen entsprechende Vorschläge unterbreiten. Angestrebt wird, die Erstellung der Haushaltsbroschüre und das Bürgerbeteiligungsverfahren 2010 zeitlich so platzieren zu können, dass die Ergebnisse Anfang des letzten Jahresquartals vorliegen. Somit könnten sie sowohl in die Beratungen als auch die Beschlüsse des Jenaer Stadtrates zum städtischen Haushalt 2011 einfließen. Gerade im Hinblick mit der Anfang 2011 in Jena vorgesehenen Umstellung von der kameralistischen zu einer doppischen Haushaltsführung ist es hochinteressant zu erfahren, welche Themenschwerpunkte Jenas Bürgerschaft als besonders wichtig betrachtet und wie sie die Gewichtung der verfügbaren finanziellen Mittel vornehmen würde. Der Bürgerhaushalt in Jena bleibt also weiterhin ein sehr spannender Prozess, der in seinem vierten Jahr lebendiger und aktiver ist als je zuvor!

Aktuelle und ausführliche Informationen zum Bürgerhaushalt der Stadt Jena finden Sie ständig unter www.jena.de/buergerhaushalt.

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Bürgerhaushalt auf Twitter

Bürgerhaushalt auf Twitter: http://twitter.com/buergerhaushalt

Über Twitter werden wir alle Meldungen der Rubrik „Neuigkeiten“ posten und ausgewählte „Aktuelle Beiträge“. Teilweise auch kleinere Meldung, die auf der Plattform nicht berücksichtigt werden. Seit unserem Start (29. April 2009) bis heute haben wir 135 Tweets, 60 Followers und sind 20-mal gelistet.

Wir freuen uns auf weitere Followers,
Ihre Moderation
Oliver Märker
Sophia Rieck

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Ingolstadt macht Schritt zum Bürgerhaushalt

Quelle: www.ingolstadt.de Wie donaukurier.de berichtet, wird in Ingolstadt (124.000 EW) eine neue Form der Bürgerbeteiligung in der kommunalen Haushaltsplanung eingeführt. Für die 12 Stadtbezirke wird ein Budget über ca. 1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das – anteilig nach der jeweiligen Einwohnerzahl pro Bezirk – für die Umsetzung von Projekten genutzt werden kann.

Dieser „budget-orientierte Bürgerhaushalt“ setzt an an den in Ingolstadt freiwillig eingeführten und laut der Angaben der Stadt erfolgreichen Modell der Bezirksausschüsse an, in denen schon seit jeher Bürgervorschläge beraten und mit einer hohen Erfolgsquote umgesetzt wurden. So heißt es auf www.ingolstadt.de:

In Ingolstadt findet eine aktive Mitverantwortung der Bürgerinnen und Bürger schon seit Jahrzehnten u. a. in Gestalt der Bezirksausschüsse statt. Die Arbeit dieser beratenden Gremien vor Ort stellt ein wertvolles Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgern dar. Gerade hier kommt die Mitwirkung und die ins Detail gehende Ortskenntnis der Bürger der Entscheidungsfindung der Kommunalverwaltung zugute. Ingolstadt ist die einzige Stadt in Bayern – ausgenommen München, dem aufgrund der Einwohnerzahl die Bezirksausschüsse gesetzlich vorgeschrieben sind –, die Bezirksausschüsse eingerichtet hat. Schon die statistische Auswertung zeigt, in welch hohem Umfange hier Bürgeranliegen und Kenntnisse für Verwaltungsentscheidungen nutzbar sind und auch bereits genutzt werden. So haben in der Zeit von 2002 bis 2009 die Ingolstädter Bezirksausschüsse in ca. 350 Sitzungen mehr als 3.500 Anträge und Beschlüsse gefasst, die auch zu rd. 95 % umgesetzt worden sind.

Positiv ist, dass das vorgesehene Verfahren auf den Seiten der Stadt erläutert wird. Dabei wird deutlich, dass ein wichtiges Kriterium für Bürgerhaushalte umgesetzt wird: es handelt sich um ein wiederholtes und stets in die kommunale Haushaltsplanung eingebettetes Verfahren. Auch wird auf die zentralen Säulen „Informieren“, „Konsultieren“ und „Rechenschaft“ Bezug genommen. So heißt es auf www.ingolstadt.de weiter:

Die eigentliche Planungs‑ und Aufstellungsphase wird in einem mehrstufigen Verfahren vorgenommen. In der nachfolgenden Modellbeschreibung, die sich hier am Haushaltsjahr (Kalenderjahr) orientiert, wird der Zeitplan eines solchen Verfahrens idealtypisch dargestellt.

* Ⅰ. und Ⅱ. Quartal
o Bürgergespräche und Beratung der Projekte in den Bezirksausschüssen
o Abstimmungsgespräche zwischen den Bezirksausschüssen und den Fachämtern (Kostenplanung usw.)
o Erstellen der Vorschlagslisten durch die Bezirksausschüsse mit Stellungnahme der Verwaltung
* Vor der Sommerpause
o Vorlage der Gesamtvorschlagsliste der Bezirksausschüsse (mit Stellungnahmen der Verwaltung) zur Beschlussfassung in den zuständigen Gremien
* Ⅳ. Quartal
o Einstellen der beschlossenen Vorhaben und Projekte in den Haushaltsplanentwurf
o Beschlussfassung über den Haushalt für das nächste Haushaltsjahr
* Folgejahr
o Unterjährige Berichterstattung über die Umsetzung der einzelnen Projekte und Maßnahmen der Bezirksausschüsse (ggf. mit den Quartalsberichten)

In allen Phasen dieses neuen Aufstellungsverfahrens (Information-Konsultation-Rechenschaftslegung) agieren die Bezirksausschüsse in einer Art Gelenkfunktion. Zielsetzung ist es, durch die stärkere Einbindung und Mitwirkung der Bezirksausschüsse bei der Haushaltsaufstellung eine bessere Transparenz, die Steigerung des Kostenbewusstseins und eine aktive Einbindung und Verantwortung der Bürgerschaft zu erreichen und herauszustellen.

Beteiligungsformular, Quelle = www.ingolstadt.deNeben den bürgernahen Beratungsgremien in den Bezirken, wird auch das Internet als Beteiligungsmedium eingesetzt. Darauf spielt auch der Bericht von donaukurier.de „Ein Klick zum Bürgerhaushalt “ an. Schade ist, dass hier nur ein Online-Formular (vgl. Bildschirmfoto) zum Einsatz kommt, das aus Sicht des Bürgers eine intransparente, auf die Verwaltung gerichtete „Einbahnstraße“ darstellt. Denn hier eingegebene Vorschläge werden nicht für andere Bürgerinnen und Bürger sichtbar, geschweige denn, dass sie disktuiert werden könnten. Dadurch wird das Potenzial internet-basierter Bürgerbeteiligung, nämlich Lernprozesse durch einen Bürger-Bürger-Dialog über Straßenzüge, Stadtquartiere und Bezirke hinaus anzuregen, nicht genutzt.

Dennoch stellt der Ansatz in Ingolstadt – zumindest aus der Ferne betrachtet – ein zu begrüßender Ansatz dar, der, wie alle Bürgerhaushalte, als Lernprozess betrachtet und weiterentwickelt werden kann und sollte.

Oliver Märker

Zum Beitrag im donaukurier.de >>>
Zu den Seiten der Stadt Ingolstadt >>>

Wir haben Ingolstadt in unserer Karte den Status „E“ gegeben (= Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden).

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Henstedt-Ulzburg: Bürgermeister-Kandidat möchte Bürgerhaushalt

Pressemitteilung des Bürgermeister-Kandidaten Christian Carstensen:

Spätestens zum Haushalt 2012 sollen die Bürgerinnen und Bürger von Henstedt-Ulzburg über die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde mitentscheiden dürfen. Dafür setzt sich Bürgermeisterkandidat Christian Carstensen ein.

„Beim Haushalt der Gemeinde geht es um das Geld aller Bürgerinnen und Bürger von Henstedt-Ulzburg, deswegen sollen auch alle an den Haushaltsberatungen beteiligt werden“, so Christian Carstensen. Das Mittel dafür ist der Bürgerhaushalt. Die Idee ist seit rund zwanzig Jahren weltweit erprobt und findet auch in deutschen Kommunen immer mehr Anwendung.

Dazu Christian Carstensen: „Nach meiner Wahl zum Bürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass erstmals der Haushalt 2012 auch in Henstedt-Ulzburg ein Bürgerhaushalt wird.“

Der Vorschlag des Kandidaten für die Wahl am 25. April folgt einer einfachen Grundhaltung: „Einsame Entscheidungen der politischen Verantwortlichen in Rathäusern und Parlamenten fern von der Bevölkerung sind nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr haben die Bürgerinnen und Bürger selbst ein gutes Gespür für notwendige Veränderungen in ihrer Nachbarschaft und Gemeinde. Es wäre daher ein großer Fehler, das Wissen und die Ideen der Menschen vor Ort nicht zu beachten. Aufgabe von Verwaltung und Politik muss es eher sein, alle Bürgerinnen und Bürger anzusprechen, sie zu eigenen Vorschlägen zu motivieren und ihre Anregungen ernst zu nehmen.

Kein Politikfeld eignet sich dafür besser, als die Beratung über den Haushalt. Werden doch mit dem Beschluss über die Einnahmen und Ausgaben die Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde festgelegt. Es wird dabei nicht über irgendwelches Geld gesprochen sondern über das Geld der steuern‑ und abgabenzahlenden Bevölkerung. Und deswegen gilt:

Weil es um das Geld der Bürger geht, braucht Henstedt-Ulzburg den Bürgerhaushalt!“

Webseite von Christian Carstensen >>>

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Gastbeitrag | Bürgerhaushalte in Bayern – Streiflichter aus dem Süden

von Thomas Ködelpeter, Ökologische Akademie e.V.

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2004 stand der Bürgerhaushalt ganz oben auf der Agenda politischer Bildungsarbeit. In zwei Fortbildungen der Seidel-Stiftung (CSU), der Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) und der Petra-Kelly-Stiftung (Die Grünen) wollten Bürgermeister, Kämmerer und Agenda 21 wissen, wie man BürgerInnen am Haushalt und am Stellen der Weichen in eine nachhaltige Zukunft auf lokaler Ebene beteiligt. Doch mit der Abwicklung der KOMMA21-Stelle im Bayerischen Landesamt für Umwelt, der Vernetzungsagentur für lokale Agenda 21-Prozesse, brach der Ansprechpartner und Multiplikator zur Verstetigung und Weiterentwicklung weg.

Bürgerhaushalt in Erlangen – eine Endlosschleife

Seit rund 6 Jahren beschäftigt sich der „Arbeitskreis Kommunaler Beteiligungshaushalt“ des Beirats zur Erlanger Agenda 21 mit dem Thema. Ein Ratsbeschluss steht immer noch aus. Aufgrund anderer Prioritäten, so Dr. Schulmeister, Stabsstelle Agenda 21 beim OBM, liege der Beteiligungshaushalt auf Eis. Mit einem Antrag der Fraktion „Erlanger Linke“ (30.11.2009) könnte Bewegung in die erlahmte politische Auseinandersetzung kommen.

Im Startblock: Bad Wörishofen

Gute Realisierungschancen hat der Bürgerhaushalt in der Kneippstadt Bad Wörishofen (15.000 Einwohner). Bürgermeister Klaus Holetschek (CSU) bekam bei seiner Unterrichtung der Ratsfraktionen im Herbst 2009 überwiegend Unterstützung. Bedenken einzelner Stadträte, nicht mehr das letzte Wort zu haben, konnte man ausräumen. In Bad Wörishofen geht es, wie Beate Ulrich, Leiterin der städtischen Finanzverwaltung, sagte, nicht mehr um das Ob sondern um das das Wie des Prozesses. Geklärt werden müsse, wie Kinder, Jugendliche, Senioren und Migranten in den Beteiligungsprozess einbezogen werden. Ende 2010 rechnet Beate Ulrich mit dem Abschluss der Vorbereitung. Anfang des nächsten Jahres soll es los-gehen. Mit 2–3 Bereichen des Haushaltes will Bad Wörishofen beginnen und möglicherweise den Rahmen „deckeln“, ein begrenztes Budget zur öffentlichen Disposition stellen. In der laufenden Vorbereitung wird untersucht, welche Themen den Zielgruppen auf den Nägeln brennen.

Chancen auf dem Land: Kirchanschöring, Straßlach-Dingharting und Weyarn

In Kirchanschöring am Waginger See (3.150 Einwohner) verdrängte die mittlerweile notwendig gewordene Kanalsanierung die für 2009 geplante Informationsphase zum Bürgerhaushalt auf den Herbst 2010. Bürgermeister Hans-Jörg Birner (CSU) will den Mitarbeitern keine zwei parallelen „Großbaustellen“ zumuten. Kirchanschöring wurde vor kurzem Bundessieger im Wettbewerb „Unser Dorf soll Zukunft haben“ und greift beim Bürgerhaushalt auf positive Erfahrungen in der Dorferneuerung und anderen Bürgerbe-teiligungsverfahren zurück. Auf den Bürgerhaushalt ist der rührige Bürgermeister allerdings nicht durch Seminare oder die CSU gestoßen, sondern durch eine Internet-Recherche auf der Seite www.buergerhaushalt.org

In Straßlach-Dingharting, einer 3000 Einwohner großen Gemeinde im Landkreises München, geht Gemeinderat Volker Steidle (SDP) ähnliche Wege, im Internet kam er auf den Bürgerhaushalt. Auf der Seite der SPD beschreibt er, dass in der Kommunalwahl 2008 alle Bürgermeisterkandidaten mit mehr Information, mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung in den Wahlkampf gingen. Von seiner Sicht, mit dem Beteiligungsinstrument Bürgerhaushalt die Kompetenzen der Bürger anzuerkennen und sie zum Wohle der Gemeinde zu nutzen, sind bisher nicht alle Gemeinderäte überzeugt. Auch Bürgermeister Siener hält, so Steidle, den Bürgerhaushalt für zu aufwändig, ist vom Nutzen noch nicht überzeugt und hat keine Mannschaft für Vorbereitung und Begleitung. Der Antrag liegt jetzt erst einmal auf Eis.

In der Metropole München wagen sich mit ÖDP und „Die Linke“ nur kleine, in Opposition stehende politische Gruppierungen an den Bürgerhaushalt. Ihre Anträge von 2008 und 2009 sind im Stadtrat noch nicht behandelt. Das gilt auch für Ingolstadt, wo die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und „Die Linke“ Ende 2008 Anträge auf Einführung eines Bürgerhaushalts einreichten.

Das Leitbild der nachhaltigen Bürgerkommune ist die Grundlage von 41 im „Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune“ zusammengeschlossenen Agenda 21 Kommunen und Energiewende-Regionen. Im Qualitätszirkel „Strukturelle Finanzkraft/Bürgerhaushalt“ dieses Netzwerks stellte Joachim Scheid, Regensburg, den kommunale Bürgerhaushalt vor. Auf der Netzwerk-Jahrestagung 2009 zog der Qualitätszirkel Bilanz: „ein solcher Bürgerhaushalt ist ein langfristiges Projekt, das Vorlauf benötigt. Dazu gehören der Aufbau von Beteiligungsstrukturen, die Aufbereitung der Haushaltszahlen und ein transparentes Verfahren“. Michael Pelzer, Bürgermeister der Modellgemeinde Weyarn (5.500 Einwohner) und Mitglied im Qualitätszirkel entwickelt mit seiner Verwaltung Voraussetzungen zur Einführung eines Bürgerhaushaltes. In seine Strategie folgt er dem Prinzip des Netzwerks „Verstehen, Wollen, Können, Tun“.

Informationen zum „Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune“ unter www.nachhaltige-buergerkommune.de >>>

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Solingen: Bürger sparen mit

Wie die RP-Online berichtet, wird in Solingen (160.000 EW) Anfang März 2010 der Startschuss für den ersten Bürgerhaushalt fallen. Demnach werden die Solinger Bürgerinnen und Bürger vor allem dazu aufgerufen, Sparvorschläge der Verwaltung zu bewerten:

45 Millionen Euro muss die Stadt Solingen einsparen, damit sie nicht im Jahr 2013 pleite ist und von einem Sparkommissar regiert wird. Und damit die Einwohner mitbestimmen können, wo die finanzielle Daumenschraube fester oder lockerer angesetzt werden soll, wird es demnächst einen Bürgerhaushalt geben. „Auf einer Internetplattform können die Bürger Sparvorschläge bewerten, kommentieren und auch eigene Vorschläge machen“, erklärte Thomas Koch, Koordinator beim Stadtkämmerer, gestern im Seniorenbeirat und zuvor bereits im Behindertenbeirat.

Der Auftrag an die Bürgerinnen und Bürger ist also, sich am Sparen zu beteiligen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, wird das Angebot daher auch kritisch gesehen. So heißt es im Bericht von Susanne GENATH vom 28. Januar auch:

Die Mitglieder des Seniorenbeirates begrüßten den ersten Solinger Bürgerhaushalt, bedauerten aber, dass die Bürger keine freien Gestaltungsmöglichkeiten hätten, sondern nur über Sparmaßnahmen entscheiden dürften. „So können wir nur zwischen Pest und Cholera wählen“, sagte Julia Freiwald (Grüne) und erntete dafür Zustimmung in der Runde. Nichtsdestotrotz regte Vorsitzender Herbert Gerbig (SPD) an, dass sich möglichst viele an der Umfrage beteiligten.

Lesen Sie hier den gesamten Artikel >>>

Wir haben in unserer Karte für Solingen den Status von „B“ auf „E“ geändert (E = Einführung: Der Bürgerhaushalt wird zum 1. oder 2. mal durchgeführt. Die Öffentlichkeit wird nicht nur über den Haushalt Informiert (z.B. durch eine Broschüre), sondern auch konsultiert: Sie hat die Möglichkeit, Verwaltungsvorschläge zu bewerten und/oder eigene Vorschläge einzubringen, zu diskutieren und zu bewerten. Darüber hinaus ist eine Rückmeldung darüber vorgesehen (Rechenschaft), ob und wie die Bürgervorschläge berücksichtigt wurden).

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Mit Bürgerhaushalt Wandel erreichen – Internationaler Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin

Pressemitteilung zum Internationalen Kongress zum kommunalen Bürgerhaushalt in Berlin der Bundeszentrale für Politische Bildung und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt

Am 21. und 22. Januar 2010 diskutierten in Berlin über 160 internationale Experten und Praktiker aus 13 Ländern über den kommunalen Bürgerhaushalt. In vielen Teilen der Welt – etwa in Afrika und Südamerika – erweist sich der Bürgerhaushalt als erfolgreiches Instrument der Bürgerbeteiligung. Deutsche Kommunen scheinen bisher noch zögerlich zu sein. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Centre Marc Bloch und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH luden deshalb zum internationalen Erfahrungsaustausch ein. In Foren und Diskussionsrunden analysierten die Teilnehmer die verschiedenen Modelle und Instrumente des Bürgerhaushaltes und ihre Eignung für Deutschland.

Berichte von Bürgerhaushalten in Lateinamerika, Afrika, China, Kanada und Europa stießen bei den Vertretern aus deutschen Kommunen auf großes Interesse, auch wenn Instrumente oft nicht eins zu eins übertragbar sind. „Bestimmte Elemente, Instrumente und Erfahrungen des Bürgerhaushaltes können und sollen ausgetauscht, übernommen, revidiert und angepasst werden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der bpb. „Der Bürgerhaushalt ist und kann ein erfolgreiches Beteiligungsinstrument für alle Bürgerinnen und Bürger werden; für Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Frauen, Jugendliche und Senioren.“

So fand beispielsweise ein in der senegalesischen Gemeinde Fissel praktizierter Bürgerhaushalt viel Beachtung und Anerkennung. „Afrika ist hier viel weiter als wir!“, stellte einer der Teilnehmer fest. Anita Reddy, Abteilungsleiterin der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt, SKEW, ergänzt: „Afrika ist ein Kontinent, der reich an sehr unterschiedlichen Beispielen des Bürgerhaushaltes ist. Das könnte in Zukunft zu neuen Modellen führen, in denen Demokratisierung als ein wesentliches Thema erfasst wird, die aber auch die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zu Bildung, Wissen und politische Einflussnahme einbeziehen.“

Doch beim Bürgerhaushalt geht es um mehr als die Verteilung knapper Ressourcen: er mobilisiert Menschen zur Teilhabe an Demokratie, fördert soziale Gerechtigkeit, politische Bildung und Armutsbekämpfung. Wichtig ist dabei sowohl die Einbettung des Bürgerhaushaltes in ein nachhaltiges kommunales Beteiligungskonzept als auch die Transparenz des Verfahrens. Allerdings ist es schwierig, die gelungene Implementation sichtbar zu machen, denn die Wirkung eines Bürgerhaushaltes ist nur schwer messbar.

Angesichts vieler neuer Herausforderungen der Kommunen bietet sich der Bürgerhaushalt als Instrument an, um den Wandel mitzugestalten. „Wandel ist eine inhärente Eigenschaft des Bürgerhaushaltes, er inspiriert Menschen, etwas zum Guten zu verändern,“ bilanziert Josh Lerner von der New School for Social Research in New York. „Deshalb muss ein Bürgerhaushalt nicht perfekt sein: beginnen Sie einfach und verbessern Sie ihren Haushalt Jahr für Jahr.“

Die Veranstaltung war hierfür ein wichtiger Impulsgeber. Dr. Béatrice von Hirschhausen, Stellvertretende Direktorin des Centre Marc Bloch (cmb), sagt: „Ein spannender und anregender Kongress, der den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch befördern soll.“

Antworten, Ideen und Kontakte mit Experten, wie dem nationalen Netzwerk der Bürgerhaushälter, bieten die bpb und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt.

Pressekontakt
Servicestelle Kommunen in der Einen Welt/InWEnt gGmbH
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53113 Bonn
Mobil: 0171 5400 920
hf.wuelfing@t-online.de

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Daniel Kraft
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10 000 € für Jüterbog – budget-orientierter Bürgerhaushalt

In Jüterbog wird in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Bürgerhaushalt durchgeführt. Wie beim ersten Bürgerhaushalt steht ein Budget fest (das Doppelte des Vorjahres), für dessen Verwendung die Bürgerinnen und Bürger Vorschläge einreichen können. Die Märkische Allgemeine berichtet:

Der Bürgerhaushalt 2010 soll verdoppelt werden im Vergleich zum Vorjahr. Die Stadt hat in den Entwurf ihres Haushaltsplanes, der zurzeit in den Fraktionen und im Februar in den Ausschüssen diskutiert wird, diesmal 10000 Euro eingestellt. Was mit diesem Geld geschieht, dafür sollen die Jüterboger Vorschläge machen und später direkt darüber abstimmen.

Voraussetzung ist ein beschlossener und genehmigter Gesamthaushalt für die Stadt. Die Mittel im sogenannten Bürgerhaushalt sollen für Anschaffungen oder Investitionen verwendet werden. Im vorigen Jahr setzte sich der Vorschlag durch, den Spielplatz auf dem Neumarkt-Anger zu verschönern und zu ergänzen.

Wo und wann die Vorschläge abgegeben werden können, ist im Internet momentan noch nicht zu ersehen. Wir werden an dieser Stelle berichten.

Zum Artikel der Märkischen Allgemeinen >>>

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Münster: Bürgerversammlung zum Haushalt

Unter dem Titel „Bürgerhaushalt“ führte die Stadt Münster am 14.01.2010 eine Bürgerversammlung durch. Die Bürgerinnen und Bürger wurden zunächst über die aktuelle knappe Haushaltslage informiert. So heißt es in einer Meldung der Stadt:

Dabei wurde der Blick zunächst in die Vergangenheit gerichtet: So wurden die Defizite im städtischen Haushalt seit 2001 und die städtischen Bemühungen um einen Abbau dieser Defizite beleuchtet. Dass ein sofortiger Haushaltsausgleich nur mit radikalen Einschnitten machbar wäre, wurde dabei deutlich.

Nach dem Informationsteil konnten sich die Bürger dann auch selbst zu Wort melden und Vorschläge zum Haushalt und möglichem Sparpotential machen.

Weit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben im Rathaus mit Oberbürgermeister Markus Lewe, Stadtkämmerin Helga Bickeböller, dem Leiter des Amtes für Finanzen und Beteiligungen, Alfons Reinkemeier, und dem Büroleiter des Oberbürgermeisters, Rainer Uetz, über die aktuelle Haushaltslage, aber auch über zukünftig denkbare Beteiligungsmöglichkeiten für alle Einwohnerinnen und Einwohner Münsters diskutiert.

Die Stadt sieht die Bürgerversammlung als ersten Schritt auf dem Weg zu einem Bürgerhaushalt. Weitere Veranstaltungen sind geplant. In unsere Karte haben wir den Status von Münster von „D“ wie Diskussion zunächst in „I“ = Information geändert.

Information = Die Bürgerbeteiligung befindet sich (oder verharrt) auf der 1. Stufe: Die Bürgerinnen und Bürger werden über den Haushalt und die Haushaltsplanungen informiert, z.B. mittels Broschüren oder Informationsveranstaltungen. Eine Konsultation ist (noch oder dauerhaft) nicht oder nur in Ansätzen vorgesehen.

Eine durchgeführte Informationsveranstaltung ist noch kein Bürgerhaushalt, aber dennoch in diesem Fall sehr wahrscheinlich ein Schritt in Richtung bürgerbeteiligter Haushaltsplanung. Ein Bürgerhaushalt besteht aus den drei Säulen Information, Konsultation und Rechenschaft. In Münster wurden die Bürger informiert und konnten sich auch bereits zu Wort melden.

Von einer Konsultation im Rahmen eines vollwertigen Bürgerhaushalts kann man noch nicht sprechen. Aber möglicherweise ja schon sehr bald. Über das Thema Rechenschaft, also wie mit den Bürgervorschlägen umgegangen wird, erfährt man noch nichts, aber auch das wird möglicherweise bald kommen.

Wie das Stadtmagazin Echo Münster berichtet, wurden bereits auf der ersten Veranstaltung Bürger-Arbeitsgruppen gegründet, um die Bürgerbeteiligung am Haushalt weiter auszubauen.

Als sich nach gut zwei Stunden die Reihen zu lichten begannen, ging es daran, Teilnehmer zu gewinnen, die sich in Bürgergruppen des Themas annehmen. Nicht ohne zuvor denkbare Möglichkeiten der Beteiligung vorgestellt zu haben.

Zum Artikel des Echo Münster >>>

Seite der Stadt Münster mit Informationen zum Haushalt >>>

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Oldenburg: Bürgerhaushalt eingeführt und Online-Phase gestartet

Bereits am 24.11.2008 wurde vom Rat der Stadt Oldenburg die Einführung eines Bürgerhaushalt beschlossen. Gestartet ist der erste Bürgerhaushalt nun am 07.01.2010. Die Beteiligungsphase dauert noch bis zum 22.03.2010 an. In der Karte der Bürgerhaushalt-Kommunen in Deutschland haben wir den Status der Stadt Oldenburg von „B“ (Beschluss) in „E“ (Einführung) geändert.

www.buergerhaushalt.oldenburg.de >>>

Mit dem „Bürgerhaushalt 2010⁄2011“ beteiligen Sie sich im Jahr 2010 an dem Haushaltsplan 2011. Der Rat entscheidet Ende des Jahres 2010 über die Umsetzung der Vorschläge im Rahmen des Haushaltsbeschlusses für den Haushalt 2011.

Der Bürgerhaushalt gliedert sich in die Phasen Vorschlagen, Abstimmen, weiteres Verfahren und Rechenschaft. Nach der Vorschlagsphase, die bis 22. März dauert, gibt es vom 08.04. bis zum 04.05.2010 eine zweite Online-Phase in der die Bürgerinnen und Bürger über die eingereichten Vorschläge abstimmen können.

Vorschlagen
Teilen Sie uns Ihre Vorschläge über den Menüpunkt „Mein Bürgerhaushalt“ mit. Die eingegangenen Vorschläge werden innerhalb von ein bis zwei Werktagen freigeschaltet und sind anschließend über den Menüpunkt „Liste der Vorschläge“ für jede Person einsehbar. Alternativ können Sie ein Formular aufrufen und Ihren Vorschlag schriftlich einreichen.

Abstimmen
Sie haben für die Abstimmung drei Stimmen zur Verfügung. Abstimmen können Sie online unter dem Menüpunkt „Mein Bürgerhaushalt“ oder auf einem Bürgerforum. Die Bürgerforen finden parallel zu der Internetabstimmung statt. Es werden sechs Bürgerforen durchgeführt. Die Termine erfahren Sie zu gegebener Zeit unter Bürgerhaushalt aktuell. Verteilen können Sie diese folgendermaßen auf Ihre favorisierten Vorschläge:
* Geben Sie alle Stimmen einem Vorschlag.
* Geben Sie zwei Stimmen einem Vorschlag und eine Stimme einem anderen Vorschlag.
* Geben Sie jeweils eine Stimme einem Vorschlag.
Sie können auch zu Gunsten Ihrer eigenen Vorschläge abstimmen. Eine Abstimmung ist nur einmal möglich.

Weiteres Vorgehen und Rechenschaft
Sobald die Phase der Abstimmung beendet ist, werden zwei Listen angefertigt: Eine enthält die meistgewählten zehn Vorschläge der Internetabstimmung und die andere die jeweils fünf meistgewählten Vorschläge der Bürgerforen (maximal eine Top 30). Sollten die gleichen Vorschläge in mehreren Bürgerforen unter die Top fünf kommen, wird sich die Anzahl der Top 30 entsprechend reduzieren.

Die beiden Listen werden an 5.000 zufällig ausgewählte Oldenburgerinnen und Oldenburger, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, geschickt. Diese stimmen nun nochmals über die ihnen zugeschickten Vorschläge ab. Pro Liste können sie jeweils einen Vorschlag favorisieren.

Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung, die voraussichtlich im Dezember 2010 stattfindet, wird der Rat Ihnen gegenüber Rechenschaft ablegen, welche Ihrer Vorschläge im Haushaltsplan 2011 berücksichtigt wurden. Die Abschlussveranstaltung zum Bürgerhaushalt 2010⁄2011 ist gleichzeitig auch die Auftaktveranstaltung für den Bürgerhaushalt 2011⁄2012.

www.buergerhaushalt.oldenburg.de >>>

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